Wirtschaft

Wie der Iran-Krieg deutsche Chemie zum Gewinner macht

Iran-Krieg trifft Asiens Chemie hart – ausgerechnet deutsche Firmen kassieren jetzt den unerwarteten Vorteil.

28.08.2026, 10:59 Uhr

Stimmung in der deutschen Chemiebranche deutlich verbessert

Die von Krisen belastete deutsche Chemieindustrie blickt wieder spürbar optimistischer auf ihre Lage. Wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte, bewerteten die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftssituation im August erstmals seit vier Jahren wieder positiv. Der entsprechende Indikator sprang von minus 14,6 Punkten im Juli auf plus 11,6 Punkte.

Auch das Geschäftsklima der Branche legte kräftig zu. Der aus aktueller Lage und den Erwartungen für die kommenden Monate gebildete Wert verbesserte sich von minus 26,3 auf minus 2,4 Punkte.

Lieferprobleme in Asien sorgen für Sondereffekt

Nach Einschätzung von Ifo-Expertin Anna Wolf handelt es sich dabei um eine „Sonderkonjunktur“. Hintergrund seien die Folgen des Iran-Kriegs. Durch die Blockade der Straße von Hormus seien Lieferungen von Erdgas und anderen chemischen Vorprodukten nach Asien massiv gestört worden. Das habe dort zu Produktionsrückgängen geführt.

Zusätzlich verschärft werde die Lage durch chinesische Exportbeschränkungen bei Schwefelsäure. Der Stoff ist unter anderem für die Düngemittelproduktion und zahlreiche weitere industrielle Anwendungen wichtig.

Hinzu kommt, dass die mit dem Iran verbundenen Huthi-Milizen im Jemen weiterhin den Schiffsverkehr im Roten Meer und damit auch den Zugang zum Suezkanal gefährden. Viele Frachter aus Asien weichen deshalb auf die längere Route um das Kap der Guten Hoffnung aus. Das erhöht die Transportkosten und verlängert die Lieferzeiten erheblich.

Strukturprobleme bleiben bestehen

Weil ein Ende des Kriegs derzeit nicht absehbar ist, rechnen die deutschen Chemieunternehmen laut Ifo damit, dass dieser positive Sondereffekt zunächst anhält. Eine nachhaltige Lösung der grundlegenden Probleme am Standort Deutschland ist damit jedoch nicht verbunden.

Der Umfrage zufolge dürfte der Stellenabbau in der Chemieindustrie daher weitergehen.

Für seine Konjunkturprognosen befragt das Ifo-Institut jeden Monat mehrere tausend Unternehmen aus nahezu allen Wirtschaftsbereichen, ausgenommen die Landwirtschaft.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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