Iran

Trump droht Iran: Kraftwerke und Brücken im Visier

Trump droht dem Iran mit weiteren Angriffen – und will erst aufhören, wenn Teheran nachgibt. Was plant der US-Präsident?

15.07.2026, 03:16 Uhr

US-Präsident Donald Trump hat dem Iran erneut mit Angriffen auf zivile Infrastruktur gedroht, will dafür nach eigenen Worten aber kein festes Ultimatum setzen. Auf die Frage, ob er Teheran eine Frist stelle, bevor das US-Militär Brücken bombardiere, sagte Trump: „Ich mag es nicht, Fristen zu setzen.“

Noch am Dienstag hatte Trump in einem Interview mit Fox News erklärt, in der kommenden Woche würden sämtliche Kraftwerke und Brücken zerstört, falls die iranische Führung nicht an den Verhandlungstisch komme. Zugleich kündigte er heftige Angriffe auch in den nächsten Nächten an.

Zweite Angriffswelle des Tages gestartet

Das US-Militär teilte unterdessen mit, dass eine zweite Angriffswelle des Tages gegen den Iran begonnen habe. Nach Angaben des Regionalkommandos Centcom setzte sie um 15.00 Uhr US-Ostküstenzeit ein, also um 21.00 Uhr deutscher Zeit. Ziel seien militärische Fähigkeiten des Irans, die genutzt worden seien, um Handelsschiffe in der Straße von Hormus zu bedrohen.

Bereits zuvor hatte das US-Militär eine weitere Angriffswelle gemeldet. Nach Centcom-Angaben dauerten die Angriffe rund 90 Minuten und richteten sich gegen Küstenverteidigungssysteme sowie Lager- und Abschussanlagen für Marschflugkörper auf der größeren der beiden Tunb-Inseln.

Berichte über Explosionen in mehreren Landesteilen

Die regierungsnahe iranische Nachrichtenagentur Mehr berichtete von drei Explosionen in der Hafenstadt Tschabahar. Demnach soll es zudem Angriffe in Rask im äußersten Südosten des Landes gegeben haben, ebenso im Raum Bandar Abbas am Persischen Golf und in Ahwas im Südwesten.

Die staatliche Nachrichtenagentur Irna meldete unter Berufung auf einen lokalen Behördenvertreter zudem, dass vier Orte am Rand von Ahwas getroffen worden seien.

Schon in der Nacht zu Mittwoch war nach iranischen Staatsmedien auch zivile Infrastruktur getroffen worden. In der Provinz Chusestan sei unter anderem ein Weizensilo beschädigt worden, in der westlichen Provinz Ilam soll eine Mineralwasserfabrik bombardiert worden sein.

Washington begründet Angriffe mit Schutz der Schifffahrt

Die USA begründen die neuen Militärschläge damit, Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus verhindern zu wollen. Eine ähnliche Begründung hatte das US-Militär bereits für die Attacken der vergangenen Tage gegeben.

Nach Angaben des US-Militärs wurde zugleich die Seeblockade iranischer Häfen und Küstengebiete wieder aufgenommen. Centcom erklärte außerdem, seit der Wiederaufnahme der Blockade seien zwei Handelsschiffe umgeleitet worden, die versucht hätten, die Sperre zu durchbrechen.

Der Konflikt war vor rund einer Woche erneut eskaliert, nachdem iranische Streitkräfte Handelsschiffe in der Straße von Hormus attackiert haben sollen. Nach US-Angaben wurden in der vergangenen Woche sieben Schiffe angegriffen. Diese hätten versucht, für die Passage einen südlichen Korridor vor der Küste Omans zu nutzen – offenbar ohne Abstimmung mit dem Iran, dessen Führung die Kontrolle über die Meerenge beansprucht.

Bericht über Krisensitzung im Weißen Haus

Das Nachrichtenportal Axios berichtete, Trump habe am Dienstag in einer Krisensitzung mit seinen wichtigsten Sicherheitsberatern über eine mögliche deutliche Ausweitung der Offensive beraten. Demnach ging es um neue Pläne für schwere Angriffe auf strategische Ziele im Iran zusätzlich zu den Attacken rund um die Straße von Hormus. An dem Treffen sollen unter anderem Vizepräsident JD Vance, Außenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Pete Hegseth und CIA-Direktor John Ratcliffe teilgenommen haben.

Iran meldet Tote und Gegenangriffe

Nach Regierungsangaben aus Teheran kamen bei Angriffen im Süden des Landes in den vergangenen Tagen mindestens 30 Menschen ums Leben, 260 weitere wurden verletzt. Laut Mehr wurden zudem sieben Soldaten bei einem Luftangriff im Südosten des Landes getötet.

Als Reaktion auf die US-Angriffe feuerten Irans Streitkräfte nach iranischen Angaben erneut Raketen und Drohnen auf Ziele in der Golfregion sowie in Jordanien. Die Revolutionsgarden erklärten, in Kuwait seien Flugabwehrstellungen, Logistikdepots und Raketenstellungen des US-Militärs angegriffen worden, in Bahrain Treibstofftanks der US-Marine. In Jordanien sei ein Luftwaffenstützpunkt attackiert worden.

Die jordanischen Streitkräfte teilten mit, die Luftabwehr habe drei Raketen abgefangen. Opfer oder Schäden habe es demnach nicht gegeben.

Revolutionsgarden drohen mit Stopp von Öl- und Gasexporten

Die iranischen Revolutionsgarden drohten außerdem mit weiteren Einschränkungen in der Straße von Hormus. Als Reaktion auf die erneute US-Seeblockade kündigten sie an, den Export von Erdöl und Erdgas unterbinden zu wollen. Dieser sei „entweder für alle oder für niemanden“, hieß es in einer Mitteilung.

Die Wasserstraße zählt zu den wichtigsten Routen des weltweiten Energiehandels. Auch der Iran selbst erzielt einen erheblichen Teil seiner Staatseinnahmen aus Ölexporten, vor allem nach China.

Abkommen und Waffenruhe faktisch hinfällig

Die USA und der Iran hatten sich Mitte Juni auf ein Rahmenabkommen verständigt, das den Weg zu einem dauerhaften Ende des Kriegs ebnen sollte. Innerhalb von 60 Tagen sollte demnach ein endgültiger Deal ausgehandelt werden. Teil der Vereinbarung war auch die Forderung nach einer Öffnung der Straße von Hormus.

Seit Anfang April galt zudem eine Waffenruhe, die jedoch immer wieder durch neue Angriffe belastet wurde. Trump hatte diese Waffenruhe vergangene Woche für beendet erklärt.

Inzwischen sieht sich auch Teheran nicht mehr an das Abkommen gebunden. Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi sagte der Plattform YJC, die USA hätten die Absichtserklärung durch die Wiederaufnahme militärischer Maßnahmen grundlegend verletzt. Unter diesen Bedingungen fühle sich der Iran an keinerlei Verpflichtungen mehr gebunden. Auch Irans UN-Botschafter Amir-Said Irawani warf Washington vor, das Rahmenabkommen gezielt untergraben zu haben.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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