Wirtschaft

Wero floppt: Warum Deutsche weiter auf Paypal setzen

Europas Paypal-Konkurrent soll die USA abhängen – doch nach 2 Jahren kennt Wero kaum jemand. Warum floppt der Bezahldienst?

15.08.2026, 05:00 Uhr

Wero in Deutschland noch weitgehend unbekannt

Zwei Jahre nach dem Start kennen viele Menschen in Deutschland den europäischen Bezahldienst Wero noch immer nicht. In einer repräsentativen Verivox-Umfrage vom Juli konnten lediglich 39 Prozent der Erwachsenen richtig angeben, dass Wero ein Zahlungsdienst ist.

Laut der Erhebung mit 1.002 Befragten, durchgeführt vom Institut Innofact, haben 31 Prozent nach eigener Aussage noch nie von Wero gehört. Weitere 23 Prozent sagten zwar, ihnen sei der Name bekannt, konnten ihn aber nicht einordnen. Sieben Prozent hielten Wero fälschlicherweise etwa für eine App zum Devisenhandel, eine Anlage-App, eine Debit-Kreditkarte aus Holz oder einen Identifizierungsdienst.

Banken und Zahlungsanbieter setzen auf Wero

Hinter Wero steht die European Payments Initiative (EPI), ein Zusammenschluss von Banken und Zahlungsdienstleistern. Ziel ist es, eine europäische Alternative zu Paypal aufzubauen. Seit Juli 2024 ermöglicht Wero vor allem mobile Direktüberweisungen zwischen Privatpersonen. Inzwischen kann der Dienst auch bei verschiedenen Online-Händlern als Bezahlmethode genutzt werden – ähnlich wie Kreditkarten, Apple Pay, Google Pay, Paypal oder Klarna.

Zweifel am Durchbruch als europäischer Standard

Trotz dieser Pläne glaubt die Mehrheit der Befragten nicht an einen raschen Erfolg: Knapp 58 Prozent bezweifeln, dass Wero zum beliebtesten Bezahldienst in Europa werden kann. Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH, betont, ein wirklicher Nutzen entstehe für Verbraucher erst dann, wenn Wero nahezu überall einsetzbar sei – sowohl im Internet als auch an der Kasse im stationären Handel.

Paypal
Große Konkurrenz: Der US-Bezahlriese Paypal. (Symbolbild) Quelle: Sebastian Kahnert/dpa

Nach Angaben der EPI hat Wero derzeit 57 Millionen registrierte Nutzer in Belgien, Frankreich und Deutschland. Davon entfallen 9 Millionen auf Deutschland. Zum Vergleich: Paypal zählt hierzulande nach eigenen Angaben rund 35 Millionen aktive Kundenkonten.

Einführung in weiteren Ländern läuft

Die Ausweitung auf weitere europäische Märkte ist bereits im Gange. In den Niederlanden wird das bisherige Online-Bezahlsystem iDEAL schrittweise durch Wero ersetzt. In Luxemburg soll Wero nach und nach den Dienst Payconiq ablösen, der offizielle Start ist dort für den 1. September vorgesehen. Österreich soll im Jahr 2027 folgen.

Nutzung bleibt bislang überschaubar

Doch bis zu einer breiten Akzeptanz ist es offenbar noch ein langer Weg. Selbst unter den 395 Teilnehmern der Umfrage, die angaben, Wero zu kennen, haben fast zwei Drittel den Dienst bislang noch nie genutzt. Genauer gesagt sagten 64,8 Prozent, dass sie Wero bisher nicht ausprobiert haben.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen