Iran

Tödlicher Angriff auf iranisches Containerschiff

Schock in der Straße von Hormus: Ein tödlicher Angriff auf ein iranisches Zivilschiff verschärft die Lage. Was bisher bekannt ist.

13.09.2026, 09:24 Uhr

Nach iranischen Angaben soll ein Treffen im Oman Bewegung in den anhaltenden Konflikt um die Straße von Hormus bringen. Präsident Massud Peseschkian kündigte an, dass Iran und Oman am Montag in Maskat ein Abkommen über neue Schifffahrtsrouten in der Meerenge unterzeichnen wollen. Auch die arabischen Golf-Anrainerstaaten sind laut iranischen Berichten eingeladen, um über die Details informiert zu werden. Bahrain will das Treffen jedoch boykottieren.

Eine rasche Öffnung der für den Welthandel wichtigen Wasserstraße gilt trotzdem als unwahrscheinlich. Teheran knüpft dies weiterhin an Bedingungen gegenüber den USA, darunter ein Ende der US-Seeblockade und ein Stopp militärischer Aktionen der US-Armee. Das regionale Treffen könnte dem Vorhaben dennoch politisches Gewicht verleihen und mögliche Gespräche zwischen Teheran und Washington voranbringen.

Teilnehmer sollen Karten mit neuen Routen erhalten

Nach Angaben des iranischen Außenministers Abbas Araghtschi sollen die Teilnehmer nicht nur über die Vereinbarung informiert werden, sondern auch Karten mit den neuen Routen erhalten. Darüber berichtete die katarische Nachrichtenseite Al-Arabi Al-Dschadid. Peseschkian zufolge soll das Abkommen zudem an die Internationale Seeschifffahrts-Organisation übergeben werden.

Die Lage rund um die Straße von Hormus blieb am Wochenende gefährlich. Bei einem Angriff auf ein iranisches Containerschiff wurde nach Angaben aus Teheran ein Mann getötet, vier weitere Besatzungsmitglieder wurden verletzt. Die staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtete darüber. Die britische Schifffahrtsbehörde UKMTO meldete zudem ein Feuer an Bord eines Schiffes.

Nach iranischer Darstellung greift das US-Militär inzwischen auch zivile iranische Schiffe an. US-Präsident Donald Trump hatte als Reaktion auf iranische Raketenangriffe gegen Handelsschiffe die neue Doktrin „Tanker für Tanker“ angeordnet.

Mehr als ein halbes Jahr nach Kriegsbeginn ist der Streit um den strategisch wichtigen Seeweg weiter ungelöst. Vor dem Krieg war die Meerenge für den Schiffsverkehr offen. Die faktische Blockade belastet die Weltwirtschaft und die Energiemärkte erheblich. Der Preis für ein Barrel Brent-Rohöl stieg zuletzt auf fast 110 US-Dollar, nachdem er vor Kriegsbeginn im Februar noch bei rund 70 Dollar gelegen hatte.

Saudische Ausweichroute für Öl-Exporte getroffen

Die ölreichen Golfstaaten suchen seit Monaten nach Wegen, ihre Exporte trotz der Krise auf den Weltmarkt zu bringen. Saudi-Arabien leitet Öl eigentlich über eine Pipeline zum Roten Meer um, um die Straße von Hormus zu umgehen. Nach Drohnenangriffen aus dem Irak wurde diese Verbindung nun jedoch vorsorglich stillgelegt.

Die rund 1.200 Kilometer lange Ost-West-Pipeline mit einer Kapazität von inzwischen sieben Millionen Barrel pro Tag galt zuletzt als zentrale Lebensader für saudische Exporte. Selbst bei einer Wiederinbetriebnahme bliebe die Lage heikel: Auch der Transport über die Meerenge Bab al-Mandab gerät durch den Vormarsch der Huthi-Miliz im Jemen zunehmend unter Druck.

Gegenseitige Angriffe im Jemen

Im Jemen herrschte nach dem Vormarsch der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz, die inzwischen die gesamte Westküste des Landes am Roten Meer kontrolliert, eine angespannte Ruhe. Aus Militärkreisen hieß es jedoch, Regierungstruppen hätten erneut Huthi-Ziele im Raum Tais angegriffen. Die Huthi teilten ihrerseits mit, sie hätten Waffenlager und Kommandozentren in Saudi-Arabien attackiert.

Saudi-Arabien unterstützt seit mehr als zehn Jahren die international anerkannte Regierung im Jemen im Kampf gegen die Huthi. Die Miliz greift nach diesen Angaben wieder verstärkt zivile Ziele und Öleinrichtungen in Saudi-Arabien an.

Neu hinzugekommen sind Berichte über hohe Verluste bei den mit der jemenitischen Regierung verbündeten Kräften an der Westküste. Nach eigenen Angaben wurden in Gefechten mit den Huthi mehr als 500 Kämpfer getötet und rund 1.500 weitere verletzt. Die sogenannten Nationalen Widerstandskräfte sprachen von einigen der schwersten und intensivsten Kämpfe gegen die Miliz. Demnach setzten die Huthi Raketen, Drohnen und mit Sprengstoff beladene Boote ein.

Land versinkt wieder im Bürgerkrieg

Mit den jüngsten Kämpfen ist der ohnehin stark verarmte Jemen erneut tiefer in den seit mehr als zehn Jahren andauernden Bürgerkrieg geraten. Nach UN-Schätzungen von 2021 wurden mehr als 150.000 Menschen in den Kämpfen getötet, weitere 220.000 starben demnach an indirekten Kriegsfolgen wie Hunger und Krankheiten. Rund 22 Millionen Menschen im Jemen sind derzeit auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Die Gefechte lösten auch neue Fluchtbewegungen aus. Nach Angaben des Außenministers von Dschibuti, Ilyas Dawalh, kamen innerhalb von 24 Stunden rund 1.400 Flüchtlinge aus dem Jemen in dem Land am Horn von Afrika an. Dschibuti liegt auf der anderen Seite der Meerenge Bab al-Mandab.

Von ihren neu gewonnenen Positionen aus können die Huthi den Schiffsverkehr im Roten Meer gezielter stören oder angreifen als zuvor. In den vergangenen Jahren hatten sie dort wiederholt Schiffe attackiert, teils versenkt oder gekapert. Ein Huthi-Sprecher erklärte allerdings, die Sicherheit der Schifffahrt sei gewährleistet – mit Ausnahme saudischer Schiffe.

Begrenzter Erfolg von EU- und US-Einsätzen

Zum Schutz der Schifffahrt wurden wegen der Angriffe seit 2023 die EU-geführte Mission Aspides und der US-geführte Einsatz Prosperity Guardian ins Leben gerufen. Einen durchgreifenden Erfolg brachten die Missionen bislang jedoch nicht, die Angriffe der Huthi gingen weiter.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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