Bayerns Metall- und Elektroindustrie droht massiver Stellenabbau
In der angeschlagenen bayerischen Metall- und Elektroindustrie könnten bis Ende kommenden Jahres bis zu 40.000 Arbeitsplätze wegfallen. Die Arbeitgeberverbände bayme und vbm rechnen nach Angaben von Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt in diesem Jahr mit einem Minus von 20.000 Stellen. 2026 könnte sich der Beschäftigungsabbau in ähnlichem Umfang fortsetzen.
Hintergrund ist die weiterhin schwache Verfassung eines der wichtigsten Industriezweige im Freistaat. Nach Daten des Landesamts für Statistik ist die Industrieproduktion in Bayern auch in diesem Jahr bislang rückläufig.
Unternehmen sehen Lage und Perspektiven negativ
Brossardt sagte, die wirtschaftliche Situation der M+E-Branche bleibe angespannt. In den vergangenen acht Jahren habe die Branche rund 15 Prozent ihrer Produktion eingebüßt. Auch die aktuelle Konjunkturumfrage unter den Mitgliedsunternehmen zeichne ein düsteres Bild: Sowohl die gegenwärtige Lage als auch die Aussichten im In- und Ausland würden überwiegend negativ bewertet.
Beim Personal zeigt sich ebenfalls Zurückhaltung. Neue Stellen wollen die Unternehmen demnach per saldo eher im Ausland schaffen, während die Beschäftigung im Inland weiter sinkt.
BIHK meldet ebenfalls trübe Stimmung am Arbeitsmarkt
Zeitgleich veröffentlichte der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) eine ähnlich pessimistische Umfrage zur Entwicklung des Arbeitsmarkts im Freistaat. Als zentralen Grund für geplanten Stellenabbau nannten viele Unternehmen die hohen Arbeitskosten.
Laut BIHK wollen branchenübergreifend derzeit 24 Prozent der Betriebe Personal abbauen. Nur 11 Prozent planen, ihre Belegschaft zu vergrößern. In der Industrie betrifft das sogar rund jedes dritte Unternehmen. BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl warnte, der bayerische Arbeitsmarkt erscheine stabiler, als er tatsächlich sei.
Beschäftigtenzahl sinkt deutlich
Nach Angaben von Brossardt hatte die Metall- und Elektroindustrie bereits 2025 rund 20.000 Jobs verloren. Bis zum Jahresende könnte die Zahl der Beschäftigten auf etwa 825.000 sinken. Ende 2023 lag sie noch bei mehr als 870.000. Zur Branche zählen unter anderem Automobilhersteller und Zulieferer, der Maschinenbau, die Elektroindustrie sowie Rüstungsunternehmen.
Vor allem Autoindustrie und Maschinenbau unter Druck
Das Statistische Landesamt meldet für die ersten fünf Monate des Jahres einen Rückgang der Industrieproduktion in Bayern um 3,8 Prozent. Besonders stark betroffen sind die Autoindustrie mit einem Minus von zehn Prozent sowie der Maschinenbau mit einem Rückgang von mehr als neun Prozent.
Schwierige Tarifrunde nach dem Sommer
Nach den Sommerferien beginnt in der Metall- und Elektroindustrie die nächste Tarifrunde mit der IG Metall. Brossardt rechnet mit schwierigen Verhandlungen, betonte jedoch zugleich die grundsätzliche Bereitschaft der Arbeitgeber, zu einer Einigung zu kommen.
Ökonomen sehen mehrere Ursachen für die anhaltende Industriekise. Genannt werden unter anderem die hohen Kosten in Deutschland, die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump, die stärkere Konkurrenz aus China sowie die Folgen der Kriege und Krisen der vergangenen Jahre.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber