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Vogelgrippe: Australiens Tierwelt in akuter Gefahr

Australien galt lange als vogelgrippefrei – jetzt trifft H5 schon Delfine und Robben. Droht nun auch Koalas und Teufeln Gefahr?

04.09.2026, 05:00 Uhr

Erst tauchten an Australiens Küsten nur vereinzelt kranke Zugvögel auf, doch inzwischen ist klar: Die Vogelgrippe hat auch den letzten bislang verschonten Kontinent erreicht. Damit ist H5N1 in Australien nicht mehr nur ein Problem für Vögel, sondern zunehmend für die gesamte heimische Tierwelt. Anfang September meldeten die Behörden bereits mehr als 460 bestätigte Infektionen mit dem hochpathogenen Virus.

Betroffen sind auch australische Vogelarten, die nur dort vorkommen, darunter Eilseeschwalben und Silberkopfmöwen. Inzwischen wurde der Erreger zudem erstmals bei Säugetieren nachgewiesen – bei einem Rotfuchs, einem Langnasen-Seebären und einem Gemeinen Delfin. Die Sorge wächst, welche weiteren Arten der einzigartigen Fauna Australiens noch gefährdet sein könnten.

Wie H5N1 nach Australien gelangte

Fachleute warnten seit Jahren davor, dass die Vogelgrippe irgendwann auch Australien erreichen könnte. Jedes Jahr kommen Millionen Zugvögel über den Ozean an die Küsten des Landes, viele von ihnen aus Regionen nahe der Antarktis.

Im Juni wurden dann die ersten Fälle bekannt: In Western Australia war das Virus bei einem Braunen Skua und einem Riesensturmvogel nachweisbar. Zunächst schien es sich um Einzelfälle bei weit gereisten Tieren zu handeln. Doch bald zeigte sich, dass der Erreger nicht nur eingeschleppt wurde, sondern sich auch weiter ausbreitet.

Ein entscheidender Wendepunkt war Anfang August der positive H5N1-Nachweis bei einer Australischen Silberkopfmöwe in Robe im Bundesstaat South Australia. Diese Art ist in Australien weit verbreitet und hält sich nicht nur an Stränden, sondern auch in Städten, auf Müllplätzen und an Binnengewässern auf. Gerade deshalb könnte sie eine wichtige Rolle bei der Verbreitung des Virus in neue Lebensräume spielen.

Australische Silberkopfmöwen - Vogelgrippe in Australien
Seit August wurden vermehrt Infektionen bei Australischen Silberkopfmöwen in verschiedenen Bundesstaaten festgestellt. Quelle: Carola Frentzen/dpa

Ende August folgten dann die ersten Infektionen bei Säugetieren. Zunächst traf es einen Langnasen-Seebären, kurz darauf wurden auch bei einem Fuchs und einem Delfin H5N1-Fälle festgestellt.

Welche Tiere besonders bedroht sind

Nach Einschätzung von Galit Tzipori, leitende Veterinärin des Lone Pine Koala Sanctuary in Brisbane, infizieren sich Tiere meist durch direkten Kontakt mit erkrankten Vögeln. Für Koalas ist das zumindest teilweise beruhigend, weil sie sich fast ausschließlich von Eukalyptusblättern ernähren und deshalb nur selten mit toten oder kranken Vögeln in Berührung kommen.

Größer ist das Risiko dagegen für Fleischfresser und Aasfresser. Tzipori nennt etwa Dingos in Küstenregionen als mögliche betroffene Art, insbesondere auf K’gari, der früher Fraser Island hieß. Dort leben zahlreiche der wilden hundeähnlichen Raubtiere.

Gefährdet sein könnten auch andere Beutelsäuger wie Tasmanische Teufel oder Tüpfelbeutelmarder. Gerade für den Tasmanischen Teufel wäre ein weiterer Krankheitserreger besonders heikel: Die Art hat in den vergangenen Jahrzehnten bereits massiv unter einer ansteckenden Gesichtstumorerkrankung gelitten. Eine zusätzliche Belastung durch H5N1 könnte den Bestand weiter schwächen.

Hunderte Arten auf der Risikoliste

Australische Behörden haben mittlerweile eine umfassende Gefahreneinschätzung erstellt. Darin werden fast 400 heimische Vogel- und Säugetierarten als hoch bis extrem gefährdet eingestuft.

Im schlimmsten Fall könnten fünf Arten vollständig verschwinden. Dazu zählen unter anderem der Weißbauch-Fregattvogel mit Brutgebieten auf der Weihnachtsinsel sowie der Heraldsturmvogel, der in Australien nur noch auf einer kleinen Koralleninsel vorkommt. Unter den Säugetieren gelten zudem verschiedene Delfin-, Wal- und Robbenarten als besonders anfällig.

Impfungen für seltene Arten

Um Zeit zu gewinnen, greifen die Behörden zu Schutzmaßnahmen. In Tasmanien sollen etwa 350 Goldbauchsittiche in Schutz- und Zuchtprogrammen gegen H5N1 geimpft werden. In freier Wildbahn existiert von dieser seltenen Papageienart nur noch ein sehr kleiner Restbestand.

Auch Zwergpinguine werden bereits geimpft, etwa auf Phillip Island nahe Melbourne sowie auf Barunguba in New South Wales. Das ist möglich, weil die flugunfähigen Tiere abends zuverlässig in ihre Kolonien und oft sogar in dieselben Bruthöhlen zurückkehren. Dadurch können Helfer sie nicht nur für die erste, sondern später auch für die notwendige zweite Impfung gezielt wieder einfangen.

Zoos und Schutzparks bereiten sich vor

Auch das Lone Pine Koala Sanctuary hat nach Angaben von Tzipori seit Wochen einen umfassenden Notfall- und Schutzplan in Arbeit. In dem Park leben neben Koalas zahlreiche weitere australische Arten, darunter Vögel und Dingos. Besondere Vorsicht sei überall dort nötig, wo Parktiere mit wilden Wasser- oder Zugvögeln in Kontakt kommen könnten. Dass viele Vögel im Schutzpark in Volieren gehalten werden, senke zumindest einen Teil des Risikos.

Australien sucht außerdem den Austausch mit anderen Ländern und zoologischen Einrichtungen, die bereits Erfahrung mit dem Virus gesammelt haben. Laut Tzipori arbeitet man mit mehreren, teils internationalen Zoos zusammen, um von deren Strategien im Umgang mit H5N1 zu lernen. Diese Erfahrungen könnten entscheidend sein, um Australiens Tierwelt besser zu schützen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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