Die US-Regierung will ihren wirtschaftlichen Druck auf den Iran massiv ausweiten und Teheran nach eigener Darstellung vollständig von der Weltwirtschaft abschneiden. US-Finanzminister Scott Bessent sagte in Washington, die neuen Sanktionen der Operation „Wirtschaftlicher Verstoßener“ (Economic Outcast) zielten darauf ab, jede mögliche Einnahmequelle der iranischen Revolutionsgarden zu kappen.
Im Fokus stünden dabei digitale Vermögenswerte, Technologie, Gold, die Luftfahrt und die Schifffahrt. Konkrete Einzelmaßnahmen nannte Bessent zunächst nicht. Die Ankündigung erfolgt in einer Phase, in der Washington in seinem seit Monaten laufenden Konflikt mit dem Iran trotz Militärangriffen weiter keinen sichtbaren Durchbruch erzielt hat.
Bessent droht Geldhäusern mit Ausschluss aus dem Dollar-System
Zugleich verschärfte der US-Finanzminister den Ton gegenüber Finanzinstituten weltweit. Jede Einrichtung, die für den Iran Geldwäsche ermögliche, werde aus dem US-Dollar-System ausgeschlossen, warnte Bessent. Noch vor Ende der Woche solle es zudem eine „große Ankündigung“ geben: Dann wolle die US-Regierung die Sanktionierung eines Finanzinstituts bekanntmachen.
Unklar blieb vorerst, was die neue Sanktionsrunde im Detail so einschneidend machen soll. US-Präsident Donald Trump hatte bereits in der vergangenen Woche von „Maßnahmen historischen Ausmaßes“ gesprochen und seine Pläne als wirtschaftlichen „D-Day“ für den Iran bezeichnet. Auf die Frage, warum die Sanktionen nicht sofort verhängt würden, entgegnete Bessent sinngemäß, er wolle nicht das globale Finanzsystem erschüttern.
Washington nimmt Schmuggelnetzwerke und Öleinnahmen ins Visier
Nach Angaben Bessents hat das US-Finanzministerium inzwischen „jeden Knotenpunkt, jeden Vermittler und jedes Netzwerk“ erfasst, das der Iran für Ölschmuggel und zur Umgehung bestehender Strafmaßnahmen nutze. Vertreter des Finanzministeriums, des Außenministeriums und des US-Militärs seien derzeit mit internationalen Partnern im Gespräch, um klarzumachen, dass Washington ein Ende der Zusammenarbeit mit Teheran erwarte.
Welche Staaten konkret gemeint sind, ließ Bessent offen. Auch zu möglichen Fristen äußerte er sich nicht. Zusätzlich kündigte die US-Regierung weitere Sanktionen gegen Unternehmen, Einzelpersonen und Schiffe an, die dem Iran beim Erzielen von Einnahmen aus dem Ölgeschäft helfen.
Trump hatte den angekündigten Kurs zuvor als beispiellosen „Wirtschaftskrieg“ gegen den Iran beschrieben. Staaten, Finanzinstitute, Unternehmen, Flughäfen und Behörden, die Teheran unterstützten, müssten mit „gewaltigen wirtschaftlichen Konsequenzen“ rechnen, erklärte er.
Sanktionen sind nicht neu – der Druck wird aber weiter erhöht
US-Sanktionen gegen den Iran bestehen seit Jahrzehnten und wurden im Laufe der Jahre durch Maßnahmen der Vereinigten Staaten, der Europäischen Union und teils auch der Vereinten Nationen ergänzt. Begründet wurden sie unter anderem mit dem iranischen Atomprogramm, Menschenrechtsverletzungen sowie der Unterstützung Russlands im Krieg gegen die Ukraine.
Die neue Runde fällt in einen Zeitpunkt, an dem die USA nach fast sechs Monaten Konflikt mit dem Iran weiterhin keinen klaren Erfolg vorweisen können. Trump hatte zunächst darauf gesetzt, den Gegner mit regelmäßigen Militärschlägen in die Knie zu zwingen. Sichtbare Ergebnisse blieben bislang jedoch aus.
Teheran weist Druck zurück
Aus Teheran kam umgehend Kritik. Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf erklärte auf X, die USA seien wirtschaftlich gar nicht in der Lage, die Beziehungen anderer Staaten weiter einzuschränken. Zugleich betonte er, die Handelspartner des Iran hätten deutlich gemacht, dass sie amerikanische Drohungen nicht berücksichtigten.
Straße von Hormus bleibt zentraler Streitpunkt
Besonders schwer wiegt inzwischen der Konflikt um die Straße von Hormus. Die Meerenge, eine der wichtigsten Routen für den weltweiten Energiehandel, hat sich zu einem zentralen Streitpunkt zwischen Washington und Teheran entwickelt. Iranische Kontrollen des Schiffsverkehrs und die US-Blockade iranischer Häfen belasten den internationalen Handel erheblich und erschweren einen verlässlichen Öltransport massiv.
Damit reicht die Auseinandersetzung längst über die direkte Konfrontation zwischen den USA und dem Iran hinaus. Die Unsicherheit rund um die Region wirkt sich zunehmend auf Lieferketten, Energiehandel und die Weltwirtschaft aus.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber