RKI-Analyse: Nur jedes zehnte Risikokind in Deutschland gegen Grippe geimpft
In Deutschland ist laut einer Auswertung des Robert Koch-Instituts nur rund jedes zehnte Kind mit gesundheitlichen Risikofaktoren gegen Influenza geschützt. Die Untersuchung stützt sich auf Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen und betrachtet insgesamt elf Grippesaisons von 2014 bis 2025.
Nach Hochrechnungen des Instituts könnten in der nächsten Saison etwa 1,1 Millionen Kinder und Jugendliche mit Vorerkrankungen ohne Grippeimpfung bleiben, falls sich an der niedrigen Impfquote nichts ändert. Die Ständige Impfkommission (Stiko) ruft deshalb erneut dazu auf, besonders gefährdete junge Menschen rechtzeitig impfen zu lassen.
Besonders gefährdet sind Kinder mit Vorerkrankungen
Zur empfohlenen Zielgruppe gehören unter anderem Kinder und Jugendliche mit chronischen Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes oder starkem Übergewicht. Nach Angaben der Stiko haben sie ein deutlich erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe. Im schlimmsten Fall könne eine Influenza zu einem Krankenhausaufenthalt, einer Behandlung auf der Intensivstation oder sogar zum Tod führen.
Die Impfung kann vor schweren Folgen schützen und sollte nach Empfehlung einmal pro Jahr im Herbst oder Winter erfolgen.
Expertin: Grippe wird oft unterschätzt
Als einen wichtigen Grund für die geringe Impfquote nennt Barbara Gärtner vom Universitätsklinikum des Saarlandes, dass Influenza häufig nicht als ernsthafte Gefahr wahrgenommen werde. Die Fachärztin für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie erklärte zudem, dass Impfungen im Alltag oft schlicht vergessen würden oder das Thema in Arztpraxen nicht aktiv genug angesprochen werde. Die Sorge vor Nebenwirkungen spiele Studien zufolge dagegen eher eine untergeordnete Rolle.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber