US-Präsident Donald Trump hat mit der Ankündigung, die Straße von Hormus zu US-Territorium erklären zu wollen, den Konflikt mit dem Iran weiter verschärft. Teheran wies den Vorstoß scharf zurück und stellte offen infrage, ob überhaupt neue Gespräche mit Washington aufgenommen werden.
Trump kündigt Übernahme der Meerenge an
Bei einem Wahlkampfauftritt sagte Trump, er wolle die Straße von Hormus zum Gebiet der Vereinigten Staaten machen, sobald die USA den Iran besiegt hätten. Zugleich sprach er von einer angeblich „vernichtenden Niederlage“ Teherans. Wie ein solcher Schritt praktisch umgesetzt werden könnte, ließ er offen.
Die Meerenge zählt zu den wichtigsten Handelsrouten der Welt für Öl und Gas und ist seit langem ein zentraler Streitpunkt zwischen Washington und Teheran. Der seit Ende Februar andauernde Krieg hat den Schiffsverkehr dort nach Angaben aus der Region fast zum Erliegen gebracht.
Iran weist die Pläne entschieden zurück
Aus Teheran kam umgehend Widerspruch. Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi erklärte auf X, die Straße von Hormus lasse sich weder per Tweet noch mit einem Flugzeugträger oder per Befehl einnehmen. Der Iran lasse sich weder durch Drohungen noch durch Machtdemonstrationen einschüchtern.
Zugleich erklärte er, die USA müssten eine strategische Niederlage akzeptieren. Die Straße von Hormus habe dem Iran gehört, gehöre dem Iran und werde dem Iran gehören.
Frist für Verhandlungen und Waffenruhe läuft ab
Unterdessen läuft an diesem Wochenende die Frist aus, innerhalb derer Washington und Teheran eigentlich Verhandlungen unter anderem über das iranische Atomprogramm abschließen wollten. In den vergangenen Wochen war allerdings mehrfach gegen die Waffenruhe und weitere Bestandteile des Rahmenabkommens verstoßen worden.
Aus pakistanischen Sicherheitskreisen hieß es zuletzt, die Waffenruhe könne um weitere 60 oder sogar 90 Tage verlängert werden. Ob eine solche Verlängerung öffentlich bekanntgegeben wird, ist demnach aber noch unklar. Pakistan vermittelt in dem Konflikt.
Weiter keine Einigung zur Schifffahrt durch Hormus
Ebenfalls endet die Frist, in der sich der Iran zu einer gebührenfreien Durchfahrt durch die Straße von Hormus verpflichtet hatte. Wie der Schiffsverkehr danach geregelt werden soll, verhandeln Iran und Oman. Aus Oman war von konstruktiven Gesprächen die Rede, eine Einigung wurde bislang jedoch nicht bekanntgegeben. Nach Angaben aus pakistanischen Sicherheitskreisen könnte eine Vereinbarung allerdings bevorstehen.
Der Iran betonte, dabei handle es sich um technische Gespräche zur Festlegung der Schifffahrtsrouten in der Meerenge. Diese seien von möglichen Waffenruhe-Verhandlungen mit den USA getrennt zu betrachten.
Erneut Angriff auf Handelsschiff gemeldet
In der Nacht zum Samstag wurde erneut ein Angriff auf ein Handelsschiff in der Meerenge gemeldet. Die staatliche emiratische Nachrichtenagentur WAM berichtete, ein Schiff des staatlichen Ölkonzerns Adnoc sei attackiert worden. Verletzt worden sei niemand. Zu möglichen Schäden lagen zunächst keine Angaben vor.
Bereits in der Nacht zuvor hatten die Vereinigten Arabischen Emirate mitgeteilt, zwei Adnoc-Schiffe seien vom Iran angegriffen worden. Abu Dhabi verurteilte den Vorfall scharf.
Teheran fordert Entschädigungen
Für eine vollständige Öffnung der Meerenge verlangt der Iran nach eigenen Angaben unter anderem ein Ende aller US-Drohungen, die Aufhebung der Seeblockade iranischer Häfen, den Abzug amerikanischer Streitkräfte aus der Region sowie eine vollständige Entschädigung für Kriegsschäden.
Außenminister Abbas Araghtschi sagte laut der regierungsnahen Nachrichtenagentur Isna, Teheran habe noch nicht entschieden, ob neue Verhandlungen mit Washington aufgenommen werden. Zur Begründung verwies er darauf, dass die USA die Vereinbarung verletzt hätten und die Kämpfe wieder aufgenommen worden seien. Von einer Waffenruhe, die nun einfach verlängert werden könne, könne deshalb keine Rede sein.
Ölpreise bleiben unter Druck
Die Spannungen wirken sich weiter auf die Energiemärkte aus. Die Nordseesorte Brent ging zuletzt mit weiteren Aufschlägen aus dem Handel und kostete am Freitag knapp 89 Dollar pro Barrel – deutlich mehr als noch vor einem halben Jahr.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber