Mecklenburg-Vorpommern

Backhaus und der Wal – Das steckt hinter der Tragödie

Wal-Rettung scheitert, die Kritik wächst – doch Backhaus bleibt stur. Warum der Minister sein umstrittenes Handeln verteidigt.

23.05.2026, 00:01 Uhr

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus hat Vorwürfe zu seiner Beteiligung am gescheiterten Rettungsversuch für den mehrfach an der Ostseeküste gestrandeten Wal zurückgewiesen. Gegenüber Stern.de sagte der SPD-Politiker, er habe „verantwortungsvoll gehandelt“. Dass das Tier schließlich tot an der dänischen Insel Anholt gefunden wurde, mache ihn traurig. Seine große Hoffnung sei gewesen, den Wal zu retten.

Die Einschätzung, der Wal habe durch die Rettungsaktion womöglich nur länger leiden müssen, teilte Backhaus nicht. Für ihn hätten Tiere einen eigenen Wert, betonte er. Wenn Hilfe möglich sei, müsse man sie leisten. Der Wal habe zumindest die Chance auf Rettung erhalten sollen.

Minister spricht von jungem, verirrtem Tier

Backhaus sagte zugleich, ihm sei stets bewusst gewesen, dass es sich um ein Wildtier handle. Nach seiner Darstellung war es ein junger Wal, der sich verirrt hatte. Gerade deshalb habe das Tier Unterstützung verdient, schließlich habe es noch sein ganzes Leben vor sich gehabt.

Den Vorwurf, er habe die umstrittene Aktion trotz gegenteiliger Empfehlungen von Wissenschaftlern wegen des öffentlichen Drucks oder mit Blick auf die im September anstehende Landtagswahl erlaubt, wies er zurück. Die Wahl habe für ihn keinerlei Rolle gespielt. Zwar habe es Druck gegeben, davon habe er sich nach eigener Aussage aber nicht leiten lassen. Stattdessen habe er sich sachlich mit dem Fall befasst.

Backhaus weist Bezeichnung „skurril“ zurück

Nach Angaben des Ministers ließ er sich bei seiner Entscheidung zudem von zwei namhaften Wissenschaftlern beraten, die nicht zur Initiative gehört hätten. Deren Namen nannte er jedoch nicht. Beide hätten ihn darum gebeten, weil sie Drohungen fürchteten. Seriöse Fachleute hätten ihm signalisiert, dass sein Vorgehen richtig gewesen sei.

Die gesamte Rettungsaktion als „skurril“ zu bezeichnen, lehnt Backhaus ab. Mit diesem Begriff habe er ein Problem, sagte er. Aus seiner Sicht habe man versucht, ein junges und lebensfähiges Tier zurück in seinen natürlichen Lebensraum zu bringen. Dabei verwies er auch auf ethische und moralische Fragen. Man solle sich vorstellen, die Evolution wäre anders verlaufen – dann hätte womöglich der Wal darüber entschieden, ob ein Mensch gerettet wird.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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