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Nach Jahrzehnten: Lebenslang für den Mord an US-Touristin

Über 30 Jahre war Amy Lopez' Mord ein Rätsel. Jetzt ist ein 81-Jähriger verurteilt – doch der wahre Schock kommt erst noch.

28.08.2026, 11:23 Uhr

Mehr als 30 Jahre nach dem Mord an der US-Touristin Amy Lopez hat das Landgericht Koblenz den Angeklagten zu lebenslanger Haft verurteilt. Der 81-Jährige muss wegen der Tat aus dem Jahr 1994 ins Gefängnis. Zudem stellte die Kammer unter Vorsitz von Richter Rupert Stehlin die besondere Schwere der Schuld fest.

Mit dem Urteil folgte das Gericht der übereinstimmenden Einschätzung von Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung. Der Angeklagte hatte die Tat bereits zum Auftakt des Prozesses pauschal eingeräumt. Stehlin sprach von einem außergewöhnlichen Fall: Neben der Erleichterung über die Aufklärung bleibe eine große Bedrückung.

Familie des Opfers bei Urteilsverkündung im Saal

Das Verfahren stieß auf großes Interesse. Vor dem Gericht warteten zahlreiche Menschen, und auch am letzten Verhandlungstag war der Saal vollständig besetzt. Besonders prägend war die Anwesenheit des Vaters und des Bruders der getöteten Amerikanerin: Sie saßen dem Täter bei der Urteilsverkündung rund eine Stunde gegenüber und blieben dabei gefasst.

Gericht: Mord war geplant und heimtückisch

Nach Überzeugung des Gerichts fesselte der Mann die damals 24-jährige Amy Lopez im September 1994, missbrauchte sie sexuell und tötete sie mit neun Messerstichen. Er hatte sie demnach nahe der Festung Ehrenbreitstein in ein abgelegenes leerstehendes Gebäude gelockt. Wenig später fanden spielende Kinder die Leiche.

Das Gericht wertete die Tat als heimtückischen Mord zur Befriedigung des Geschlechtstriebs. Der Richter sagte, das Vorgehen sei zielgerichtet und geplant gewesen; der Begriff einer regelrechten Menschenjagd treffe den Ablauf. Nach Angaben des Gerichts hielt der Mann an diesem Tag bewusst Ausschau nach einem Vergewaltigungsopfer. Amy Lopez sei ein Zufallsopfer gewesen, fatalerweise zur falschen Zeit am falschen Ort.

Täter war auch nach 1994 mehrfach wegen Sexualdelikten verurteilt

Laut Gericht beging der Mann über Jahrzehnte hinweg mehrere Sexualstraftaten und verbüßte teilweise mehrjährige Haftstrafen, auch noch nach dem Mord an Amy Lopez. Nach seiner letzten Haft, die 2005 endete, fiel er demnach nicht mehr strafrechtlich auf.

DNA-Spuren brachten nach Jahrzehnten den Durchbruch

Der Fall war lange ungeklärt. Erst die neue Auswertung alter DNA-Spuren mit moderner Technik führte zum entscheidenden Hinweis. Die Spuren konnten dem heute 81-Jährigen zugeordnet werden, der Ende Februar 2026 in einem Seniorenheim im Raum Koblenz festgenommen wurde.

Nach Angaben seines Verteidigers gab der Mann die DNA-Probe freiwillig ab, weil er nach all den Jahren Klarheit haben wollte. Die ungeklärte Tat habe ihn extrem belastet, deshalb habe er sich letztlich der Verantwortung stellen wollen.

Angehörige hoffen auf inneren Frieden

Die Vertreterin der Familie erklärte nach dem Urteil, die Entscheidung könne Amy Lopez nicht zurückbringen. Für Vater und Bruder sei es jedoch wichtig gewesen, dass der Täter endlich gefasst und verurteilt wurde. Solange das nicht geschehen war, hätten sie keinen inneren Frieden finden können. Ihre Anwesenheit bei der Urteilsverkündung sei auch ein Versuch gewesen, einen Abschluss zu finden.

Keine Revision: Urteil ist rechtskräftig

Unmittelbar nach der Entscheidung verzichtete Verteidiger Volker Klein auf Rechtsmittel. Der 81-Jährige sagte daraufhin vor Gericht: „Ich nehme das Urteil an, das ist das Einzige, was ich noch gut machen kann.“ Es war der längste Satz, den er an den insgesamt vier Verhandlungstagen sagte.

Auch Staatsanwaltschaft und Nebenklage legten nach kurzer Absprache keine Rechtsmittel ein. Damit ist das Urteil rechtskräftig.

Im Prozess war mehrfach hervorgehoben worden, dass der Angeklagte kaum Emotionen gezeigt habe. Die Staatsanwaltschaft sprach von fehlendem echten Mitgefühl und ausbleibender öffentlicher Reue. Sein Verteidiger sagte dagegen, er habe seinem Mandanten von Entschuldigungen im Gerichtssaal abgeraten; für einen Mord könne man sich nicht entschuldigen. Ihm gegenüber habe der Mann Reue gezeigt.

Die Staatsanwaltschaft wertete das Verfahren zugleich als wichtiges Signal für die Ermittlungsarbeit in alten ungeklärten Fällen. Man sei erleichtert gewesen, die Tat nach so vielen Jahren noch aufklären und den Täter zur Verantwortung ziehen zu können. Der Fall zeige, dass Hartnäckigkeit auch bei jahrzehntealten Cold Cases noch zum Erfolg führen könne.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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