Studie: Schnellere Waldbrände sind meist auch intensiver und zerstörerischer
Je schneller sich Waldbrände ausbreiten, desto heftiger fallen sie in der Regel auch aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie eines Forschungsteams um Jonathan Coop von der Western Colorado University, die im Fachjournal Science Advances erschienen ist. Untersucht wurden große Waldbrände in Kanada, Alaska und im Westen der USA.
Die Forscher kommen zu dem Schluss: Mit wachsender Ausbreitungsgeschwindigkeit steigt nicht nur die Feuerintensität. Auch der Anteil stark verbrannter Flächen nimmt zu, ebenso die Entfernung zu überlebenden Bäumen, die noch Samen für eine natürliche Wiederbewaldung liefern können.
Waldbrände im Wandel
Ausgangspunkt der Untersuchung war die Frage, wie sich Waldbrände in Zeiten extremer Brandsaisons verändern. Dafür wertete das Team Satellitenbilder von 3.499 größeren Feuern aus Kanada und den westlichen USA einschließlich Alaska aus dem Zeitraum von 2012 bis 2023 aus. So ließ sich die täglich verbrannte Fläche mit einer Auflösung von 30 Metern erfassen. Zusätzlich unterschieden die Wissenschaftler zwischen von Nadelbäumen geprägten Wäldern und anderen Waldbeständen.
Insgesamt umfassten die untersuchten Brände 43,2 Millionen Hektar verbrannte Fläche. Davon entfielen 32,1 Millionen Hektar auf nadelbaumdominierte Wälder. Mehr als ein Drittel dieser Flächen brannte mit hoher Intensität.
Die Unterschiede zwischen einzelnen Bränden waren enorm: An einem einzigen Tag verbrannten je nach Ereignis zwischen 25 und 141.257 Hektar. Die geradlinige Ausbreitung reichte von 131 Metern bis 61.878 Metern. Die zehn extremsten Fälle legten innerhalb von 24 Stunden jeweils mehr als 32 Kilometer zurück und zerstörten zusammen rund 547.000 Hektar Nadelwald. Sieben dieser Ereignisse wurden 2023 in Kanada registriert, zwei weitere 2020 im Westen der USA.
Tödliche Kronenfeuer
Besonders schnelle Waldbrände entstehen laut Studie vor allem bei großer Trockenheit und starkem Wind, wenn sich das Feuer über die Baumkronen ausbreitet. Solche Kronenfeuer zerstören die Kronen vollständig und sind für Bäume in den meisten nordamerikanischen Nadelwäldern in der Regel tödlich. Zurück bleiben oft großflächige Areale mit schwersten Brandschäden.
Die Auswertung zeigt mit hoher statistischer Sicherheit: Je schneller ein Feuer voranschreitet, desto größer ist auch der Anteil der stark verbrannten Fläche, auf der kaum noch Bäume überleben. Weil dort zudem die Samen der Bäume mit verbrannt werden, wächst auch die Entfernung zum nächsten samenbildenden Baum.
Folgen für die Regeneration der Wälder
Der Verlust von Samenquellen kann die Entwicklung ganzer Ökosysteme langfristig verändern. Denn nicht alle Baumarten reagieren gleich auf Feuer. Manche Arten sind an die Bedingungen nach einem Brand besser angepasst als andere.
Bei der Küstenkiefer-Unterart Latifolia (Pinus contorta) und der Schwarzfichte (Picea mariana) kann Feuer sogar die Freisetzung von Samen fördern — vorausgesetzt, der gesamte Baum wird nicht zerstört. Auch Laubbaumarten wie die Gambel-Eiche (Quercus gambelii) oder die Amerikanische Zitterpappel (Populus tremuloides), deren Samen sich über größere Distanzen verbreiten, könnten nach Bränden im Vorteil sein.
Relevanz auch für Europa
Nach Einschätzung der Autoren unterstreicht die Studie den wachsenden Bedarf, unerwünschte Folgen großer Feuer wirksam zu begrenzen, verbrannte Landschaften so zu gestalten, dass wichtige Funktionen des Waldökosystems erhalten bleiben, und die sozioökologische Anpassung zu fördern.
Jonathan Coop hält die Ergebnisse grundsätzlich auch für Europa für bedeutsam. Unter zunehmend warmen und trockenen Bedingungen könnten Nadelwälder auch hier verstärkt explosive Waldbrände entwickeln — also Feuer, die sich zugleich schnell ausbreiten und sehr intensiv brennen.
Auch Kirsten Thonicke vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung hält ähnliche Entwicklungen in großen zusammenhängenden Waldgebieten Europas für möglich. Einen wichtigen Unterschied sieht sie jedoch in der besseren Zugänglichkeit vieler Standorte. Dadurch könnten unterstützende Maßnahmen zur Wiederaufforstung, etwa Pflanzungen oder das Abwerfen von Samen aus der Luft, in Europa leichter umgesetzt werden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber