Seit Monaten belastet der festgefahrene Konflikt um die Straße von Hormus die Weltwirtschaft. Ein geplantes Treffen der Außenminister Irans und Omans mit ihren Kollegen aus den Staaten am Persischen Golf hatte zuletzt Hoffnungen auf Entspannung geweckt. Vorerst kommt es dazu aber nicht.
Warum bleibt die Straße von Hormus umkämpft?
Die Straße von Hormus ist an ihrer engsten Stelle nur etwa 35 bis 40 Kilometer breit und hat sich im Krieg zwischen dem Iran und den USA zum wichtigsten Streitpunkt entwickelt. Für Teheran ist sie zugleich zum wohl wirksamsten Druckmittel geworden.
Vor dem Krieg konnten Handelsschiffe die Passage frei und ohne zusätzliche Gebühren nutzen. Rund 20 Prozent der weltweiten Ölversorgung liefen über diese Route. Auch Flüssiggas und Düngemittel aus den Golfstaaten werden darüber exportiert. Entsprechend stark treffen Einschränkungen den Welthandel. Höhere Öl- und Spritpreise erhöhen zudem den politischen Druck auf US-Präsident Donald Trump.
Schon kurz nach Beginn der israelisch-amerikanischen Luftangriffe Ende Februar brachte die iranische Militärführung den Schiffsverkehr mit Drohungen und Attacken nahezu zum Erliegen. Die Marine legte Minen in den Fahrwassern aus, erklärte nur noch eine nördliche Strecke entlang der iranischen Küste für sicher und verlangte Gebühren für die Durchfahrt. Andere Konfliktthemen wie der Atomstreit oder Irans Unterstützung für militante Gruppen in der Region rückten dadurch in den Hintergrund.
Ein Mitte Juni unterzeichnetes Rahmenabkommen zwischen Washington und Teheran sollte eigentlich den Weg zu einem dauerhaften Kriegsende ebnen. Darin war auch die Wiederöffnung der Meerenge vorgesehen. Kurz darauf verschärfte sich die Lage jedoch erneut. Der Iran warf den USA vor, Reedereien auf eine südliche Route fern der iranischen Küste drängen zu wollen. In Teheran wuchs die Sorge, damit die Kontrolle über das wichtigste eigene Druckmittel zu verlieren.
Worum sollte es bei dem Treffen gehen?
Iran und Oman, die beiden direkten Anrainer der Straße von Hormus, beraten seit Wochen über einen Mechanismus, wie der Schiffsverkehr künftig geregelt werden soll. Irans Präsident Massud Peseschkian hatte angekündigt, beide Länder wollten ein Abkommen über neue Schiffsrouten in der Meerenge unterzeichnen.
Mit einer schnellen vollständigen Öffnung der Passage für die internationale Schifffahrt rechnete allerdings kaum jemand. Der Iran verlangt von den USA zunächst ein Ende ihrer Seeblockade, die iranische Frachter an der Durchfahrt hindert. Dennoch galt das Treffen als mögliche Chance, wieder Bewegung in den seit Wochen diplomatisch festgefahrenen Konflikt zwischen Washington und Teheran zu bringen.
Warum wurde das Treffen verschoben?
Offiziell erklärte Omans Außenminister Badr al-Busaidi nur, das für Montag in Salalah geplante Regionaltreffen sei „im Interesse des Konsenses“ verschoben worden. Irans Außenamtssprecher Ismail Baghai sagte am Montag jedoch, Saudi-Arabien habe um die Vertagung gebeten.
Nach seinen Angaben spielten dabei auch die jüngsten Entwicklungen im Jemen eine Rolle. Vergangene Woche waren die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen dort überraschend schnell bis an die Meerenge Bab al-Mandab vorgerückt, einen weiteren weltweit wichtigen Schifffahrtsweg. Saudi-Arabien kämpft seit mehr als zehn Jahren im Jemen an der Seite der international anerkannten Regierung gegen die Miliz.
Zugleich deuten Berichte darauf hin, dass es auch inhaltliche Vorbehalte gegen den omanisch-iranischen Vorschlag gab. Der Journalist Barak Ravid schrieb unter Berufung auf einen hochrangigen Vertreter eines Golfstaates, Saudi-Arabien habe Änderungen verlangt. Riad befürchte demnach, dass die vorgesehene Formulierung faktisch einen neuen Status quo in der Straße von Hormus schaffen könnte, der weder für Saudi-Arabien noch für andere Golfstaaten akzeptabel wäre. Aus Teheran war diese Darstellung so nicht zu hören.
Die vorläufige Absage zeigt, wie kompliziert die Lage für die Nachbarstaaten bleibt. Bahrain, Kuwait, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate beherbergen US-Militärstützpunkte und wurden deshalb in der heißen Phase des Krieges Ziel iranischer Gegenangriffe. Gleichzeitig haben ihre Regierungen aus wirtschaftlichen Gründen großes Interesse an einer Rückkehr zur Normalität.
Bahrain, das im Krieg massiv unter iranischem Beschuss stand, hatte bereits am Samstag seinen offiziellen Boykott des Treffens angekündigt. Die Vereinigten Arabischen Emirate wollten zudem nicht ihren Außenminister entsenden, sondern nur einen Staatssekretär.
Wie ist die Lage für die Schifffahrt aktuell?
Nach Angaben aus Washington eskortiert die US-Marine im Rahmen ihres „Projekts Freiheit“ zwar Tanker und Frachtschiffe durch die Meerenge. Trotzdem nutzt derzeit nur ein Bruchteil des früheren Schiffsverkehrs die Straße von Hormus. Viele Reedereien halten das Risiko weiterhin für zu hoch.
Der Iran greift noch immer Schiffe an, zugleich attackierten auch die USA iranische Öltanker. Ende August meldete die Weltschifffahrtsorganisation zudem, dass weiterhin rund 400 Schiffe mit etwa 6.000 Seeleuten im Persischen Golf festsaßen.
Welche Folgen hat das für die Wirtschaft?
Für die Märkte war die Absage des Treffens im Oman ein weiteres negatives Signal. Zum Wochenstart legten die Ölpreise zu. Dazu trägt auch bei, dass Saudi-Arabien nach Drohnenangriffen eine wichtige Ölpipeline abgeschaltet hat.
Hinzu kommt ein weiteres Risiko: Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz kontrolliert inzwischen die gesamte jemenitische Küste am Roten Meer sowie wichtige Inseln. Das könnte auch die Handelsschifffahrt durch die Meerenge Bab al-Mandab stärker beeinträchtigen. Die Krise beschränkt sich damit längst nicht mehr nur auf die Straße von Hormus.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber