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Schock in Portugal: Eltern setzen Kleinkinder aus

Allein und weinend irrten zwei Kleinkinder durch Portugal. Was sie der Polizei dann über ihre Eltern erzählten, ist verstörend.

21.05.2026, 01:13 Uhr

Zugriff in Fátima in Zentralportugal

Nach der mutmaßlichen Aussetzung von zwei französischen Kleinkindern in Portugal sind die Mutter und der Stiefvater der Jungen Medienberichten zufolge festgenommen worden. Der staatliche Sender RTP meldete unter Berufung auf die Nationalgarde GNR, dass ein Passant die beiden auf der Terrasse eines Cafés im Wallfahrtsort Fátima in Zentralportugal erkannt und die Polizei verständigt habe.

Beamte der GNR, die in ländlichen Regionen zuständig ist, nahmen demnach die beiden Franzosen – eine 41 Jahre alte Frau und einen 55-jährigen Mann – mit auf eine Wache. Dort werden sie laut RTP vernommen. Auch die Zeitung Correio da Manhã berichtete übereinstimmend. Unklar war zunächst, wann sie einem Haftrichter vorgeführt werden könnten.

Laut GNR stehen beide im Verdacht, Straftaten im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt sowie Aussetzung und Vernachlässigung begangen zu haben. Die Festnahmen stehen demnach im direkten Zusammenhang mit dem Fall der beiden kleinen Kinder, die allein an einer Straße in der Gemeinde Alcácer do Sal gefunden worden waren.

Jungen allein an abgelegener Landstraße entdeckt

Die Brüder im Alter von drei und fünf Jahren waren am Dienstagabend weinend und ohne Begleitung an einer abgelegenen Landstraße nahe Monte Novo do Sul bei Alcácer do Sal entdeckt worden, rund 60 Kilometer südöstlich von Lissabon. Ein Autofahrer bemerkte die beiden am Seitenstreifen der wenig befahrenen Nationalstraße 253 und brachte sie anschließend zur Polizei.

Portugiesische Medien berichteten, dass die Familie erst wenige Tage zuvor gemeinsam nach Portugal eingereist sein soll. Nach Angaben der Zeitung Correio da Manhã verfügt die GNR zudem über Aufnahmen des Fahrzeugs beim Grenzübertritt am 11. Mai. Ein Polizeisprecher sagte der dpa, die veröffentlichten Informationen seien „nicht falsch“, nannte aus Gründen des Kinderschutzes jedoch keine weiteren Einzelheiten.

Kinder berichteten von Zurücklassen im Wald

Die beiden blonden Jungen hatten keine Ausweispapiere bei sich und erklärten, sie kämen aus Frankreich. Gegenüber Beamten der Nationalgarde sagten sie laut Medien, ihre Mutter und ihr Stiefvater hätten ihnen im Wald die Augen verbunden und sie dort allein zurückgelassen. Als sie die Binden abgenommen hätten, seien die Erwachsenen bereits verschwunden gewesen.

Der Autofahrer, der die Kinder fand, schilderte dem Sender SIC Notícias, der ältere Junge habe erzählt, die Erwachsenen hätten das Ganze als Spiel ausgegeben. Demnach sollten die Kinder im Wald nach einem Spielzeug suchen.

Auch der Inhalt der Rucksäcke deutete für den Finder auf ein absichtliches Zurücklassen hin: Darin befanden sich komplette Wechselkleidung, Kekse, Obst und eine Flasche Wasser. Um mit den Jungen sprechen zu können, rief er nach eigenen Angaben eine französische Bekannte zum Übersetzen an.

Ermittlungen in Portugal und Frankreich

Die portugiesische Kriminalpolizei teilte mit, dass sie von der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Aussetzung mit den Ermittlungen beauftragt worden sei. Parallel dazu liefen auch in Frankreich bereits Fahndungsmaßnahmen.

Auslöser dort war eine Vermisstenmeldung des leiblichen Vaters, der das Verschwinden der Mutter und der Kinder aus der gemeinsamen Wohnung im elsässischen Colmar gemeldet hatte. Nach portugiesischen Medienberichten sowie Informationen von CNN Portugal sollen die Kinder zuvor bei ihrem Vater in Frankreich gelebt haben und von der Mutter mitgenommen beziehungsweise entführt worden sein.

Das deckt sich mit Angaben der französischen Zeitung Le Parisien. Demnach wurde bei der Staatsanwaltschaft in Colmar ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Aussetzung Minderjähriger eingeleitet. Staatsanwalt Jean Richert erklärte laut dem Bericht, die Mutter sei „ohne jede Erklärung“ mit den Kindern verschwunden und auch in Frankreich intensiv gesucht worden. Der von ihr getrennt lebende Vater habe sich inzwischen selbst bei der Polizei gemeldet. „Er versteht es genauso wenig wie alle anderen“, wurde der Staatsanwalt zitiert.

Familie laut Berichten vollständig identifiziert

Portugiesischen Medien zufolge war die Familie bereits vollständig identifiziert worden. Demnach soll sie zuletzt in einem Hotel im Raum Alcácer do Sal unweit der Atlantikküste übernachtet haben. Nach Angaben des älteren Jungen sollen alle vier noch am Dienstag, wenige Stunden vor der mutmaßlichen Aussetzung, gemeinsam in der Region zu Mittag gegessen haben.

Laut Le Parisien soll die 41-jährige Mutter in Frankreich außerdem einen 16 Jahre alten Sohn zurückgelassen haben.

Jungen in Obhut, Verfahren laufen weiter

Nach einer medizinischen Untersuchung wurden die beiden Brüder laut Medien in die Obhut der französischen Botschaft in Lissabon übergeben. Der Fall wird von der portugiesischen Kinderschutzkommission CPCJ sowie den französischen Jugendschutzbehörden begleitet.

Derzeit laufen Vorbereitungen, die beiden Jungen Angehörigen in Frankreich zu übergeben. Währenddessen richten sich die Ermittlungen nun gegen die in Fátima aufgegriffene Mutter und den Stiefvater.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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