Aktionsrat Bildung verlangt gesetzliche Altersgrenzen für soziale Medien
Der Aktionsrat Bildung spricht sich für verbindliche Altersvorgaben bei Social-Media-Plattformen aus. Nach Auffassung des Gremiums sollen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ausschließlich Inhalte sehen können, die ihrem Alter entsprechen, pädagogisch sinnvoll sind und ihre Entwicklung sowie gesellschaftliche Teilhabe unterstützen. Zudem müsse die Nutzungsdauer auf ein altersgerechtes Maß begrenzt werden.
Konkrete Zahlen zu Mindestalter oder täglichen Nutzungszeiten nennt das aktuelle Gutachten jedoch nicht. Stattdessen verweisen die Autorinnen und Autoren auf Empfehlungen einer von Jugendministerin Karin Prien eingesetzten Fachkommission, die im Sommer erwartet werden. Auf Bundesebene wird derzeit darüber beraten, Social Media für Unter-14-Jährige zu verbieten. Für Jugendliche bis 16 Jahre steht eine Nutzung nur in einer altersgerechten Version zur Diskussion, die ohne suchtfördernde Mechanismen auskommen soll.
Schutz vor Suchtanreizen, Manipulation und Werbung
Nach Ansicht des Aktionsrats müssen Minderjährige wirksam vor manipulativen Designs, suchtverstärkenden Funktionen und Werbung geschützt werden. Gefordert werden außerdem eindeutige bundesweite Regeln zum Schutz von Privatsphäre und Persönlichkeitsrechten von Kindern in sozialen Netzwerken. Das betreffe auch den Umgang von Eltern mit Fotos und Videos ihrer Kinder im Internet.
Im Gutachten mit dem Titel „Social Media – Bildung – Integrität“ heißt es weiter, dass neben einer verlässlichen Alterskontrolle auch zeitliche Begrenzungen nötig seien. Plattformen sollten die Nutzung automatisch unterbrechen, wenn Minderjährige zu lange am Stück online sind oder über den Tag hinweg insgesamt zu viel Zeit in sozialen Medien verbringen.
Private Handynutzung an Schulen erst ab Klasse 10
Für Schulen formuliert das Expertengremium eine klare Empfehlung: An weiterführenden Schulen sollten digitale Geräte bis einschließlich Jahrgangsstufe 10 nur für Unterrichtszwecke eingesetzt werden. Schulen hätten eine zentrale Aufgabe dabei, Kindern und Jugendlichen geschützte Lernräume zu bieten, in denen sie den reflektierten Umgang mit sozialen Medien lernen. Dazu gehörten unter anderem Quellenkritik, Datenschutz und Vorbeugung gegen Cybermobbing.
Mediale Integrität solle in allen Altersstufen als festes Bildungsziel verankert und systematisch unterrichtet werden. Gemeint ist damit ein verantwortungsvoller Umgang mit sozialen Medien, auch dann, wenn dadurch vermeintliche Vorteile entfallen oder Nachteile in Kauf genommen werden müssen. Wer integer handelt, achtet darauf, anderen nicht zu schaden, und orientiert sich an allgemeinen ethischen Grundsätzen.
Sorge über hohen Medienkonsum
Der Aktionsrat Bildung wurde 2005 von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) ins Leben gerufen. Deren Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt verwies auf alarmierende Nutzungszahlen: Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 17 Jahren verbringen in Deutschland im Schnitt etwa zweieinhalb Stunden täglich in sozialen Medien, an freien Tagen sogar fast vier Stunden.
Brossardt betonte, junge Menschen dürften mit Risiken wie Cybermobbing und Desinformation in der digitalen Welt nicht allein gelassen werden. Bevor jedoch neue gesetzliche Verbote beschlossen würden, solle zunächst gemeinsam mit den Plattformbetreibern darauf gedrängt werden, bereits bestehende Altersgrenzen konsequent durchzusetzen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion