Das US-Militär hat im eskalierenden Konflikt um die Straße von Hormus in der dritten Nacht in Folge Ziele im Iran angegriffen und die nächtliche Angriffswelle am Dienstagmorgen schließlich für beendet erklärt. Nach früheren Angaben des Regionalkommandos Centcom hatte die neue Angriffsrunde um 16.45 Uhr US-Ostküstenzeit begonnen, also um 22.45 Uhr MESZ.
Centcom erklärte, die Einsätze sollten die Fähigkeiten des Irans weiter einschränken, unschuldige Zivilisten sowie die Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus anzugreifen.
Iran greift zwei Tanker der Emirate an
Während die USA ihre Angriffe fortsetzten, attackierte der Iran nach Angaben der Vereinigten Arabischen Emirate zwei Tanker mit Marschflugkörpern in der Meerenge. Bei dem Beschuss der Schiffe eines mit den USA verbündeten Staates wurde laut dem emiratischen Verteidigungsministerium ein indisches Besatzungsmitglied getötet, zudem wurden acht Menschen verletzt.
Die Emirate erklärten, die Tanker seien auf der südlichen Route innerhalb omanischer Hoheitsgewässer unterwegs gewesen. Irans Revolutionsgarden behaupteten laut heimischen Medien dagegen, das US-Militär habe mehrere Schiffe auf eine „illegale Route“ lenken wollen. Die beiden Tanker hätten demnach ihre Navigationssysteme abgeschaltet, wiederholte Warnungen ignoriert und seien daraufhin beschossen sowie manövrierunfähig gemacht worden.
Trump kündigt neue Seeblockade an
US-Präsident Donald Trump hatte für Montagabend und den folgenden Tag weitere harte Schläge gegen den Iran angekündigt. In einem Radiointerview sagte er, das US-Militär werde noch am Abend und am folgenden Tag hart zuschlagen. Der Iran könne dagegen nichts unternehmen, betonte Trump.
Zugleich kündigte Trump eine Wiederaufnahme der Seeblockade gegen Schiffe an, die iranische Häfen anlaufen oder von dort abfahren. Nach Militärangaben sollte die Maßnahme an diesem Dienstag um 22.00 Uhr deutscher Zeit in Kraft treten. Die Ankündigung ließ die Ölpreise erneut kräftig steigen.
Trump fordert 20 Prozent für US-Geleitschutz
Trump verlangte außerdem, die USA sollten für die Absicherung der Durchfahrt durch die Straße von Hormus aus „Fairnessgründen“ 20 Prozent des Frachtwerts erhalten. Das solle die Kosten für den Geleitschutz ausgleichen.
Brisant ist dabei, dass Außenminister Marco Rubio erst Ende Juni betont hatte, kein Land habe das Recht, für die Nutzung internationaler Gewässer Geld zu verlangen, da diese keinem Staat gehörten. Eine solche Forderung werde auch nie Bestandteil eines akzeptablen Abkommens sein.
Irans Außenminister Abbas Araghtschi reagierte auf Trumps Vorstoß mit Spott und schrieb auf X, der US-Präsident habe „absolut recht“. Wer für die sichere Durchfahrt von Handelsschiffen durch die Straße von Hormus sorge, solle dafür entschädigt werden. Iran sei seit jeher der „Wächter“ dieser Meerenge und werde es „für immer“ bleiben, schrieb Araghtschi ironisch. Die geforderten 20 Prozent seien „natürlich zu viel“ – man werde „fair sein“.
„Pickaxe Mountain“ weiter im Visier
Zusätzlich deutete Trump in dem Interview an, dass auch eine tief unter der Erde liegende Anlage im Zentrum des Irans ins Visier geraten könnte, die als „Pickaxe Mountain“ bekannt ist. Über den Zweck der Einrichtung wird seit längerem spekuliert, auch wegen ihrer Nähe zur Atomanlage Natans.
Eine Vermutung lautet, dass der Iran dort eine geheime Urananreicherungsanlage errichten wolle, die für den Bau von Atomwaffen genutzt werden könnte. Trump bezeichnete Pickaxe als „mögliches Ziel“ eines „großen, fetten“ Angriffs, der womöglich „relativ bald“ erfolgen könne.
Explosionen im Süden des Irans – nun auch am Tag
Iranische Medien meldeten in der Nacht mehrfache Explosionen an der Südküste der Islamischen Republik. Berichtet wurde unter anderem von Detonationen auf der Insel Kisch im Persischen Golf, im Raum der Hafenstadt Buschehr, auf der Insel Gheschm in der Straße von Hormus sowie in der Großstadt Bandar Abbas.
Am Nachmittag Ortszeit wurden dann weitere Angriffe bekannt. Der staatliche Rundfunk berichtete von fünf Explosionen im Westen von Bandar Abbas. Kurz darauf meldete die staatliche Nachrichtenagentur Irna Beschuss auf Buschehr. Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Isna schlugen zudem Geschosse in Abadan, Mahschahr und Bandar Imam Chomeini ein.
Dass die Angriffe inzwischen auch bei Tageslicht und nicht mehr nur nachts erfolgen, deutet auf eine neue Eskalationsstufe hin.
Alarm in Bahrain – Jordanien meldet abgefangene Raketen
Der Konflikt strahlt inzwischen auf weitere Staaten der Region aus. Das jordanische Staatsfernsehen meldete unter Berufung auf die Streitkräfte, dass vier aus dem Iran abgefeuerte Raketen abgefangen worden seien.
Im ebenfalls mit den USA verbündeten Bahrain heulten erneut die Alarmsirenen. Das Innenministerium rief die Bevölkerung auf X dazu auf, ruhig zu bleiben und Schutz zu suchen. Nähere Angaben gab es zunächst nicht.
Bahrain und auch Kuwait standen zuletzt im Zentrum iranischer Vergeltungsangriffe und hatten bereits in der Nacht zuvor feindlichen Raketenbeschuss gemeldet.
Angriffe häufen sich
US-Streitkräfte hatten bereits in den vergangenen Tagen nach einer vorübergehenden Kampfpause mehrfach iranische Ziele angegriffen. Das Militär begründete dies mit iranischen Attacken auf Schiffe in der Straße von Hormus.
Auch zuvor war es dort zu tödlichen Vorfällen gekommen: Vor gut einem Monat hatte das US-Militär nach eigenen Angaben einen Tanker im Golf von Oman angegriffen, der iranisches Öl transportieren sollte. Nach Angaben der Regierung in Neu-Delhi wurden dabei drei indische Besatzungsmitglieder getötet.
Sorge vor einem erneuten Aufflammen des Kriegs
Die wechselseitigen Angriffe verstärken in der Region die Sorge vor einem erneuten Aufflammen des Kriegs. Die Angst ist auch deshalb groß, weil Trump die Waffenruhe mit Teheran erst vor wenigen Tagen für beendet erklärt hatte.
Nach einem Bericht des Wall Street Journal sollen die Angriffe aus Sicht von US-Beamten nicht nur iranische Attacken auf Schiffe bestrafen, sondern auch die Führung in Teheran an den Verhandlungstisch zurückdrängen. Ein umfassender Krieg sei demnach eher nicht das Ziel.
Trump kündigte zudem an, sich Freitagfrüh um 3.00 Uhr deutscher Zeit mit einer Rede an die Nation zu wenden. Einen Anlass nannte er nicht. Damit ist offen, ob er sich dabei direkt zum Krieg mit dem Iran äußern wird.
Medienberichten zufolge informierte Trump das Parlament bereits vor Tagen über die Wiederaufnahme der Angriffe und datierte den Start auf den 7. Juli. Damit könnte er sich aus seiner Sicht eine rechtliche Grundlage geschaffen haben, um erneut 60 Tage ohne Zustimmung des Kongresses Krieg gegen den Iran zu führen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber