Berlin

Warum «Breitscheidplatz 19/12» Toronto elektrisiert

Was wussten die Behörden vor dem Anschlag 2016? Die ARD-Serie „Breitscheidplatz 19/12“ feiert Premiere in Toronto.

14.09.2026, 07:51 Uhr

Die ARD-Serie „Breitscheidplatz 19/12“ zeichnet die rund 18 Monate vor der Amokfahrt auf dem Berliner Weihnachtsmarkt am 19. Dezember 2016 nach. Im Mittelpunkt stehen ein Staatsschützer, der die Gefahr früh erkennt, ein eingeschleuster Informant im islamistischen Milieu und der spätere Attentäter, der den Behörden bekannt ist und dennoch nicht gestoppt wird. Unter dem internationalen Titel „Blindspot Berlin“ feierte die sechsteilige Produktion am Sonntagabend Ortszeit beim Toronto International Film Festival (TIFF) ihre Weltpremiere.

Regisseur und Co-Autor David Nawrath, der das Drehbuch gemeinsam mit David Marian geschrieben hat, zeigte sich im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur begeistert darüber, dass in Toronto die ersten beiden Folgen präsentiert wurden. Man habe sich gefragt, ob ein in Deutschland so bedeutendes Thema auch international funktioniere. Der Blick von außen sei letztlich das Beste gewesen, was der Serie habe passieren können, weil er zeige, wie universell die Geschichte sei.

Auch Produzent Simon Amberger sprach von einer starken Resonanz beim Festival. Die Begeisterung des Publikums sei während der 90-minütigen Vorführung an der konzentrierten Stimmung im Saal deutlich spürbar gewesen. Besonders positiv wertete er, dass nach den ersten beiden Episoden sofort die Frage aufgekommen sei, wann die restlichen Folgen zu sehen seien.

Jagd auf den späteren Attentäter

Albrecht Schuch verkörpert in der Serie den fiktiven NRW-Staatsschützer Frank Laudin, der über den Ex-Kriminellen Murat Cem (gespielt von Tamer Trasoglu) an den späteren Attentäter Anis Amri heranzukommen versucht. Amri wird von Wael Alkhatib gespielt. Parallel dazu wird die Bedrohung durch das Bundeskriminalamt unterschätzt.

Bayan Layla, die gemeinsam mit Trasoglu in Toronto vor Ort war, spielt die junge Polizeibeamtin Isra, die Hinweisen auf Amri nachgeht und dabei immer wieder auf Widerstände stößt. Nach der Premiere sagte sie, die Rolle der eher zurückhaltenden Irakerin gehe ihr persönlich sehr nahe. Sie stamme selbst aus Syrien, wo der sogenannte Islamische Staat nur wenige Kilometer von ihrer Heimatstadt entfernt gewesen sei. Deshalb habe sie von Anfang an eine enge Verbindung zu Isra und der Geschichte gespürt.

„Verantwortung, uns dem zu stellen“

Für Tamer Trasoglu lag der Reiz des Projekts nicht nur in der Vielschichtigkeit des Drehbuchs, sondern auch in der Auseinandersetzung mit dem belastenden Stoff. Viele Menschen hätten Angst vor solchen Themen und wollten sie lieber aus der Distanz betrachten. Kunstschaffende hätten aber auch die Verantwortung, sich dem zu stellen und zur Aufklärung beizutragen.

Produzent Amberger betonte zudem, dass die Serie gerade in einer Zeit zugespitzter gesellschaftlicher Debatten besonders relevant sei. Es sei wichtig, sich der Komplexität dieser Geschichte – und letztlich auch der Welt – zu stellen und zu akzeptieren, dass es darauf keine einfachen Antworten gebe.

Die Deutschlandpremiere von „Breitscheidplatz 19/12“ ist für den 26. September beim FilmFest Hamburg geplant. Anschließend startet die Serie ab 30. Oktober in der ARD-Mediathek und ist ab 1. November im Ersten zu sehen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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