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Darum ist es jetzt brandgefährlich

Deutschland tiefrot: Warum jetzt ein einziger Funke zum Waldbrand-Inferno wird – und weshalb es noch schlimmer kommt

14.08.2026, 13:59 Uhr

Flammen breiten sich derzeit in außergewöhnlichem Tempo in Wäldern aus, vielerorts müssen Menschen ihre Häuser verlassen. Dass die Gefahr für Brände wie aktuell in Nordrhein-Westfalen gerade jetzt besonders groß ist, hat mehrere Ursachen, die ungünstig zusammenwirken.

Warum ist die Lage derzeit so kritisch?

Eine lang anhaltende extreme Trockenheit schafft ideale Bedingungen für Feuer. In vielen Regionen sind Bäume, Büsche und Waldböden stark ausgetrocknet. Kommen dann noch hohe Temperaturen hinzu, entsteht eine Wetterlage, die Brände besonders begünstigt. Weil kaum Verdunstung stattfindet, fehlt zudem ein wichtiger kühlender Effekt.

Allein das Wetter löst allerdings meist noch keinen Waldbrand aus. Häufig ist der Mensch der Auslöser. Schon eine achtlos weggeworfene, noch glimmende Zigarette kann trockenes Gestrüpp entzünden. In der ausgedörrten Vegetation greifen die Flammen dann rasch um sich und breiten sich mit hoher Intensität aus.

Der Deutsche Wetterdienst bewertet die Waldbrandgefahr mit einem Index von eins bis fünf. Die aktuellen Karten zeigen große Teile Deutschlands in den höchsten Warnstufen. Vor allem im Osten des Landes dürfte sich die Lage an dem besonders heißen Samstag noch weiter zuspitzen.

Wie ungewöhnlich ist diese Entwicklung?

Großbrände, die Tausende Menschen zur Flucht zwingen, galten in Deutschland lange eher als Szenarien aus typischen Feuerregionen anderer Länder. Inzwischen verändert sich das Bild. Der Feuermanagement-Experte Lindon Pronto erklärt, Europa stoße zunehmend an seine Grenzen. Man beobachte inzwischen Brandverhalten, das man bisher eher aus Kalifornien kenne. Immer öfter werde die Schwelle überschritten, ab der Feuer nur noch schwer kontrollierbar seien.

Waldbrand im Hürtgenwald
Waldbrände haben in Deutschland über die Jahre hinweg zugenommen. Quelle: Federico Gambarini/dpa

Nach Angaben des Thünen-Instituts für Waldökosysteme nimmt die witterungsbedingte Waldbrandgefahr fast überall in Deutschland zu. Eine Ausnahme bildet demnach Schleswig-Holstein. Besonders ausgeprägt sei das Risiko in Dürrejahren, wie sie seit 2018 häufiger auftreten.

Auch die Bilanz des vergangenen Jahres zeigt die Entwicklung deutlich: Nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung zerstörten 1.175 Waldbrände rund 2.626 Hektar Wald. Das entspricht etwa der Fläche der Insel Norderney. Damit lag die verbrannte Fläche deutlich über dem langjährigen Durchschnitt von 844 Hektar in den Jahren 1991 bis 2024.

Welche Rolle spielt die Klimakrise?

Das Thünen-Institut sieht einen klaren Zusammenhang mit dem Klimawandel. In den vergangenen 30 Jahren sei die Waldbrandgefahr kontinuierlich gestiegen. Höhere Temperaturen und längere Trockenphasen dürften diese Entwicklung weiter verschärfen.

Auch der Freiburger Forstwissenschaftler Jürgen Bauhus verweist auf Zahlen des Deutschen Wetterdienstes: Die Zahl der Tage mit hoher Waldbrandgefahr hat im Mittel deutlich zugenommen. Während es zwischen 1961 und 1990 durchschnittlich sechs solche Tage pro Jahr gab, waren es von 1991 bis 2020 bereits 11,3 Tage. Damit hat sich die Zahl fast verdoppelt. Dieser Trend spiegele sich auch in der großen Zahl von Waldbränden und den zunehmend großen betroffenen Flächen wider, insbesondere in den vergangenen zehn Jahren.

Hinzu kommt ein weiterer Effekt: Waldbrände sind nicht nur eine Folge der Klimakrise, sie verstärken sie auch. Beim Verbrennen von Holz wird CO2 freigesetzt, das zuvor im Wald gebunden war. So tragen die Feuer zusätzlich zur Erderwärmung bei.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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