Iran

Iran eskaliert im Wirtschaftskrieg – auch gegen Golfstaaten

Noch schweigen die Waffen – doch jetzt droht der nächste Schlag: Wie Washington Iran zermürben will und Teheran zurückdroht.

24.08.2026, 05:19 Uhr

Die US-Regierung will den wirtschaftlichen Druck auf den Iran massiv erhöhen und Teheran nach eigener Darstellung vollständig von der Weltwirtschaft abschneiden. US-Finanzminister Scott Bessent sagte in Washington, die neuen Sanktionen der Operation „Economic Outcast“ zielten darauf ab, jede potenzielle Einnahmequelle der iranischen Revolutionsgarden zu unterbinden.

Im Fokus stehen demnach digitale Vermögenswerte, Technologie, Gold, die Luftfahrt und die Schifffahrt. Konkrete Strafmaßnahmen gegen Staaten, die mit dem Iran Handel treiben, nannte Bessent zunächst nicht. Die Ankündigung fällt in eine Phase, in der Washington in dem seit Monaten andauernden Konflikt mit Teheran trotz Militärangriffen weiter keinen sichtbaren Durchbruch erzielt hat.

Bessent droht Banken mit Ausschluss aus dem Dollar-System

Zugleich verschärfte der US-Finanzminister den Ton gegenüber Finanzinstituten weltweit. Jede Einrichtung, die für den Iran Geldwäsche ermögliche, werde aus dem US-Dollar-System ausgeschlossen, warnte Bessent. Noch bis Ende dieser Woche solle es zudem eine „große Ankündigung“ geben: Dann wolle die US-Regierung die Sanktionierung eines Finanzinstituts bekanntmachen.

Unklar blieb zunächst, was die neue Sanktionsrunde im Detail besonders einschneidend machen soll. US-Präsident Donald Trump hatte bereits vergangene Woche von „Maßnahmen historischen Ausmaßes“ und der „verheerendsten Wirtschaftsoperation“ gesprochen, die je gegen ein Land eingeleitet worden sei. Er verglich sein Vorhaben mit einem „wirtschaftlichen D-Day“ für den Iran.

Der historische D-Day vom 6. Juni 1944 markierte mit der alliierten Landung in der Normandie den Beginn der Befreiung Westeuropas von der NS-Herrschaft. Auf die Frage, warum die Sanktionen nicht sofort verhängt würden, antwortete Bessent sinngemäß, er wolle nicht das globale Finanzsystem sprengen.

Washington nimmt Schmuggelnetzwerke und Öleinnahmen ins Visier

Nach Angaben Bessents hat das US-Finanzministerium inzwischen „jeden Knotenpunkt, jeden Vermittler und jedes Netzwerk“ erfasst, das der Iran für Ölschmuggel und zur Umgehung bestehender Sanktionen nutze. Vertreter des Finanzministeriums, des Außenministeriums und des US-Militärs seien derzeit mit internationalen Partnern im Gespräch, um deutlich zu machen, dass Washington ein Ende der Zusammenarbeit mit Teheran erwartet.

Welche Staaten konkret gemeint sind, ließ Bessent offen. Auch zu möglichen Fristen äußerte er sich nicht. Parallel kündigte die US-Regierung weitere Sanktionen an – nicht gegen Länder, sondern gegen einzelne Unternehmen, Personen und Schiffe, die dem Iran beim Erzielen von Einnahmen aus dem Ölgeschäft helfen sollen.

Auch Firmen aus China und ranghohe Militärs betroffen

Im Blick der US-Regierung stehen außerdem mehrere Unternehmen und Einzelpersonen im Nahen Osten und in Ostasien, denen Washington vorwirft, den Iran finanziell und logistisch bei der Beschaffung von Technologie für Nuklearforschung und Raketenentwicklung unterstützt zu haben. Nach US-Angaben befinden sich darunter auch Firmen aus China.

Zusätzlich belegte das US-Außenministerium mehrere hochrangige Militärvertreter des Iran mit Sanktionen, darunter auch den Chef der iranischen Revolutionsgarden.

Trump hatte den angekündigten Kurs zuvor als beispiellosen „Wirtschaftskrieg“ gegen den Iran beschrieben. Staaten, Finanzinstitute, Unternehmen, Flughäfen und Behörden, die Teheran unterstützten, müssten mit „gewaltigen wirtschaftlichen Konsequenzen“ rechnen, erklärte er. Zugleich betonte er, es brauche die Unterstützung aller US-Verbündeten, um die aus Washingtons Sicht vom Iran ausgehende Bedrohung einzudämmen.

Sanktionen sind nicht neu – der Druck wird aber weiter erhöht

US-Sanktionen gegen den Iran bestehen seit Jahrzehnten. Im Laufe der Jahre verhängten auch die Vereinten Nationen, die Europäische Union und die Vereinigten Staaten umfangreiche Strafmaßnahmen. Begründet wurden sie unter anderem mit dem umstrittenen iranischen Atomprogramm, Menschenrechtsverletzungen sowie der Unterstützung Russlands im Krieg gegen die Ukraine.

Die neue Runde fällt in einen Zeitpunkt, an dem die USA nach fast sechs Monaten Konflikt mit dem Iran weiterhin keinen klaren Erfolg vorweisen können. Trump hatte zunächst darauf gesetzt, den Gegner mit regelmäßigen Militärschlägen in die Knie zu zwingen. Sichtbare Ergebnisse blieben bislang jedoch aus.

Teheran weist Druck zurück

Aus Teheran kam umgehend Kritik. Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf erklärte auf X, die USA seien wirtschaftlich gar nicht in der Lage, ihre Beziehungen zu anderen Staaten weiter einzuschränken. Zugleich betonte er, die Handelspartner des Iran hätten deutlich gemacht, dass sie amerikanische Drohungen in keiner Weise berücksichtigten.

Straße von Hormus bleibt zentraler Streitpunkt

Besonders schwer wiegt inzwischen der Konflikt um die Straße von Hormus. Die Meerenge, eine der wichtigsten Routen für den weltweiten Energiehandel, hat sich zu einem zentralen Streitpunkt zwischen Washington und Teheran entwickelt. Iranische Kontrollen des Schiffsverkehrs und die Seeblockade iranischer Häfen durch das US-Militär belasten den internationalen Handel erheblich und machen einen verlässlichen Öltransport weiterhin nahezu unmöglich.

Damit reicht die Auseinandersetzung längst über die direkte Konfrontation zwischen den USA und dem Iran hinaus. Die Unsicherheit in der Region wirkt sich zunehmend auf Lieferketten, Energiehandel und die Weltwirtschaft aus.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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