Bayern

Warum Kellnerinnen am Paulaner-Turm verhüllt sind

Warum sind die Kellnerinnen am Paulaner-Turm plötzlich kopflos? Hinter der Verhüllung steckt wohl mehr als nur Farbe.

14.07.2026, 04:30 Uhr

Rätsel um verhüllte Figuren am Paulaner-Turm

Während auf der Theresienwiese der Aufbau für das Oktoberfest zügig voranschreitet, sorgt ausgerechnet ein bekanntes Kunstwerk am Paulaner-Turm für Verwunderung: Die Kellnerinnen-Parade des Künstlers Emil Kneiß ist derzeit ohne sichtbare Gesichter zu sehen, denn diese wurden mit schwarzer Folie verdeckt. Warum das so ist, bleibt bislang unklar.

Wie die Mediengruppe „Münchner Merkur/tz“ berichtet, könnte ein Streit um Urheberrechte dahinterstecken. Vom Unternehmen Paulaner gibt es dazu jedoch keine direkte Stellungnahme. Auf Nachfrage erklärte ein Sprecher lediglich, das Paulaner-Festzelt erhalte in diesem Jahr eine neue Gestaltung, die auch den Biergarten umfasse. Damit sollten zusätzliche Möglichkeiten für die Ausgabe von Speisen und Getränken geschaffen werden. Schon seit Längerem habe es Pläne gegeben, den Turm neu zu streichen. Wegen der Verzögerungen in den vergangenen Wochen werde dies nun im aufgebauten Zustand erledigt. Weitere Angaben machte das Unternehmen nicht.

Aufbau des Oktoberfests läuft inzwischen nach Plan

Das Paulaner-Zelt, das in diesem Jahr von Wirt Lorenz Stiftl geführt wird, ist außerdem Teil eines Rechtsstreits. Der Gastronom Alexander Egger hat Klage eingereicht und lässt gerichtlich prüfen, ob die Vergabe des Paulaner- und des Schottenhamel-Zelts nach europäischem Vergaberecht hätte erfolgen müssen. Vorübergehend stand deshalb im Raum, ob der Aufbau der Zelte rechtzeitig beginnen könnte. Inzwischen laufen die Arbeiten jedoch planmäßig weiter. Das Oktoberfest findet vom 19. September bis 4. Oktober statt.

Aufbau Oktoberfest
Der Aufbau an der Theresienwiese läuft auf Hochtouren. Quelle: Sven Hoppe/dpa

Weitere Urheberrechtsfragen um Werke von Emil Kneiß

Auch an anderer Stelle sorgt das Werk von Emil Kneiß für juristische Auseinandersetzungen. Im Bräustüberl Tegernsee hatte der Künstler einst ein Wandbild geschaffen, das einen Mann zeigt, der seinen Hund sucht, während dieser unter seinem Bauch sitzt. Dieses Motiv wurde später auch auf Fan- und Verkaufsartikeln wie Brotzeitbrettln, Bierdeckeln und Ansteckern verwendet.

Nach Angaben des Anwalts Moritz-Melchior Bloser, der den Wirt des Bräustüberls vertritt, hat eine Nachfahrin von Kneiß deshalb Klage vor dem Landgericht München I eingereicht. Zuvor habe man versucht, sich außergerichtlich mit ihr zu einigen, dies sei jedoch gescheitert.

Emil Kneiß starb im Jahr 1956. Nach deutschem Urheberrecht endet der Schutz seiner Werke 70 Jahre nach seinem Tod, also zum 1. Januar 2027. Warum die Nachfahrin ihre Ansprüche erst jetzt geltend macht, ist bislang nicht bekannt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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