Iran

US-Militär stoppt Iran-Angriffe – nur vorerst

Schon die vierte US-Attacke in wenigen Tagen: Wurden Irans Abwehr und Raketen jetzt entscheidend ausgeschaltet?

13.07.2026, 05:53 Uhr

Washington und Teheran treiben die Eskalation am Persischen Golf weiter voran. Bereits zum vierten Mal in weniger als einer Woche griff das US-Militär Ziele im Iran an. Fast zeitgleich reagierten die iranischen Revolutionsgarden mit neuen Vergeltungsschlägen gegen Kuwait, Bahrain und das mehr als 1.000 Kilometer entfernte Jordanien. Ein diplomatischer Ausweg oder eine rasche Rückkehr zur Waffenruhe ist derzeit nicht erkennbar.

Trump kündigt neue Seeblockade gegen Iran an

Im Streit um die Straße von Hormus hat US-Präsident Donald Trump nun zusätzlich die Wiederaufnahme einer Seeblockade für Schiffe angekündigt, die iranische Häfen anlaufen oder von dort auslaufen. Auf seiner Plattform Truth Social erklärte er, allen anderen Staaten solle dagegen ein „fairer und offener“ Zugang zur strategisch wichtigen Meerenge ermöglicht werden.

Damit verschärft Washington den Druck auf Teheran weiter. Die Straße von Hormus bleibt damit nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich ein zentraler Hebel in dem Konflikt.

Neue US-Angriffswelle gegen Dutzende Ziele im Iran

Nach Angaben des für die Region zuständigen US-Kommandos Centcom trafen die USA bei ihrer jüngsten nächtlichen Angriffswelle Dutzende Ziele an mehreren Orten im Iran mit Präzisionswaffen. Zerstört worden seien unter anderem Luftabwehrsysteme, Radaranlagen, Raketenstellungen, Drohnenbasen und kleinere Boote. Ziel der Operation sei es gewesen, Irans Fähigkeit zu schwächen, Schiffe in der für den weltweiten Energiehandel zentralen Straße von Hormus anzugreifen.

Neben Kampfjets und unbemannten Fluggeräten kamen laut Centcom diesmal erstmals auch schwimmende Kampfdrohnen zum Einsatz. Das US-Militär veröffentlichte dazu Aufnahmen, die Starts von Flugzeugen von einem Flugzeugträger, den Abschuss von Marschflugkörpern von Kriegsschiffen und Einschläge an Zielorten zeigen sollen. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Darstellungen bislang nicht.

Centcom betonte erneut die zentrale Bedeutung der Straße von Hormus für den Welthandel und erklärte, die US-Streitkräfte seien bereit, die freie zivile Schifffahrt zu schützen. Das Kommando hob zudem hervor, dass die Meerenge nicht unter iranischer Kontrolle stehe.

Vergeltungsangriffe auf Kuwait, Bahrain und Jordanien

Die iranischen Revolutionsgarden reagierten nach eigenen Angaben mit neuen Vergeltungsschlägen. Iranischen Medien zufolge nahmen sie unter anderem ein mobiles Raketenartilleriesystem der US-Armee in Kuwait, Treibstofftanks und Munitionslager des Luftwaffenstützpunkts Prince Hassan in Jordanien sowie ein Kontrollzentrum des US-Stützpunkts Scheich Isa in Bahrain ins Visier. Außerdem sei ein Radar zur Erkennung von Schiffen im Sultanat Oman angegriffen und zerstört worden. Auch diese Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig verifizieren.

Nach der neuen Eskalation wurden in der Nacht in Bahrain und Kuwait erneut Alarm ausgelöst. Beide Staaten erklärten, feindliche Flugkörper bekämpft zu haben. Der kuwaitische Generalstab teilte mit, Luftziele würden abgewehrt. In Bahrain rief das Innenministerium die Bevölkerung mehrfach dazu auf, Ruhe zu bewahren und Schutz zu suchen.

Auch Jordanien meldete abgefangene Raketen. Die staatliche Nachrichtenagentur Petra berichtete unter Berufung auf eine Militärquelle, vier aus dem Iran abgefeuerte Raketen seien abgefangen worden. Opfer oder Schäden habe es demnach nicht gegeben.

Berichte über Explosionen an Irans Südküste

Iranische Medien meldeten in der Nacht zum Montag erneut Explosionen an der Südküste des Landes, darunter auf der Insel Gheschm und in Sirik nahe der Straße von Hormus. Beide Orte waren bereits in den vergangenen Tagen mehrfach Ziel von Bombardierungen. Auch die Industrieprovinz Chusestan im Südwesten wurde demnach angegriffen.

In der Stadt Mahschahr sei ein Wachmann getötet worden, berichtete das Onlineportal Hammihan. Er habe eine landwirtschaftliche Wasserpumpstation bewacht. Zudem berichteten Netzaktivisten von heftigen Explosionen in Bandar Abbas. Ein dort zitierter Bewohner klagte, trotz der Angriffe müssten Schülerinnen und Schüler am Morgen zu Prüfungen erscheinen. In sozialen Medien wurde dies scharf kritisiert.

Warum die Straße von Hormus weiter umkämpft bleibt

Auslöser der jüngsten US-Angriffe sind nach Darstellung Washingtons wiederholte iranische Attacken auf Schiffe in der Straße von Hormus. Obwohl sich die Konfliktparteien bereits Mitte Juni auf ein Rahmenabkommen verständigt hatten, das auch eine Öffnung der für den globalen Energiehandel wichtigen Meerenge vorsah, ist der Streit darüber nicht beigelegt.

Schon kurz nach Beginn der israelisch-amerikanischen Angriffe erwies sich die Straße von Hormus für Teheran als wirksames Druckmittel. Nach Einschätzung des Critical Threats Project, das von den US-Denkfabriken Institute for the Study of War und American Enterprise Institute getragen wird, betrachtet die iranische Führung die Kontrolle über die Meerenge als strategisches Kernziel. Ein Kriegsende ohne Einfluss auf Hormus würde demnach in Teheran als schwere strategische Niederlage gesehen.

Mit Drohungen und Angriffen hatte der Iran den Schiffsverkehr in der Meerenge faktisch weitgehend zum Erliegen gebracht. Eine Normalisierung ist bislang nicht in Sicht. Das schlug sich zum Wochenbeginn erneut an den Märkten nieder: Die Ölpreise zogen am Montag deutlich an. Die höheren Energiepreise erhöhen zugleich den innenpolitischen Druck auf US-Präsident Donald Trump.

Experte: Führung in Teheran pragmatischer, aber nicht moderater

Experten gehen davon aus, dass die Revolutionsgarden innerhalb des iranischen Machtapparats durch die Tötung einflussreicher Generäle und hochrangiger Politiker zuletzt weiter an Einfluss gewonnen haben. Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz schrieb, die neue Führung erkenne zwar die Notwendigkeit eines gewissen Pragmatismus gegenüber den USA, sei aber ideologisch nicht gemäßigter.

Teheran sei heute eher bereit, konsequent militärische Gewalt einzusetzen. Washington müsse sich daher entscheiden, ob es die Konfrontation in der Straße von Hormus weiter verschärfe oder eine Vereinbarung akzeptiere und sich darauf konzentriere, Iran am Bau einer Atomwaffe zu hindern.

Oman vermittelt – Gespräche in Maskat ohne Durchbruch

In dem Mitte Juni unterzeichneten Rahmenabkommen sagte der Iran zu, sich „nach besten Kräften“ um eine sichere und für 60 Tage gebührenfreie Passage von Handelsschiffen durch die Meerenge zu bemühen. Zudem sollten Iran und Oman unter Einbeziehung weiterer Golfstaaten über die künftige Verwaltung der Straße von Hormus beraten.

Oman, das in dem Konflikt als Vermittler auftritt, legte in den vergangenen Tagen einen Vorschlag für die künftige Passage vor. Demnach soll die südliche Route wie vor dem Krieg frei befahrbar bleiben, während für die nördliche Route entlang der iranischen Küste Genehmigungen aus Teheran nötig wären. Darüber berichtete CNN. Gespräche darüber in der omanischen Hauptstadt Maskat endeten am Samstag jedoch ohne Durchbruch.

UN-Generalsekretär António Guterres hatte sich bereits besorgt über die starke Zuspitzung der Lage geäußert. Er warnte vor verheerenden Folgen für die Sicherheit in der Region und für die Weltwirtschaft und forderte Iran und die USA auf, umgehend an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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