Iran

Irans Machtzirkel: Diese Köpfe ziehen die Fäden

Trump lobt „neue Vernünftige“ in Teheran – doch wer zieht dort jetzt wirklich die Fäden? Die Antwort dürfte überraschen.

30.05.2026, 05:04 Uhr

Nach dem Krieg im Iran: Die prägenden Figuren der neuen Machtordnung

In Washington entstand zeitweise der Eindruck, der Krieg gegen den Iran habe in Teheran einen politischen Wandel ausgelöst. US-Präsident Donald Trump sprach von „neuen und vernünftigeren“ Kräften, nannte jedoch keine Namen. Dafür wurde die US-Regierung verspottet – auch von Teilen der iranischen Protestbewegung, die noch zu Jahresbeginn gegen das autoritäre System demonstriert hatte. Ein Blick auf die maßgeblichen Akteure zeigt jedoch: Die neuen Gesichter stammen allesamt aus dem bestehenden Machtapparat der Islamischen Republik.

Modschtaba Chamenei: Der neue Revolutionsführer

Nach dem Tod des obersten Führers Ali Chamenei am ersten Kriegstag war die Nachfolge zunächst ungeklärt. Erst etwa eine Woche später bestimmte der Expertenrat dessen Sohn Modschtaba Chamenei zum neuen Revolutionsführer. Der 56-Jährige trat damit aus dem Hintergrund ins Zentrum eines Systems, das familiäre Machtweitergabe offiziell eigentlich ablehnt.

Seit seiner Ernennung gibt es Spekulationen über seinen Gesundheitszustand. Staatsnahe Medien beschrieben ihn in einem Porträt als „kriegsversehrt“. Öffentlich gezeigt hat er sich bislang nicht; seine Botschaften werden schriftlich veröffentlicht oder von anderen verlesen.

Welchen politischen Kurs er einschlagen wird, bleibt offen. Nach der Verfassung hat er in allen strategischen Fragen das letzte Wort. In einer ihm zugeschriebenen Hadsch-Botschaft hielt er an der Feindschaft zu Israel und am harten Kurs seines Vaters fest. Zugleich heißt es aus Teheraner Insiderkreisen, er könnte begrenzte gesellschaftliche Reformen als Mittel sehen, um das System zu stabilisieren und neue Proteste zu verhindern.

Ahmad Wahidi
Ahmad Wahidi steht nun an der Spitze der mächtigen Revolutionsgarden. (Archivbild) Quelle: Arne Immanuel Bänsch/dpa

Parlamentspräsident Ghalibaf: Machtpolitiker mit langem Atem

Mohammed Bagher Ghalibaf hat seine Ambitionen innerhalb der Islamischen Republik nie verborgen. Gerade deshalb wurde er lange nicht immer ernst genommen. Der 64-Jährige gilt als konservativer Strippenzieher mit starker Rückendeckung aus technokratischen Kreisen der Revolutionsgarden.

Früh stieg er zum General auf, machte Karriere bei den Revolutionsgarden und wurde um die Jahrtausendwende Polizeichef. Kritiker erinnern bis heute an seine Rolle bei der Niederschlagung der damaligen Studentenproteste.

2005 wechselte Ghalibaf in die Parteipolitik. Seine erste Kandidatur für das Präsidentenamt scheiterte, stattdessen wurde er Bürgermeister von Teheran. Selbst politische Gegner bescheinigen ihm teils eine erfolgreiche Amtsführung, auch wenn seine Zeit im Rathaus von Korruptionsvorwürfen überschattet war.

Dreimal bewarb er sich später erneut um das Präsidentenamt – jedes Mal erfolglos. Das brachte ihm Spott ein. Umso bemerkenswerter ist seine heutige Stellung: Nach dem Tod zahlreicher Militärs und Politiker im Krieg zählt Ghalibaf inzwischen zu den mächtigsten Akteuren in Teheran und spielt auch in den Kontakten mit den USA eine wichtige Rolle.

Ahmad Wahidi: Hardliner an der Spitze der Revolutionsgarden

Ahmad Wahidi übernahm nach der Tötung seines Vorgängers im Krieg die Führung der Revolutionsgarden. Der 67-Jährige gehört zu jener Generation, die im Iran-Irak-Krieg aufstieg und später den militärischen Kern der Islamischen Republik formte.

Als früherer Verteidigungs- und Innenminister steht Wahidi klar für einen harten Kurs. In seine Zeit als Innenminister fiel auch das gewaltsame Vorgehen gegen die Protestbewegung „Frau, Leben, Freiheit“, die im September 2022 begonnen hatte.

Auch international ist seine Vergangenheit belastet. Argentinische Ermittler werfen ihm vor, an der Planung des Anschlags auf ein jüdisches Gemeindezentrum in Buenos Aires 1994 beteiligt gewesen zu sein, bei dem Dutzende Menschen starben. Interpol veröffentlichte 2007 auf Antrag Argentiniens eine Red Notice gegen ihn. Teheran weist die Vorwürfe zurück.

Mohammed Bagher Solghadr: Neuer Mann im Sicherheitsrat

Nach dem Tod des einflussreichen Politikers Ali Laridschani, dem zuletzt eine Schlüsselrolle im Sicherheitsrat zugeschrieben worden war, rückte ein weitgehend unbekannter General an die Spitze des Gremiums. Mohammed Bagher Solghadr, ein Brigadegeneral im Ruhestand, leitet nun den mächtigen Sicherheitsrat.

Damit bauen die Revolutionsgarden ihren Einfluss auf Innen- und Außenpolitik weiter aus. Über Solghadr ist wenig bekannt. Er wurde Mitte der 1950er Jahre geboren, ist Veteran des Iran-Irak-Kriegs und war zuletzt ein führendes Mitglied des sogenannten Schlichtungsrats, eines wichtigen Organs zur Machtbalance innerhalb des Systems.

Iranischen Medien zufolge leitete Solghadr früher den Wahlkampf der ultrakonservativen „Volksfront der Kräfte der Islamischen Revolution“. Zu diesem Umfeld zählen auch Ghalibaf sowie der frühere Präsident Ebrahim Raisi, der 2024 bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben kam.

Außenminister Abbas Araghtschi: Der Diplomat im Machtzentrum

Zu den bekanntesten Gesichtern der iranischen Führung gehört Außenminister Abbas Araghtschi. Der 63-jährige Karrierediplomat gilt als konservativer Pragmatiker, der sich nicht eindeutig einem Lager zuordnen lässt.

Der Politikwissenschaftler promovierte 1996 an der britischen Universität Kent und veröffentlichte ein Buch über diplomatische Verhandlungen. Sein Verhandlungsgeschick dürfte ihm auch in der Führungsspitze Ansehen verschafft haben. Schon im vergangenen Jahr leitete Araghtschi die Atomgespräche mit den USA.

Insidern zufolge genießt seine Einschätzung im engsten Machtzirkel hohes Gewicht – auch wenn er selbst nicht zu den eigentlichen Entscheidern gehört.

Ali Abdollahi Aliabadi: Koordinator der militärischen Führung

Ali Abdollahi Aliabadi steht an der Spitze der zentralen Militärführung des Landes. Der Generalmajor führt das Hauptquartier Chatam al-Anbija, das im Kriegsfall die operative Leitung der iranischen Streitkräfte bündelt und die Einsätze von Armee und Revolutionsgarden koordiniert.

Damit gehört Aliabadi zu den wichtigsten Militärs des Iran. Seit Beginn des Krieges trat er nur selten öffentlich auf. Sein Einfluss dürfte vor allem hinter den Kulissen liegen – im operativen Zentrum der iranischen Kriegsführung.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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