Vom ersten tödlichen Autounfall bis heute
Bridget Driscoll soll am 17. August 1896 in London noch versucht haben, einen herannahenden Wagen mit ihrem aufgespannten Schirm zum Ausweichen zu bewegen. Dennoch wurde die 44-Jährige von Arthur Edsall erfasst, der mit einem Roger-Benz unterwegs war – angeblich nur im Schritttempo. Wenige Minuten später starb sie. Sie gilt seitdem als erste Fußgängerin, die bei einem Autounfall ums Leben kam.
Edsall saß damals erst seit drei Wochen am Steuer; einen Führerschein gab es noch nicht. Während einige Zeugen meinten, er sei zu schnell gefahren, berichtete eine Mitfahrerin, er habe noch „Zurücktreten!“ gerufen. Das Gericht kam schließlich zu dem Schluss, dass es sich um einen Unfalltod handelte, ohne dem Fahrer Fahrlässigkeit anzulasten. In Großbritannien waren zu jener Zeit überhaupt erst sehr wenige benzinbetriebene Autos unterwegs.
Jährlich fast 1,2 Millionen Tote im Straßenverkehr
Weltweit sterben pro Jahr knapp 1,2 Millionen Menschen bei Verkehrsunfällen. Besonders groß ist das Risiko in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Am höchsten war die Quote 2021 in der WHO-Region Afrika mit rund 190 Verkehrstoten je eine Million Einwohner.
Auch in der Europäischen Union bleibt die Zahl hoch: 2025 verloren rund 19.400 Menschen im Straßenverkehr ihr Leben. Die höchsten Werte wurden in Bulgarien, Rumänien und Kroatien registriert – jeweils etwa 70 Tote pro eine Million Einwohner. Deutschland lag etwa bei der Hälfte davon.
Etwa 2.800 Verkehrstote in Deutschland
In Deutschland kamen 2025 mehr als 2.800 Menschen bei Unfällen auf Straßen ums Leben, also durchschnittlich rund acht pro Tag. Knapp die Hälfte der Opfer war mit dem Auto unterwegs. Etwa jeder Fünfte starb auf einem Motorrad oder Mofa, rund 15 Prozent waren zu Fuß unterwegs und etwas mehr als 16 Prozent mit dem Fahrrad.

Innerhalb geschlossener Ortschaften zeigt sich jedoch ein anderes Muster: Dort waren fast zwei Drittel der Getöteten Fußgänger oder Radfahrer. Menschen in Autos machten innerorts nicht einmal ein Fünftel der Todesopfer aus.
Ältere Menschen besonders gefährdet
Das höchste Risiko trugen 2025 Menschen ab 65 Jahren. In dieser Altersgruppe kamen auf eine Million Einwohner knapp 58 Verkehrstote. Bei Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren lag der Wert bei gut sechs – bei Senioren also fast neunmal so hoch. Für 16- und 17-Jährige wurden rund 39 Tote pro eine Million Einwohner ermittelt, bei Erwachsenen zwischen 18 und 64 Jahren etwa 31.
Auffällig ist: Kinder unter 16 und ältere Menschen ähneln sich in einem wichtigen Punkt. In beiden Gruppen war fast jede zweite getötete Person zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. Bei Erwachsenen unter 65 Jahren war das nicht einmal bei jedem Fünften der Fall.
Mehr Sicherheit durch Technik und Regeln
Trotz weiterhin hoher Opferzahlen ist der Straßenverkehr in Deutschland deutlich sicherer geworden. 1999 starben noch fast 7.800 Menschen bei Verkehrsunfällen – also mehr als doppelt so viele wie 2025.
Dazu beigetragen haben robustere Fahrzeuge, Airbags, bessere Straßen und Verkehrsführung, eine schnellere Rettungskette sowie strengere Vorschriften. Beispiele dafür sind Tempolimits auf Landstraßen, die Helmpflicht für Motorradfahrer, die Gurtpflicht und die Promillegrenze von 0,5.
Auch die Verteilung der Opfergruppen hat sich verändert. 1999 waren noch fast 60 Prozent der Getöteten Pkw-Insassen. Fußgänger und Radfahrer zusammen machten damals etwa ein Fünftel aus. 2025 lag ihr Anteil bereits bei rund einem Drittel.
Diskussion um SUVs
Ob SUVs bei tödlichen Unfällen gefährlicher sind als andere Autos, ist wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt. Eine Analyse der Björn Steiger Stiftung kam Ende 2024 für Deutschland zu dem Ergebnis, dass SUVs nicht gefährlicher seien als andere Pkw-Klassen. Ihr Anteil an tödlichen Unfällen liege sogar unter ihrem Anteil am gesamten Fahrzeugbestand.
Andere, vor allem auf US-Daten basierende Studien zeichnen jedoch ein anderes Bild. Demnach steigt mit der Höhe der Fahrzeugfront auch das Risiko, dass Zusammenstöße mit Fußgängern und Radfahrern tödlich enden. Eine Auswertung der New York Times kam zu dem Schluss, dass zwischen 2016 und 2024 rund 3.000 Fußgänger bei Kollisionen mit SUVs oder Pick-ups starben, obwohl sie einen Unfall mit einem herkömmlichen Pkw womöglich überlebt hätten.
Eine britische Studie aus dem Jahr 2025 beziffert das Todesrisiko im Vergleich zu normalen Pkw für Erwachsene auf plus 44 Prozent, für Kinder auf plus 82 Prozent und für Kinder unter zehn Jahren sogar auf plus 130 Prozent.
Als Ursachen werden unter anderem die höhere Aufprallzone am Körper, die größere Gefahr, unter das Fahrzeug zu geraten, sowie eingeschränkte Sichtverhältnisse durch die massive Karosserie genannt. Grundsätzlich gilt allerdings: Entscheidend für die Schwere eines Unfalls ist vor allem die Geschwindigkeit.
Was über E-Autos bekannt ist
Nach einer Untersuchung der Unfallforscher der Versicherer verursachen Elektroautos insgesamt kaum mehr Schäden als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Häufiger kommt es jedoch zu Unfällen mit Fußgängern beim Anfahren, beim Rückwärtsfahren oder beim Abbiegen, vor allem wenn die Sicht schlecht ist. Laut UDV gibt es Hinweise darauf, dass Fußgänger Elektrofahrzeuge selbst trotz der seit 2021 vorgeschriebenen Warngeräusche bei niedrigen Geschwindigkeiten schlechter wahrnehmen.
Verkehrstote gab es schon vor Bridget Driscoll
Driscoll war natürlich nicht das erste Todesopfer im Verkehr überhaupt. Schon lange zuvor wurden Menschen von Pferden niedergerannt, von Kutschen erfasst oder von Zügen getötet. Die irische Naturwissenschaftlerin Mary Ward etwa stürzte am 31. August 1869 aus einem selbstgebauten Fahrzeug und wurde von diesem überrollt. Sie gilt als der erste dokumentierte Mensch, der unter den Rädern eines motorisierten Fahrzeugs starb.
Sowohl nach dem Tod von Ward als auch nach dem von Driscoll wurde vor Gericht die Hoffnung geäußert, ein solcher Fall möge der letzte seiner Art bleiben. Diese Hoffnung erfüllte sich bekanntlich nicht. Nur wenige Wochen nach Driscolls Tod kündigte die Londoner General Accident Co. im November 1896 als eines der ersten Unternehmen überhaupt eine Versicherung für Kraftwagen an.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber