Die deutschen Reeder haben die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Gebühren für die Passage durch die Straße von Hormus deutlich kritisiert. Martin Kröger, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder (VDR), sagte der Wirtschaftswoche, kein Staat dürfe den Zugang zu einer internationalen Wasserstraße einseitig von Zahlungen abhängig machen. Ein solcher Schritt sei aus seiner Sicht zudem rechtlich nicht haltbar.
Trump hatte zuvor die US-Seeblockade gegen den Iran erneut in Kraft gesetzt und erklärt, künftig von allen Schiffen, die die strategisch bedeutende Meerenge durchqueren, eine Abgabe von 20 Prozent des Frachtwerts zu verlangen. Nach seinen Angaben sollen damit die amerikanischen Kosten für die Sicherung der Route finanziert werden.
Sorge um das Prinzip freier Schifffahrt
Nach Ansicht des VDR stellt dieser Vorstoß das Grundprinzip der freien Schifffahrt infrage. Kröger warnte, wenn nun Gebühren für die Straße von Hormus verlangt würden, könnten später auch andere wichtige Meerengen wie Malakka betroffen sein. Die Entwicklung werfe die Frage auf, wo eine solche Praxis enden solle.
Zugleich befürchtet der Verband erhebliche wirtschaftliche Folgen. Höhere Transportkosten würden sich letztlich in steigenden Verbraucherpreisen und zusätzlicher Unsicherheit im Welthandel niederschlagen. Die zivile Handelsschifffahrt dürfe nicht zum Instrument geopolitischer Konflikte werden, betonte Kröger.
Rund 20 Schiffe mit Deutschlandbezug in dem Gebiet
Zuletzt hatten die USA ihre Angriffe auf den Iran wieder intensiviert. Der Iran reagierte darauf mit Beschuss von US-Einrichtungen in den Golfstaaten. Seit Beginn des Krieges ist die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Routen für den globalen Transport von Öl und Flüssigerdgas, nur noch stark eingeschränkt nutzbar.
Nach Angaben des VDR befinden sich aktuell etwa 20 Schiffe in deutschem Eigentum oder unter deutschem Management in der Region. Zeitweise hätten rund 50 Schiffe mit Deutschlandbezug im Persischen Golf festgesessen. Drei davon seien inzwischen angegriffen worden.
Große Unsicherheit für Reedereien
Kröger erklärte, seit Ende Februar sei eine verlässliche und sichere Schifffahrt in der Straße von Hormus praktisch nicht mehr gegeben. Das sei für die Seeleute eine schwere Belastung und zugleich ein massives Problem für die Planbarkeit der Reedereien, von der der internationale Handel abhängig sei.
Komplett militärisch abgeriegelt sei die Wasserstraße allerdings nicht. Einzelne Durchfahrten fänden weiterhin statt, jedoch nur mit hohem Sicherheitsaufwand und in enger Abstimmung mit den eingesetzten Marinen. Das Verkehrsaufkommen liege dabei deutlich unter dem üblichen Niveau, während das Risiko erheblich gestiegen sei. Viele Reedereien beobachteten daher zunächst die weitere Entwicklung.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber