Iran

Pipeline-Aus: Saudi-Ölexporte vor dem Kollaps?

Saudi-Arabiens Ölwege brechen weg: Huthi, Iran, Drohnenangriff – jetzt fällt auch noch eine Schlüssel-Pipeline aus.

12.09.2026, 06:10 Uhr

Der eskalierende Konflikt im Nahen Osten setzt Saudi-Arabien, den wichtigsten Rohölexporteur der Welt, immer stärker unter Druck. Nach der faktischen Blockade der Straße von Hormus durch Iran und der wachsenden Gefahr an der Meerenge Bab al-Mandab muss das Königreich nun auch eine zentrale Pipeline vorsorglich außer Betrieb nehmen. Sollte dadurch noch weniger saudisches Öl auf den Weltmarkt gelangen, könnten Rohöl- und Kraftstoffpreise auch in Deutschland weiter steigen.

Ost-West-Pipeline nach Drohnenangriff vorerst stillgelegt

Betroffen ist die Ost-West-Pipeline, mit der Saudi-Arabien große Mengen Öl vom Persischen Golf an das Rote Meer transportieren kann, ohne die Straße von Hormus zu nutzen. Nach Angriffen in den Regionen Riad und Medina wurde die Leitung vorsorglich abgeschaltet.

Das saudische Außenministerium erklärte in der Nacht auf X, ein aus dem Irak gestarteter Drohnenangriff habe Schäden verursacht und mehrere Menschen verletzt. US-Medien wie CNN und das Wall Street Journal berichteten unter Berufung auf Satellitenbilder, dass offenbar Pumpstationen getroffen wurden und dort Brände ausbrachen. Wie schwer die Schäden sind und wann die Anlage wieder vollständig genutzt werden kann, ist bislang offen.

Bereits im April war Infrastruktur der Pipeline attackiert worden. Damals musste die Kapazität zeitweise reduziert werden.

Irak verurteilt Angriff und kündigt Untersuchung an

Die irakische Regierung verurteilte den Drohnenangriff auf Saudi-Arabien, der nach bisherigen Angaben von irakischem Staatsgebiet aus erfolgte. Ministerpräsident und Oberbefehlshaber Ali al-Saidi kündigte auf X eine Untersuchung an, die die Hintergründe der Attacke und die verantwortlichen Akteure klären soll. Zugleich ordnete er rechtliche Schritte gegen alle Beteiligten an.

Neu hinzu kommt: Die proiranische Gruppierung „Islamischer Widerstand im Irak“ wies jede Beteiligung an dem Angriff zurück. Zugleich erklärte sie sich bereit, an den Ermittlungen mitzuwirken, und warnte davor, den Vorfall zur Verschärfung regionaler Spannungen zu nutzen oder die Gruppe in die Auseinandersetzung hineinzuziehen.

Zusätzlich schloss der Irak nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Irna die beiden wichtigsten offiziellen Grenzübergänge zum Iran, al-Schalamdscha und al-Schaib, auf unbestimmte Zeit. Eine offizielle Begründung wurde zunächst nicht genannt.

Schlüsselroute für saudische Ölausfuhren

Die Bedeutung der Ost-West-Pipeline für Saudi-Arabiens Exportgeschäft ist enorm. Über die mehr als 1.200 Kilometer lange Verbindung können täglich bis zu sieben Millionen Barrel Öl vom Osten des Landes an die Westküste gepumpt werden. Ein Barrel entspricht 159 Litern.

Seit Beginn des Kriegs mit Iran Ende Februar und der anschließenden weitgehenden Blockade der Straße von Hormus durch Drohungen und Angriffe auf Schiffe versucht Riad, mit dieser Route stärkere Einbrüche bei den Exporten zu vermeiden.

Vor dem Krieg war Saudi-Arabien hinter den USA der zweitgrößte Ölproduzent der Welt und der wichtigste Exporteur von Rohöl.

Auch die Ausweichroute über das Rote Meer wird riskanter

Neben der blockierten Passage im Osten gerät inzwischen auch Saudi-Arabiens wichtigste Alternativroute nach Asien unter Druck: der Transport über das Rote Meer und die Meerenge Bab al-Mandab.

Jemenitischen Regierungskreisen zufolge haben die mit Iran verbündeten Huthi-Rebellen inzwischen die gesamte jemenitische Küste am Roten Meer sowie strategisch wichtige Inseln eingenommen. Damit wächst ihr Einfluss auf Bab al-Mandab deutlich. Ein Huthi-Sprecher erklärte zwar, die Sicherheit der Schifffahrt werde gewährleistet – diese Zusage gelte jedoch ausdrücklich nicht für saudische Schiffe.

Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und gehört zu einer der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Sie führt vom Mittelmeer über den Suezkanal in den Indischen Ozean und ist damit die kürzeste Seeverbindung zwischen Europa und Asien. Die Huthi haben in diesem Gebiet bereits mehrfach Schiffe angegriffen.

Ölpreis zieht wieder spürbar an

Die neuen Risiken für Saudi-Arabiens Ölexporte machen sich bereits an den Märkten bemerkbar. Der Analyst Hamad Hussain von Capital Economics sagte dem Wall Street Journal, der Vormarsch der Huthi und die Schäden an der Pipeline könnten den Ölpreis in Richtung 120 US-Dollar je Barrel treiben. Entscheidend sei vor allem, wie groß die Schäden an der Leitung tatsächlich sind. Einige Marktbeobachter halten bei einem länger anhaltenden Konflikt sogar noch höhere Preise für möglich.

Der Preis für ein Barrel Brent-Öl aus der Nordsee zur Lieferung im November stieg am Freitag zwischenzeitlich auf fast 110 US-Dollar. Damit liegt er zwar noch unter dem Jahreshoch von rund 126 Dollar Ende April, aber klar über dem Niveau von etwa 70 Dollar vor dem Krieg mit Iran im Februar. Damals liefen noch rund 20 Prozent der weltweiten Öl- und Flüssiggasexporte durch die Straße von Hormus.

Saudi-Arabien gerät von zwei Seiten in Bedrängnis

Für das Königreich verschärft sich die Lage damit an beiden Küsten. Im Osten ist die Ausfahrt aus dem Persischen Golf über die Straße von Hormus weitgehend blockiert, im Westen wird auch Bab al-Mandab zunehmend unsicher. Die möglichen Exportrouten schrumpfen damit erheblich.

Als Ausweichmöglichkeit bleibt zwar der Weg über den Suezkanal offen. Für Lieferungen an Kunden in Asien würde der Transport von der saudischen Westküste über den Kanal, das Mittelmeer oder alternativ um Afrika herum jedoch mehrere Wochen länger dauern und entsprechend teurer werden. Zudem hängt auch diese Option teilweise von einer funktionierenden Ost-West-Pipeline ab, weil die größten saudischen Ölfelder im Osten des Landes liegen.

Bab al-Mandab ist sogar noch schmaler als die Straße von Hormus. An ihrer engsten Stelle ist die Passage nur etwa 20 Kilometer breit. Nach Einschätzung des Institute for the Study of War dürfte es deshalb kaum möglich sein, dort einen vergleichsweise geschützten Schifffahrtskorridor einzurichten, wie dies in Hormus entlang der omanischen Küste teilweise machbar ist.

Das Institut sieht in den erweiterten Möglichkeiten der Huthi eine zusätzliche Option für Iran, den globalen Energiemarkt unter Druck zu setzen. Dank ihrer neuen Positionen an der Küste und auf Inseln direkt in der Meerenge könnten die Rebellen Schiffe auch mit Drohnen kurzer Reichweite bedrohen, die Sprengstoff tragen. Als Beispiel nennt das ISW Hexacopter, also kleine Drohnen mit sechs Propellern.

Huthi sind Teil von Irans regionalem Bündnissystem

Im Jemen ist der seit Jahren andauernde Konflikt erneut eskaliert. Die Huthi kämpfen gegen die international anerkannte Regierung und deren Verbündete. Sie gelten als Teil von Teherans sogenannter „Achse des Widerstands“, also eines regionalen Netzwerks aus vom Iran unterstützten Milizen und bewaffneten Gruppen.

Beobachtern zufolge unterstützt Iran die Huthi ähnlich wie die Hisbollah im Libanon mit Waffen, Technologie, Fachwissen und Geld. Auf der Gegenseite stehen die jemenitische Regierung, von Saudi-Arabien unterstützte Kräfte sowie weitere regierungstreue Verbände.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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