Iran

Irans Revolutionsgarden machen Hormus dicht

Eskalation in Hormus? Irans Revolutionsgarden stoppen laut eigenen Angaben ein Schiff – die wichtige Meerenge bleibt dicht.

12.07.2026, 01:34 Uhr

USA greifen erneut Ziele im Iran an – Teheran schlägt zurück, Trump erklärt Straße von Hormus für offen

Der Konflikt um die Straße von Hormus spitzt sich nach neuen gegenseitigen Angriffen zwischen den USA und dem Iran weiter zu. Das US-Militär bombardierte nach eigenen Angaben in der Nacht bereits zum dritten Mal innerhalb einer Woche Ziele an der iranischen Südküste. Teheran reagierte mit Angriffen auf US-Ziele in Jordanien und mehreren Golfstaaten und erklärte die strategisch wichtige Meerenge erneut für gesperrt. Gespräche über eine diplomatische Lösung für die künftige Verwaltung der Wasserstraße blieben am Samstag ohne Durchbruch.

USA melden Angriffe auf rund 140 Ziele im Iran

Nach Angaben des US-Regionalkommandos Centcom setzte das Militär bei den jüngsten Angriffen Kampfjets, Drohnen und Kriegsschiffe ein. Getroffen worden seien rund 140 militärische Stellungen im Iran, darunter Raketenstellungen, Munitionslager sowie Infrastruktur zur Küstenüberwachung und Kommunikation. Insgesamt seien damit in dieser Woche mehr als 300 Ziele attackiert worden.

Washington begründet die Angriffe mit iranischen Aktionen gegen die kommerzielle Schifffahrt in und um die Straße von Hormus.

Iran verteidigt Einsatz in der Meerenge

Die Marine der Revolutionsgarden rechtfertigte ihr Vorgehen in der Meerenge. Nach iranischer Darstellung hätten mehrere Schiffe auf Anstiftung ausländischer Mächte eine „nicht genehmigte Route“ benutzt und Anweisungen ignoriert. Ein Schiff, das nach iranischen Angaben zudem seine Ortungssysteme abgeschaltet habe, sei mit einem Warnschuss getroffen und gestoppt worden.

Die britische Behörde für die Sicherheit der Handelsschifffahrt UKMTO meldete, die Besatzung eines Containerschiffs habe nach einem Brand das Schiff verlassen und sei gerettet worden.

Iran greift Ziele in Jordanien, Oman, Kuwait und Bahrain an

Als Reaktion auf die US-Angriffe attackierten Irans Streitkräfte nach eigenen Angaben mehrere Ziele in der Region. Demnach wurde unter anderem ein Militärflugplatz in Jordanien mit Raketen beschossen. Im Oman sei zudem ein Logistikzentrum für US-Kriegsschiffe angegriffen worden.

Darüber hinaus feuerten die regulären iranischen Streitkräfte nach eigener Darstellung Kamikazedrohnen auf Ziele in Kuwait und Bahrain. Mehrere Golfstaaten bestätigten Angriffe mit Drohnen und Raketen, gaben jedoch einige Stunden später teils wieder Entwarnung.

Streit um den Status der Straße von Hormus

Teheran erklärte nach dem Vorfall erneut, die Straße von Hormus bleibe vorerst geschlossen. US-Präsident Donald Trump widersprach dieser Darstellung und bezeichnete die Meerenge als offen für den Schiffsverkehr. Auch Centcom erklärte auf X, die für den Welthandel zentrale Passage bleibe eine internationale Wasserstraße, die nicht unter iranischer Kontrolle stehe.

Die Meerenge ist für den weltweiten Energiehandel von zentraler Bedeutung und gilt in dem Konflikt seit Beginn des Kriegs als eines der wichtigsten Druckmittel des Iran. Die eingeschränkte Schifffahrt hatte den Verkehr dort bereits weitgehend zum Erliegen gebracht, die Energiepreise steigen lassen und den politischen Druck auf Washington erhöht.

Waffenruhe faktisch hinfällig

Washington und Teheran hatten sich Mitte Juni auf ein Rahmenabkommen verständigt, das den Weg zu einem dauerhaften Ende des Kriegs ebnen sollte. Innerhalb von 60 Tagen sollte ein endgültiger Deal ausgehandelt werden. Teil der Vereinbarung war auch die Öffnung der Straße von Hormus. Seit Anfang April galt zudem eine Waffenruhe, dennoch kam es immer wieder zu neuen Angriffen. Aus Sicht von Trump ist diese Waffenruhe inzwischen beendet.

USA forderten Bekenntnis zur freien Schifffahrt

Die USA hatten Medienberichten zufolge zuletzt ein öffentliches Bekenntnis des Iran zu freier und sicherer Schifffahrt verlangt und dafür eine Frist bis Samstag gesetzt. Teheran sollte demnach zusichern, dass die Meerenge offen bleibt und keine Handelsschiffe angegriffen werden. Dazu kam es nicht.

Der Golfstaat Oman, der in dem Konflikt vermittelt, hatte einen Vorschlag für eine gebührenfreie Passage durch die Straße von Hormus vorgelegt. Demnach sollte die südliche Route wie vor dem Krieg frei befahrbar sein. Für die nördliche Route entlang der iranischen Küste wären Genehmigungen aus Teheran nötig gewesen, allerdings ebenfalls ohne Gebühren.

Gespräche am Samstag in der omanischen Hauptstadt Maskat brachten zunächst keinen Durchbruch. Nach Angaben des iranischen Außenministeriums wollen Vertreter aus Iran und Oman das Format auf politischer und technischer Ebene fortsetzen, um eine gemeinsame Regelung zur Sicherheit der Schifffahrt zu finden.

Nach Staatsbegräbnis neue Rachedrohungen aus Teheran

Zusätzliche Schärfe erhält die Lage durch neue Drohungen der iranischen Führung. In der Nacht zu Freitag wurde der Ende Februar getötete oberste Führer Ajatollah Ali Chamenei in seiner Heimatstadt Maschhad bestattet. In einer im Staatsfernsehen verlesenen Mitteilung, die seinem Sohn und Nachfolger Modschtaba Chamenei zugeschrieben wurde, hieß es, Rache sei die Forderung des Volkes und werde gewiss erfolgen.

Modschtaba Chamenei ist seit seiner Ernennung zum neuen obersten Führer vor mehr als vier Monaten nicht öffentlich aufgetreten. Seitdem gibt es Spekulationen über seinen Aufenthaltsort und seinen Gesundheitszustand. US-Medienberichten zufolge soll er bei jenem Luftangriff, bei dem sein Vater getötet wurde, schwer verletzt worden sein.

Krieg dauert seit Ende Februar an

Ende Februar hatten Israel und die USA ihren Krieg gegen den Iran begonnen und das Land fast 40 Tage lang aus der Luft angegriffen. Dabei wurden nach iranischen Angaben und Medienberichten zahlreiche hochrangige Militärs und Politiker gezielt getötet, darunter schon am ersten Kriegstag Ajatollah Chamenei. Die iranischen Streitkräfte reagierten darauf mit massiven Raketenangriffen auf US-Ziele in der Golfregion.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bezeichnete den Krieg Israels und der USA gegen den Iran als völkerrechtswidrig.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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