Viral-Hit für Wallenfelser Flößerei – doch Niedrigwasser bremst Saison
Ein Instagram-Video von Wallenfels Bürgermeister Jens Korn hat der Flößerei im Frankenwald enorme Aufmerksamkeit beschert: Mehr als 400 Millionen Abrufe und 6,6 Millionen Likes sammelte der Clip weltweit. Der Andrang auf die Floßfahrten ist in diesem Jahr entsprechend groß – sämtliche Termine sind bereits ausgebucht. Ausgerechnet jetzt macht jedoch der niedrige Wasserstand in der Wilden Rodach Probleme.
Nach Angaben Korns konnten bislang zwar alle vorgesehenen Fahrten stattfinden. In trockenen Jahren sei das jedoch keineswegs selbstverständlich. Damit es künftig seltener zu Ausfällen kommt, denkt die Stadt über zwei kleinere Stauteiche nach. Für Korn ist die Flößerei ein besonderes Markenzeichen der Region: Diese Form des Erlebnisses gebe es so nur im Frankenwald.
Unerwartete Aufmerksamkeit aus Indien
Warum das Video so durch die Decke ging, kann sich Korn zumindest teilweise erklären. Am Tag der Aufnahme waren über den Kronacher Lucas-Cranach-Campus, dessen Stiftungsrat er vorsitzt, Studierende aus Indien in Wallenfels zu Besuch. Eine Auswertung bei Instagram habe gezeigt, dass der Beitrag dort besonders häufig angesehen wurde. Korn sagte mit einem Schmunzeln, Indien sei eigentlich nicht die klassische Zielgruppe für die Wallenfelser Flößerei.
Die große Reichweite hatte aber auch in Deutschland Wirkung. Durch Berichte über den viralen Erfolg seien viele Menschen erst auf das Angebot aufmerksam geworden. Korn berichtete von einem Besucher aus Hessen, der eigens wegen des Videos in den Frankenwald gereist sei. Eine Werbekampagne mit vergleichbarer Reichweite hätte sich die Kommune auf herkömmlichem Weg nie leisten können. Das Reel sei deshalb ein echter Glücksfall gewesen.

Was das Video zeigt
Im Clip ist zu sehen, wie ein Flößer das Gefährt auf ein Wehr zusteuert. Die Fahrgäste ducken sich, werden ordentlich nass und schießen schließlich hindurch. Für Einheimische ist das nichts Ungewöhnliches, für Gäste ein Riesenspaß – und für viele Menschen im Ausland offenbar kaum zu glauben. In den Kommentaren musste Korn deshalb sogar klarstellen, dass die Aufnahmen nicht mit Künstlicher Intelligenz erstellt wurden.
Von harter Arbeit zur Touristenattraktion
Früher hatte die Flößerei im Frankenwald eine ganz andere Bedeutung. Über Jahrhunderte war sie die wichtigste Möglichkeit, Holz aus der Region zu transportieren und zu verkaufen. Bereits im Mittelalter brachten Flößer Bauholz in das Rhein-Main-Gebiet und sogar bis nach Amsterdam. Die Arbeit war beschwerlich, das Wasser kalt und der Alltag auf dem Floß alles andere als bequem.
Heute übernehmen andere Transportmittel diese Aufgabe. Die Flößerei lebt nun vor allem als Erlebnis für Besucher weiter. Korn bezeichnet das Angebot als „gelebte Geschichte“. Die Tradition präge die Region bis heute und sei ein wichtiger Teil ihrer Identität.
Kein Influencer, sondern Bürgermeister
Trotz des Social-Media-Erfolgs sieht sich der CSU-Politiker, der seit 2014 im Amt ist, nicht als Influencer. Sein Alltag bestehe weiterhin aus den ganz normalen Aufgaben eines Bürgermeisters in einer Gemeinde mit rund 2.400 Einwohnern – also Baustellen, Sanierungen und kommunalpolitischen Herausforderungen. Genau so solle es nach seinen Worten auch bleiben.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber