Politik

Darum ist Merkels Kanzler-Porträt nicht rot

Merkel enthüllt im Bundestag, warum ihr neues Porträt mehr sagt als ein Bild – und was das mit Demokratie zu tun hat.

22.09.2026, 06:24 Uhr

Merkel erklärt die Farbwahl ihres Kanzlerporträts

Angela Merkel ist auf ihrem offiziellen Porträt für die Galerie der Altkanzler im Kanzleramt in einem blauen Blazer dargestellt. Dass sie sich für diese Farbe entschied, war nach ihren Worten bewusst gewählt. Bei der Eröffnung einer Kunstausstellung im Bundestag sagte die frühere CDU-Kanzlerin, Rot habe sie bewusst ausgeschlossen. Diese Farbe wolle sie lieber der ersten sozialdemokratischen Bundeskanzlerin überlassen.

Blau, so erläuterte Merkel, habe eine besondere Präsenz und Ausstrahlung. Die Farbpalette reiche für sie von Meeresblau bis Stahlblau und verbinde damit sowohl Strenge als auch Sanftheit. Zudem habe sie im Laufe der Jahre viele verschiedene Blautöne getragen.

Auffälliger Farbakzent bei internationalen Treffen

Ein weiterer Grund für ihre Vorliebe für blaue Blazer sei gewesen, dass sie auf Gruppenfotos internationaler Konferenzen zwischen den meist dunkel gekleideten Männern oft als farblicher Akzent hervorstach. Besonders gefreut habe sie sich, wenn bei G20-Treffen mehrere solcher Farbakzente zu sehen gewesen seien.

Das Ende Juni vorgestellte Porträt stammt von dem deutsch-französischen Künstler Jérémie Queyras. Wegen des großen Besucherinteresses ist es derzeit weiterhin öffentlich im Berliner Bode-Museum zu sehen; die Ausstellung wurde von ursprünglich Anfang Oktober bis zum 3. Januar 2027 verlängert. Anschließend soll das Gemälde als Leihgabe ins Kanzleramt wechseln. Es zeigt Merkel im blauen Blazer vor einem goldbraunen Hintergrund.

Adenauer-Bild begleitet Merkel seit mehr als 20 Jahren

Merkel war zur Eröffnung einer Ausstellung in den Bundestag gekommen, die zwei Werke aus der Kunstsammlung des Parlaments in den Mittelpunkt stellt. Eines davon ist das Adenauer-Porträt von Oskar Kokoschka, das sie seit 2002 in ihren Arbeitsräumen hatte — zunächst als Vorsitzende der Unionsfraktion, später im Kanzleramt und auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt. Gezeigt wird außerdem ein Porträt des früheren SPD-Kanzlers Willy Brandt von Andy Warhol.

Auf die Bitte, das Adenauer-Bild vorübergehend für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen, sei sie gern eingegangen, sagte Merkel. Es sei wichtig, dass ein solches Werk auch wieder einer größeren Öffentlichkeit zugänglich werde. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner machte deutlich, dass Merkel dafür keinen annähernd gleichwertigen Ersatz an ihrer Wand haben wollte.

Die Altkanzlerin bestätigte das mit einem scherzhaften Hinweis: Zum 150. Geburtstag Konrad Adenauers blicke sie nun auf eine weiße Wand. Das sei gewissermaßen eine Form des Verzichts, die die Vorfreude auf die Rückkehr ihres langjährigen „Begleiters“ noch steigere. Die Ausstellung „Kokoschkas Adenauer. Warhols Brandt“ läuft bis zum 10. Januar 2027.

Merkel wirbt für ein umfassendes Demokratieverständnis

In einer Gesprächsrunde äußerte sich Merkel zudem zu politischen Grundfragen und bezog sich dabei auch auf Adenauers Denken. Demokratie dürfe nicht auf freie Wahlen reduziert werden, betonte sie. Ebenso unverzichtbar seien der Schutz von Minderheiten, eine freie Presse, eine unabhängige Justiz sowie die Freiheit von Kunst und Wissenschaft.

Außerdem hob sie das christliche Menschenbild hervor, das sie nach eigenen Worten stark geprägt habe. Für sie drücke es die Freude darüber aus, dass Menschen verschieden seien. Demokratie dürfe niemals das Ziel haben, Menschen zu vereinheitlichen oder gleichzumachen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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