Verlassene DDR-Plattform in der Ostsee kommt unter den Hammer
Der Traum von einer eigenen Insel wirkt für viele unerreichbar. Bei einer Auktion am 4. Juni in Hamburg könnte er für einen Käufer zumindest in ungewöhnlicher Form Realität werden: Versteigert wird die frühere DDR-Militärstation Ostervilm in der Ostsee, südöstlich von Rügen.
Die etwa 250 Quadratmeter große Plattform im Greifswalder Bodden bietet allerdings ein Bild des Verfalls. Türen und Fenster fehlen, Holzböden sind stellenweise eingebrochen, das Gebäude ist von Grünspan, Vogelkot und rostigen Bauteilen gezeichnet.
Früher Entmagnetisierungsstation der Volksmarine
Nach Angaben der Norddeutschen Grundstücksauktionen AG nutzte die Volksmarine der DDR die Anlage als Entmagnetisierungsstation. Dort wurden Marineschiffe mithilfe einer Kabelschleife im Meer behandelt, damit sie von Seeminen mit Magnetzündung schwerer erfasst werden konnten.
Die künstliche Insel wurde demnach 1954 in rund zehn Metern Wassertiefe auf etwa 600 Holzpfählen errichtet. Auf der Plattform befanden sich ein Wohngebäude und ein Waschraum – schlicht ausgestattet, aber zweckmäßig.
Seit der Wende zunehmender Verfall
Nach dem Ende der DDR wechselte die Insel mehrfach den Besitzer, verfiel jedoch immer weiter. Die Auktionatoren bezeichnen den Zustand inzwischen als marode. Neben Witterung und Vandalismus haben auch Vogelkot und andere Umwelteinflüsse deutliche Schäden hinterlassen. Zudem weist das Bauwerk Setzungsrisse auf.
Einstieg bei 39.000 Euro
Das Mindestgebot beträgt 39.000 Euro. Laut Hanna Scheibeler vom Auktionshaus gibt es bereits erste Überlegungen zur künftigen Nutzung. Im Gespräch seien etwa ein Kasino, eine Hochzeitslocation oder eine abgelegene Bar mitten in der Ostsee. Ihrer Einschätzung nach sind den Ideen kaum Grenzen gesetzt.

Auch Burkhard Lenz aus Putbus auf Rügen hatte nach der Wiedervereinigung gemeinsam mit einem Freund über eine neue Nutzung nachgedacht. Er kannte zahlreiche Soldaten der Volksmarine, die damals auf der abgeschirmten Anlage arbeiteten und zum Fußball nach Putbus kamen.
Lenz erinnert sich, dass die Station nie für längere Aufenthalte gedacht gewesen sei. Die Soldaten hätten sich dort meist nur tageweise aufgehalten, bei größerem Arbeitsaufkommen auch einmal etwas länger.
Kaum Infrastruktur auf der Plattform
Viel Komfort habe es auf der Insel nicht gegeben, berichtet Lenz, der die Anlage Mitte der 1990er Jahre mit seinem Freund vermessen hatte. Es habe keinen 220-Volt-Stromanschluss und auch kein Trinkwasser gegeben. Wasser sei jeweils in Tanks auf die Plattform gebracht worden.
Die eigenen Umbaupläne wurden letztlich aufgegeben. Nach Gesprächen mit Fachleuten, so Lenz, hätten er und sein Freund das Vorhaben wieder verworfen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion