Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran in der Straße von Hormus verschärft sich weiter. Nach Angaben des US-Militärs griffen amerikanische Streitkräfte als Vergeltung für iranische Attacken auf ein Kriegsschiff der US-Marine fünf iranische Rohöltanker an. Einer davon, die „M/T Riesco“, wurde demnach im Golf von Oman getroffen, geriet in Brand und sank.
Der Iran reagierte nach eigenen Angaben umgehend mit schweren Raketenangriffen auf das mit Washington verbündete Jordanien. Die staatliche jordanische Nachrichtenagentur Petra teilte mit, die Armee habe 20 ballistische Raketen abgefangen.
Iran meldet Angriffe auf US-Stützpunkte in Jordanien
Iranische Medien hatten zunächst von mehreren Explosionen auf zwei US-Stützpunkten in Jordanien berichtet. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten laut den Agenturen Fars und Tasnim, Ziel des Vergeltungsschlags sei der US-Stützpunkt Al-Asrak gewesen. Nach iranischer Darstellung wurden dort Wartungseinrichtungen sowie ein Stationierungsort für US-Kampfjets der Typen F-35, F-16 und F-15 mit ballistischen Raketen angegriffen. Dabei sei erheblicher Schaden entstanden.
Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. Das US-Militär äußerte sich nicht dazu. Die jordanischen Behörden machten zu möglichen Zielen keine näheren Angaben und erklärten lediglich, die Raketenangriffe seien abgewehrt worden.
In einer späteren Erklärung erklärten die Revolutionsgarden zudem, sie hätten auch Schiffe in der Region der Straße von Hormus angegriffen. Demnach seien US-Schiffe sowie Tanker und Frachter ins Visier genommen worden. Auch diese Angaben konnten bislang nicht unabhängig bestätigt werden.
Centcom: Fünf Tanker attackiert, einer gesunken
Das zuständige US-Regionalkommando Centcom erklärte auf der Plattform X, angegriffen worden seien die Tanker „M/T Kaviz“, „M/T Charminar“, „M/T Horizon 1“, „M/T Riesco“ und „M/T Derya“. Zur „M/T Riesco“ veröffentlichte Centcom ein Video, das zeigen soll, wie das Schiff getroffen wird, Feuer fängt und anschließend mit dem Bug voran sinkt. Ob der Tanker Rohöl geladen hatte, blieb offen.
Nach US-Angaben gehörten die Schiffe zu einem Schattennetzwerk mit milliardenschweren Einnahmen, über das sich die iranischen Revolutionsgarden finanzierten. Die Besatzungen seien vor den Angriffen aufgefordert worden, die Tanker zu verlassen.
Zuvor hatten iranische Medien bereits Explosionen nahe der Insel Charg im Persischen Golf sowie in der Umgebung der Hafenstadt Dschask an der Straße von Hormus gemeldet. Charg ist für den Iran strategisch besonders wichtig, weil sich dort das wichtigste Exportterminal für iranisches Erdöl befindet.
Washington spricht von Vergeltung nach Angriffen auf US-Kriegsschiff
Nach Darstellung des US-Militärs erfolgte der neue Schlag gegen iranische Tanker, nachdem die Revolutionsgarden in den vergangenen zwei Tagen zweimal ein Kriegsschiff der US-Marine mit ballistischen Raketen angegriffen hätten. Getroffen worden sei das Schiff dabei nicht.
Die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna berichtete unter Berufung auf die Revolutionsgarden, Ziel seien die mit Marschflugkörpern ausgerüsteten US-Zerstörer DDG-119 und DDG-53 gewesen.
US-Beamte sagten dem „Wall Street Journal“, die Angriffe auf Schiffe der US-Marine schürten Sorgen, dass der Iran inzwischen fortschrittlichere Waffen einsetzt und bei der Ortung der Kriegsschiffe womöglich Unterstützung aus China oder Russland erhält.
Der Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrats im Iran, Mohsen Resai, hatte zuvor vom erstmaligen Einsatz eines neuartigen Seezielflugkörpers gesprochen. Im staatlichen Rundfunk bezeichnete er dies als „wichtige Warnung an den Feind“, dass die von den USA gegen iranische Häfen verhängte Seeblockade verwundbar sei.
Rubio warnt Teheran vor weiteren Angriffen
US-Außenminister Marco Rubio warnte den Iran vor neuen Attacken. „Der Iran versucht weiterhin, Schiffe der US-Marine anzugreifen, und jedes Mal, wenn sie dies tun oder versuchen zu tun, werden sie Tanker verlieren“, sagte Rubio während eines Besuchs in Kolumbien.
Erst am Samstag hatte das US-Militär bereits Angriffe auf drei iranische Öltanker gemeldet.
Experte warnt vor Eskalationsspirale
Der Iran-Experte Danny Citrinowicz warnte vor einer weiteren Zuspitzung. Die Führung in Teheran habe wiederholt signalisiert, dass sie auf den wachsenden Druck der USA mit weiterer Eskalation reagieren und nicht nachgeben werde, schrieb er auf X.
Eine unbefristete Seeblockade werde der Iran nicht einfach hinnehmen. Auch werde die Islamische Republik nicht zulassen, dass ihr immer höhere wirtschaftliche Kosten auferlegt würden, ohne dass dies auch die USA teuer zu stehen komme.
Die entscheidende Frage für die Regierung von US-Präsident Donald Trump sei nicht mehr, ob der Iran auf zusätzlichen Druck reagieren werde, sondern wie weit beide Seiten bereit seien, „eine Eskalationsleiter hinaufzusteigen, die offenbar keiner von beiden kontrollieren kann“, schrieb Citrinowicz.
Die Straße von Hormus bleibt damit der zentrale Krisenherd zwischen Washington und Teheran. Nach US-Darstellung behindert der Iran mit Drohungen und Angriffen auf Schiffe den Verkehr durch die für Öl, Erdgas und Dünger wichtige Meerenge weiterhin massiv. Vor dem Krieg war die Passage offen. Infolge der Blockade und steigender Preise in den USA steht Trump vor den Parlamentswahlen im November auch innenpolitisch stark unter Druck.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber