Rekord bei Schieneninvestitionen – Verband warnt vor Rückgang ab 2027
Der Bund steuert in diesem Jahr auf ein Rekordniveau bei den Investitionen in die Bahn-Infrastruktur zu. Nach Einschätzung der Allianz Pro Schiene dürfte dieser Höchststand jedoch in den folgenden Jahren nicht gehalten werden. Verbandschef Dirk Flege erklärte in Berlin, die bisherigen Regierungspläne sähen für 2027 eine Absenkung der Mittel um 1,3 Milliarden Euro vor.
Seit Längerem drängt der Interessenverband auf einen mehrjährigen Infrastrukturplan, in dem Projekte nicht nur festgelegt, sondern auch für den gesamten Zeitraum finanziell abgesichert werden. Ein solcher sogenannter Infraplan ist im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vorgesehen. Nach Angaben von Flege soll ein Gremium aus Vertretern der Bahnbranche im Oktober einen ersten Entwurf erhalten.
Deutschland im europäischen Vergleich auf Rang sechs
Im vergangenen Jahr investierte der Bund pro Einwohner 222 Euro in das Schienennetz. Damit stiegen die Ausgaben erneut deutlich an: 2024 waren es noch 198 Euro, vor zehn Jahren laut Flege lediglich 56 Euro. Die Zahlen erhebt die Allianz Pro Schiene gemeinsam mit der Beratungsgesellschaft SCI Verkehr. Im Vergleich mit ausgewählten europäischen Staaten liegt Deutschland damit im oberen Mittelfeld – hinter Luxemburg, der Schweiz, Österreich, Schweden und Norwegen.
Trotz der hohen Summen bleibt der Zustand des deutschen Schienennetzes problematisch. Grund dafür ist nach Einschätzung des Verbands, dass über viele Jahre hinweg zu wenig investiert wurde. Nach Angaben der Infrastrukturgesellschaft DB InfraGo wurden 2025 rund 26.000 Baustellen bearbeitet. Dennoch verharrte die Zustandsnote des Netzes laut aktuellem Bericht bei 3,0.

Forderung nach verlässlicher Finanzierung
Bislang wird im Zuge der jährlichen Haushaltsberatungen immer wieder neu darüber entschieden, wie viel Geld in die Schiene fließt. Flege kritisierte dieses Vorgehen deutlich. Investitionen in die Bahninfrastruktur dürften nicht jedes Jahr davon abhängen, was im Bundeshaushalt übrig bleibe. Notwendig sei stattdessen eine langfristig gesicherte Finanzierung nach dem Vorbild der Schweiz.
Neben dauerhaft gesicherten Mitteln verlangt die Allianz Pro Schiene auch eine bessere Steuerung der Investitionen. Nach Ansicht von Flege gehe durch schlecht abgestimmte Abläufe viel Steuergeld verloren. Wenn Planungsteams gestoppt würden, weil die Finanzierung nicht durchgängig gesichert sei, entstünden unnötige Kosten. Dasselbe gelte, wenn Bauarbeiten bereits begonnen hätten und später wegen stockender Finanzierung ins Stocken gerieten.
Österreich und Schweiz als Vorbilder
Als Orientierung für den geplanten Infraplan nennt der Verband Österreich und die Schweiz. Beide Länder gelten in der Branche als Beispiele für eine erfolgreiche Finanzierung des Schienennetzes. Dort gibt es mehrjährige Investitionsprogramme, die Unternehmen und Bauwirtschaft mehr Planungssicherheit geben. In Österreich existiert etwa ein sechsjähriger Rahmenplan, der jährlich aktualisiert wird und sowohl die Sanierung des Bestandsnetzes als auch Aus- und Neubau umfasst.
Kritik an den Korridorsanierungen der Deutschen Bahn
Die Deutsche Bahn setzt derzeit vor allem auf die Modernisierung stark belasteter Hauptstrecken. Bis Mitte der 2030er Jahre sollen rund 40 solcher Generalsanierungen abgeschlossen sein. Zuletzt stand das Konzept jedoch in der Kritik, weil drei Projekte nicht fristgerecht beendet wurden oder danach weiterhin Einschränkungen bestanden.
Flege forderte Bahn und Bundesverkehrsministerium auf, bei der angekündigten Überprüfung des Sanierungskonzepts auch Verbände der Branche und Bauunternehmen einzubeziehen. Zudem müsse bei den kommenden Abschnitten wieder in dem Umfang gebaut werden, der ursprünglich angekündigt worden sei. Es reiche nicht aus, lediglich alte Teile durch neue zu ersetzen. Die Maßnahmen müssten am Ende auch für mehr Kapazität sorgen. Andernfalls drohe die Zustimmung zu monatelangen Vollsperrungen weiter zu sinken.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber