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Sylvensteinspeicher steuert aufs Dürretief zu

Am Pegel dieses Isar-Speichersees wird die Dürre brutal sichtbar – und der Wasserstand steuert auf alarmierende Tiefen zu.

15.08.2026, 04:00 Uhr

Der Sylvensteinspeicher macht derzeit besonders deutlich, wie außergewöhnlich trocken die Lage in Südbayern ist. Der Stausee im südlichen Isarwinkel verliert seit Tagen weiter an Wasser, weil er zusätzlich Wasser in die Isar abgibt. Seit Ende Februar ist der Pegel um etwa elf Meter gesunken. Damit rückt er an den Dürrestand von 2003 heran, jenes Jahr, das nach Einschätzung von Tobias Lang vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim am ehesten mit der aktuellen Situation vergleichbar ist. Einen historischen Negativrekord stellt der momentane Stand aber nicht dar.

Schon am Ufer ist die Entwicklung unübersehbar: Boote sitzen teils im Trockenen fest, große Bereiche des sonst bedeckten Seebodens liegen frei und trocknen in der Sonne aus.

Nur noch knapp über dem Tief von 2003

Am Freitagmittag lag der Wasserspiegel bei 743,20 Metern über dem Meeresspiegel. Zum bisherigen Dürretief vom September 2003 mit 742,33 Metern fehlen damit weniger als 90 Zentimeter. Wenn der Rückgang der vergangenen Wochen anhält und kein nennenswerter Regen fällt, könnte dieser Wert schon in rund einer Woche erreicht werden. Zwar sind Niederschläge angekündigt, ob sie den Speicher nachhaltig füllen, ist jedoch offen. Selbst kräftiger Regen zu Beginn des Augusts brachte nur kurzzeitig Entlastung.

Dass der Pegel am Sylvensteinspeicher stark schwankt, ist grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Der künstliche See erfüllt zwei zentrale Aufgaben: Er soll Hochwasser zurückhalten und in trockenen Phasen Niedrigwasser ausgleichen. Bekannt wurde er in den vergangenen Jahrzehnten vor allem als Schutz vor Überschwemmungen — ohne ihn hätte das Hochwasser 2005 in München deutlich größere Schäden anrichten können. Ursprünglich stand beim Bau aber vor allem die Speicherfunktion im Mittelpunkt.

Niedrigwasser am Sylvensteinstausee
Im Vergleich zur maximalen Stauhöhe fehlen derzeit mehr als 20 Meter. Quelle: Peter Kneffel/dpa

Nach Angaben von Lang zeigt die aktuelle Lage damit genau den Zweck, für den der Speicher geschaffen wurde. In diesem Jahr hat der Sylvensteinspeicher der Isar bereits rund 35 Millionen Kubikmeter Wasser zusätzlich geliefert. Das ist sogar etwas mehr als im gesamten Sommer 2003, als es 33,6 Millionen Kubikmeter waren. Solange es trocken bleibt, kommen stündlich weitere Tausende Kubikmeter hinzu.

Vergleiche mit früheren Jahren sind nur eingeschränkt möglich

Die Einordnung der Pegelstände ist allerdings kompliziert. Ein Grund dafür ist die veränderte Zuflusssituation seit 1990 durch die sogenannte Teilrückleitung in Krün. Deshalb lassen sich ältere Werte nur begrenzt mit den heutigen vergleichen. Hinzu kommt, dass der Speicher umgebaut wurde: Erst nach der Erhöhung der Dammkrone Ende der 1990er Jahre kann er überhaupt so viel Wasser aufnehmen wie heute.

Auch die Regeln für Speicherung und Abgabe wurden nach dem Dürresommer 2003 und dem Hochwasser 2005 angepasst. Um bei starken Regenfällen mehr Reserven für Hochwasser zu haben, liegt das angestrebte Sommerniveau heute zwei Meter niedriger als früher. Gleichzeitig wird die Wasserabgabe bei knapper werdenden Vorräten eher reduziert als noch vor Jahren.

Derzeit verfügt der Speicher nach Angaben von Lang noch über etwa ein Drittel des Volumens, das für den Ausgleich von Niedrigwasser vorgesehen ist. Ohne nennenswerte Niederschläge reiche das noch ungefähr sechs Wochen — auch wegen der bereits geltenden Drosselung.

Noch niedrigere Pegel gab es nur aus besonderen Gründen

Zwar lag der Wasserstand in den vergangenen Jahrzehnten vereinzelt noch unter den heutigen Werten und auch unter jenen von 2003. Das geschah jedoch nicht wegen natürlicher Trockenheit, sondern gezielt, etwa im Zusammenhang mit Baumaßnahmen.

Weiter zurück in der Geschichte gab es allerdings einmal eine Phase mit noch extremeren Verhältnissen für die Isar: Von Mitte Oktober 1962 bis Anfang April 1963 bewegte sich der See fast dauerhaft am unteren Rand der Skala. Ursache war damals jedoch nicht Dürre, sondern das genaue Gegenteil der heutigen Wetterlage: ein außergewöhnlich langer und strenger Winter.

Der Blick in die Vergangenheit zeigt aber auch, dass sich die Situation schnell drehen kann. Während der Pegel in Trockenzeiten meist nur langsam sinkt, kann er nach kräftigen Regenfällen innerhalb eines einzigen Tages durchaus um einen Meter oder mehr ansteigen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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