Umfrage: Viele Menschen in Deutschland stehen digital unter Daueranspannung
Viele Menschen in Deutschland greifen auch ohne akuten Anlass regelmäßig zu Smartphone, Tablet oder Laptop. Das geht aus einer repräsentativen Erhebung der IU Internationalen Hochschule in Erfurt hervor. Demnach schauen 81 Prozent der Befragten mindestens einmal pro Stunde auf ihre Geräte – selbst dann, wenn keine neue Benachrichtigung eingegangen ist.
Besonders ausgeprägt ist dieses Verhalten bei Jüngeren. In der Gruppe der 16- bis 30-Jährigen liegt der Anteil laut Umfrage bei 90,6 Prozent. Fast jeder Zweite in dieser Altersklasse (48,6 Prozent) gab zudem an, offline die Sorge zu haben, etwas zu verpassen. Dieses Phänomen ist auch unter dem Begriff Fomo bekannt, kurz für „fear of missing out“.
Erwartung, schnell zu reagieren
Mehr als die Hälfte aller Befragten (56,2 Prozent) hat den Eindruck, dass von ihrem Umfeld eine schnelle Antwort auf digitale Nachrichten erwartet wird. Unter Berufstätigen sagte zudem knapp ein Drittel (32,9 Prozent), sich auch nach Feierabend zur Erreichbarkeit verpflichtet zu fühlen.
Für die Untersuchung mit dem Titel „Always-on: Digitaler Stress in Deutschland“ wurden 2.000 Menschen zwischen 16 und 65 Jahren befragt. Die Stichprobe war nach Alter und Geschlecht repräsentativ. Die Befragung fand vom 13. bis 19. Januar 2026 statt.
Viele möchten öfter offline sein
Stefanie André, Professorin für Gesundheitsmanagement an der IU, verwies auf den Druck, der durch digitale Kommunikation entsteht. Schon Lesebestätigungen bei Nachrichten könnten Erwartungen auslösen, möglichst rasch zu antworten. Laut André ist dieser Druck im familiären Umfeld besonders stark – vor allem bei Frauen, die in vielen Haushalten weiterhin einen großen Teil der Organisation des Alltags übernehmen.
Zugleich äußerten 56 Prozent der Teilnehmenden den Wunsch, häufiger offline zu sein. Für Timo Kortsch, Professor für Wirtschaftspsychologie an der IU, zeigt das Spannungsfeld zwischen Wunsch und Wirklichkeit vor allem den Einfluss äußerer Faktoren. Dazu zählten soziale Erwartungen, berufliche Anforderungen und die Angst, etwas zu verpassen.
Digitale Unterbrechungen belasten die Konzentration
Die Ergebnisse deuten außerdem darauf hin, dass die ständige digitale Verfügbarkeit die Aufmerksamkeit beeinträchtigt. 37,2 Prozent der Befragten sagten, nach Unterbrechungen durch Nachrichten schnell den Faden zu verlieren. 44,3 Prozent fühlen sich nach eigener Aussage von der Menge digitaler Informationen überfordert.
Als häufigste Maßnahmen gegen digitalen Stress nannten die Teilnehmenden das Abschalten von Push-Mitteilungen (38,4 Prozent), die Nutzung des „Nicht stören“-Modus (29,5 Prozent) sowie bewusste Aktivitäten ohne digitale Geräte, etwa beim Sport (28,7 Prozent).
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion