Die im Mordprozess um den getöteten achtjährigen Fabian angeklagte Frau will ihr bisheriges Schweigen offenbar beenden. Ihr Verteidiger Thomas Löcker kündigte am Ende des 13. Verhandlungstags vor dem Landgericht Rostock an, dass sich seine Mandantin Anfang August erstmals äußern wolle. In welchem Umfang und zu welchen Themen sie Angaben machen wird, ist demnach noch offen.
Als möglicher Termin gilt der 6. August. Nach Angaben des Gerichts soll dafür der Vormittag reserviert werden. Zwischen dem 9. Juli und dem 6. August ist eine vierwöchige Verhandlungspause geplant, die die Verteidigung nach eigenen Angaben zur Vorbereitung mit der Angeklagten nutzen will.
Die Staatsanwaltschaft wirft der 30-jährigen Deutschen vor, den aus Güstrow stammenden Fabian am 10. Oktober 2025 mit sechs Messerstichen getötet und anschließend seinen Körper angezündet zu haben. Der Leichnam wurde am 14. Oktober entdeckt. Nach den damaligen Angaben der Frau hatte sie den Jungen beim Spaziergang mit ihrem Hund zufällig gefunden und selbst die Polizei verständigt. Die Angeklagte sitzt seit dem 7. November 2025 in Untersuchungshaft und hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht eingelassen. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Am jüngsten Prozesstag belastete eine frühere Freundin und Nachbarin die Angeklagte mit ihrer Aussage. Die 52-Jährige berichtete vor der Schwurgerichtskammer von einem Telefonat am Morgen des 14. Oktober. Darin habe die Angeklagte gesagt: „Wir haben ihn gefunden. Er ist tot.“ Auf die Frage, warum nicht sofort die Polizei gerufen worden sei, habe diese erklärt, sie habe nicht gewusst, wie sie ihren vorherigen Aufenthalt an dem Ort erklären solle.
Die Zeugin schilderte weiter, sie sei am 14. Oktober gemeinsam mit der Angeklagten und zwei Hunden zum späteren Fundort an einem Tümpel bei Klein Upahl gefahren. Während sie selbst mit ihrem Rollator in einiger Entfernung stehen geblieben sei, sei die Angeklagte zielgerichtet über einen Acker zu dem Wasserloch gelaufen. Als sie zurückkam, habe sie gesagt: „Er ist noch da. Es sieht schlimmer aus.“ Die Zeugin erklärte, sie glaube inzwischen, nur als Alibi mitgenommen worden zu sein. Auch die Hunde hätten aus ihrer Sicht den Ort finden sollen, um die Angeklagte zu entlasten. Vor Gericht bestätigte sie diesen Eindruck und sagte: „Das kam mir alles sehr komisch vor.”
Bereits an den beiden vorherigen Verhandlungstagen hatten zwei weitere Zeugen ausgesagt, sie seien am späten Abend des 13. Oktober mit der Angeklagten an dem Fundort gewesen. Dort habe hinter einem Gebüsch die stark verbrannte Leiche des Jungen gelegen.
Die frühere Freundin berichtete zudem von der schwierigen Beziehung zwischen der Angeklagten und Fabians Vater. Beide seien jahrelang ein Paar gewesen und nach einer Trennung im August des Vorjahres wieder zusammengekommen. Das Verhältnis habe zwischen Harmonie und heftigen Konflikten geschwankt. „Man wusste nie, was einen erwartet“, sagte die Zeugin. Der Vater des Jungen habe die Angeklagte finanziell unterstützt. Diese habe zwar eine Rente bezogen, aber auch für fünf Pferde aufkommen müssen. Eines der Tiere aus Kostengründen abzugeben, sei für sie kein Thema gewesen.
Der Prozess läuft seit dem 28. April und wird am 23. Juni fortgesetzt. Dann sollen mehrere Polizeibeamte aussagen, darunter eine Beamtin, die die Angeklagte vernommen hat. Termine sind bislang bis zum 10. September angesetzt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion