Der Bundestag will am Donnerstagabend die nächsten Planungsschritte für mehrere große Bahnprojekte ermöglichen. Betroffen sind eine neue Bahnverbindung von Dresden bis an die tschechische Grenze, die Neubaustrecke Augsburg–Ulm sowie der Ausbau der Marschbahn in Schleswig-Holstein zwischen Niebüll und Westerland.
Den Entscheidungen gingen jahrelange Vorarbeiten der Deutschen Bahn voraus. Das Bundesverkehrsministerium hat dem Parlament dazu Berichte mit jeweils bevorzugten Trassenvarianten vorgelegt. Auf dieser Grundlage hat auch der Verkehrsausschuss Empfehlungen für Beschlüsse abgegeben.
Mit der Behandlung im Bundestag ist jedoch noch kein unmittelbarer Baustart verbunden. Zunächst müssen die Projekte weiter ausgearbeitet und genehmigt werden. Bis tatsächlich gebaut wird, können noch viele Jahre vergehen. Hinzu kommt die offene Finanzierungsfrage: Nach Einschätzung des Verkehrsministeriums fehlen in den kommenden Jahren Milliarden für den Ausbau des Schienennetzes.
Aus dem Ministerium hieß es, an einer Lösung für die Finanzierung werde gearbeitet. Die Grünen-Haushälterin Paula Piechotta forderte unterdessen eine umfassende Haushaltslösung für zusätzliche Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur.
Augsburg–Ulm
Die bestehende rund 85 Kilometer lange Bahnverbindung zwischen Augsburg und Ulm ist etwa 170 Jahre alt. Nach Angaben der Bahn-Tochter InfraGO genügt sie den Ansprüchen einer modernen Hochgeschwindigkeitsstrecke nicht mehr; ein Ausbau der alten Trasse gilt demnach als nicht sinnvoll. Daher soll eine neue Strecke entstehen.

Für ICE-Reisende würde sich die Fahrzeit zwischen Augsburg und Ulm von bislang mehr als 40 Minuten auf etwa 26 Minuten verkürzen. Geplant ist, dass die neue Trasse weitgehend entlang der Autobahn 8 zwischen München und Stuttgart verläuft.
Künftig sollen dort Geschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometern möglich sein. Damit sollen auch Vorgaben des geplanten Deutschlandtakts erfüllt werden, der häufigere Verbindungen, bessere Anschlüsse und kürzere Reisezeiten vorsieht. Die Kosten werden auf mindestens 8,2 Milliarden Euro geschätzt.
Dresden–Prag
Die neue Verbindung von Dresden bis zur Grenze nach Tschechien gilt dem Bundesverkehrsministerium als wichtiger Teil eines künftigen internationalen Hochgeschwindigkeitskorridors zwischen Berlin, Prag und Wien. Herzstück des Vorhabens ist ein etwa 30 Kilometer langer Tunnel durch das Erzgebirge.
Durch die neue Strecke soll sich die Reisezeit zwischen Dresden und Prag von derzeit zweieinhalb Stunden auf rund eine Stunde verkürzen. Außerdem soll die bestehende, durch das Elbtal führende Strecke entlastet werden. Davon könnten auch Anwohnerinnen und Anwohner im oberen Elbtal profitieren, da ein Teil des Güterverkehrs auf die Neubaustrecke verlagert werden soll.
Die Gesamtkosten werden auf mindestens 5,6 Milliarden Euro veranschlagt. Nach Angaben von InfraGO ist ein Baubeginn für Dezember 2032 vorgesehen, die Inbetriebnahme für Ende 2044. Wenn der Bundestag grünes Licht gibt, könnte laut Ministerium anschließend ein Staatsvertrag mit Tschechien unterzeichnet werden – vorausgesetzt, die Finanzierung ist gesichert.
Marschbahn
Auch die Bahnstrecke nach Sylt gilt als stark belastet und als Engpass im Netz. Vorgesehen ist deshalb ein zweigleisiger Ausbau auf den Abschnitten Niebüll–Klanxbüll sowie Morsum–Tinnum.
Auf dem Teilstück zwischen Niebüll und Klanxbüll soll die zulässige Höchstgeschwindigkeit von derzeit 100 auf künftig 140 Kilometer pro Stunde steigen. Für das Projekt werden Kosten von mindestens 426 Millionen Euro erwartet. Laut InfraGO könnte im Sommer 2032 mit dem Bau begonnen werden, die Inbetriebnahme ist für Herbst 2039 geplant.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion