Lesung von Arne Semsrott findet nun doch in der Magdeburger Stadtbibliothek statt
Der Autor und Aktivist Arne Semsrott wird in der kommenden Woche doch in der Stadtbibliothek Magdeburg aus seinem neuen Buch lesen. Wie Stadtsprecher Michael Reif der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, ist für den 6. Juni um 11.00 Uhr eine Matinee mit Semsrott geplant.
Zunächst war die Veranstaltung von der Stadtbibliothek in das Kulturzentrum Moritzhof verlegt worden. Semsrott hatte diese Entscheidung deutlich kritisiert. Darüber hatte zuvor auch die Wochenzeitung „Die Zeit“ berichtet.
Termin verschoben, Ort wieder geändert
Ursprünglich sollte die Lesung aus Semsrotts Buch „Gegenmacht – Die Zivilgesellschaft schlägt zurück“ bereits am 5. Juni in der Stadtbibliothek stattfinden. Danach wurde sie in den Moritzhof verlegt. Dort wären nach Angaben des Hauses die Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt und der Verein Miteinander als Veranstalter aufgetreten. Die Heinrich-Böll-Stiftung gilt als den Grünen nahestehend.
Oberbürgermeisterin will selbst teilnehmen
Dass die Lesung nun doch in der Stadtbibliothek stattfindet – wenn auch einen Tag später –, sei laut Reif das Ergebnis eines Gesprächs zwischen Oberbürgermeisterin Simone Borris und Arne Semsrott. Die parteilose Rathauschefin wolle die Veranstaltung auch persönlich besuchen.
Semsrott sah politische Gründe hinter der Verlegung
Im Zuge der Debatte hatte Semsrott der Oberbürgermeisterin politische Einflussnahme vorgeworfen. Die Verlegung bezeichnete er als faktische Ausladung. Im Deutschlandfunk Kultur sagte er, aus seiner Sicht gehe es grundsätzlich um die Frage, ob eine Lesung an einem öffentlich finanzierten und frei zugänglichen Ort wie einer Stadtbibliothek möglich sein müsse.

Der 38-Jährige vermutete zudem politischen Druck im Hintergrund. Er brachte die Entscheidung mit einer kritischen Anfrage der AfD im Magdeburger Stadtrat zu einer früheren Lesung in Verbindung. Beweisen könne er das zwar nicht, sagte Semsrott, jedoch habe er aus mehreren Richtungen gehört, sein Buch sei als „zu provokativ“ eingeschätzt worden.
Borris weist Vorwürfe zurück
Simone Borris hatte die Anschuldigungen zuvor klar zurückgewiesen. In einer öffentlichen Stadtratssitzung erklärte sie, es habe keine Weisung von ihr gegeben, die Veranstaltung abzusagen, die Lesung zu verbieten oder die Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek zu beenden.
Nach ihren Angaben war das Thema in einer internen Beratung im Zusammenhang mit Fragen der parteipolitischen Neutralität vor Wahlen angesprochen worden. Sie habe lediglich um eine Prüfung gebeten, nicht um eine Absage. Zudem seien ihr weder der Autor noch seine Bücher bekannt gewesen. Dass sich die Stadtbibliothek zuvor ausdrücklich unter Verweis auf Meinungs- und Kunstfreiheit für die Durchführung der Veranstaltung ausgesprochen hatte, sei ihr in dem Moment nicht bekannt gewesen.
Gleichzeitig räumte Borris ein, dass der Ablauf auf Beteiligte irritierend, enttäuschend oder verletzend gewirkt haben könne. Deshalb habe sie Semsrott sowie Vertreter der Heinrich-Böll-Stiftung zu einem Gespräch eingeladen. Dieses führte nun offenbar zu der Einigung, dass die Lesung doch in der Stadtbibliothek stattfinden kann.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion