Für den Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke in München ist die erste eigens gefertigte Tunnelbohrmaschine fertiggestellt. Nach Angaben der Deutschen Bahn ist die Spezialmaschine rund 178 Meter lang, etwa 700 Tonnen schwer und hat einen Durchmesser von fünf Metern. Nach der Übergabe durch den Hersteller im baden-württembergischen Schwanau wird sie in Einzelteile zerlegt, in die Landeshauptstadt transportiert und dort wieder zusammengesetzt.
Die Anlage wurde gezielt auf die Bedingungen im Münchner Untergrund ausgelegt. Die Tunnel der zweiten Stammstrecke verlaufen in dicht bebautem Stadtgebiet in mehr als 40 Metern Tiefe unter dem Grundwasserspiegel und teils nur knapp unter bereits bestehenden S- und U-Bahn-Strecken.
Bahn vergleicht die Technik mit einem Maulwurf
DB-Projektleiter Kai Kruschinski beschreibt die Maschine als eine Art Maulwurf mit eigenem Betonwerk im Rucksack. Vorn arbeitet sich ein rotierender Bohrkopf durch Erde und Gestein, das Material wird per Förderband nach hinten transportiert. Dort setzt die Maschine vorgefertigte Betonelemente, sogenannte Tübbinge, ein. So entsteht der Tunnel direkt während des Vortriebs – gewissermaßen wie in einer fahrenden Fabrik.
Während die Maschine Ring für Ring die neue Röhre erstellt und sie zugleich gegen eindringendes Wasser abdichtet, stabilisiert sie auch den Boden. Im Bohrkopf wird das Erdreich mit einer Stützflüssigkeit vermischt, um den Druck im Untergrund präzise zu steuern. Dadurch sollen Setzungen an der Oberfläche möglichst gering bleiben – ein entscheidender Punkt beim Tunnelbau unter dicht bebautem Gebiet.
Ab September im Einsatz
Ab September soll die neue Tunnelbohrmaschine in Betrieb gehen. Im Durchschnitt sind rund acht Meter Vortrieb pro Tag vorgesehen. Wie die Maschine heißen wird, sollen die Münchnerinnen und Münchner mitentscheiden: Ab Sommer können Vorschläge eingereicht werden, anschließend ist eine Online-Abstimmung geplant. Weitere Details dazu will die Bahn in Kürze vorstellen.
Eines der größten Infrastrukturprojekte Deutschlands
Die zweite Münchner S-Bahn-Stammstrecke zählt zu den größten Infrastrukturprojekten Deutschlands. Sie soll das Nadelöhr der ersten Stammstrecke entlasten, durch das nahezu alle S-Bahn-Linien unterirdisch das Stadtzentrum queren. Dort sind täglich 850.000 bis knapp eine Million Menschen unterwegs – nach Bahnangaben mehr als bundesweit im gesamten DB-Fernverkehr. Laut DB handelt es sich um die am dichtesten befahrene zweigleisige Eisenbahnstrecke Europas.
Die beiden eingleisigen S-Bahn-Tunnel der neuen Strecke sowie der dazwischenliegende Erkundungs- und Rettungstunnel werden jeweils sieben Kilometer lang. Insgesamt entstehen damit 21 Kilometer Tunnel. Für das Projekt kommen insgesamt sechs Tunnelbohrmaschinen zum Einsatz. Der Vortrieb für den ersten Verkehrstunnel soll voraussichtlich 2028 beginnen – dann mit einer größeren Maschine mit 8,5 Metern Durchmesser.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion