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Warum junge Männer weiter auf Rauschtrinken setzen

Erschreckende Alkoholzahlen bei jungen Erwachsenen – doch ein überraschender Trend macht plötzlich Hoffnung.

03.09.2026, 10:00 Uhr

Studie: Rauschtrinken bei jungen Männern in Deutschland weiter weit verbreitet

Knapp jeder zweite junge Mann in Deutschland konsumiert zumindest gelegentlich Alkohol in riskanter Menge. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), die in Köln vorgestellt wurde. Demnach lag der Anteil der 18- bis 25-jährigen Männer, die 2025 sogenanntes Rauschtrinken angaben, bei 45,8 Prozent. Zwei Jahre zuvor waren es 46,2 Prozent.

Trotz des leichten Rückgangs bewertet das BIÖG das Niveau weiterhin als hoch. Eine deutlichere Abnahme hatte es lediglich während der Corona-Pandemie gegeben: 2021 war der Wert bei jungen Männern auf 37,8 Prozent gefallen.

Bei jungen Frauen zeigt sich dagegen ein stärkerer Rückgang. Ihr Anteil sank laut Studie von 32,0 Prozent im Jahr 2023 auf 26,1 Prozent im Jahr 2025.

Alkohol birgt besondere Risiken für Heranwachsende

Grundlage der Ergebnisse ist die regelmäßig erhobene Drogenaffinitätsstudie. Dafür wurden von April bis Juli 2025 insgesamt 7.001 Menschen zwischen 12 und 25 Jahren befragt. Als Rauschtrinken gilt in der Untersuchung, wenn jemand innerhalb der 30 Tage vor der Befragung bei einer Gelegenheit mindestens fünf Gläser Alkohol konsumiert hat.

Unter männlichen Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren lag der Anteil der Rauschtrinker 2025 bei 14,8 Prozent.

Der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck, warnte vor den Folgen: Alkohol treffe junge Menschen in einer Lebensphase, in der Gehirn und Körper noch nicht vollständig entwickelt seien. Gerade exzessiver Konsum könne diese Prozesse beeinträchtigen.

Hendrik Streeck
Beim Thema Alkoholkonsum gibt es laut Streeck ermutigende Signale, aber noch keinen Grund zur Entwarnung. Quelle: Soeren Stache/dpa

Regelmäßiges Trinken so unattraktiv wie noch nie

Zugleich verliert regelmäßiger Alkoholkonsum bei jungen Erwachsenen weiter an Bedeutung. Nur noch 34,7 Prozent der jungen Männer und 14,3 Prozent der jungen Frauen erklärten, in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal pro Woche Alkohol getrunken zu haben. Nach Angaben des BIÖG ist das der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1973.

Auch bei den 12- bis 17-Jährigen liegen die Werte vergleichsweise niedrig: 9,2 Prozent der Jungen und 4,1 Prozent der Mädchen gaben an, mindestens einmal wöchentlich Alkohol zu trinken.

Erster Alkoholkonsum später als früher

Im Durchschnitt kamen Jugendliche mit 15 Jahren erstmals mit Alkohol in Kontakt. Den ersten Rausch erlebten sie demnach im Schnitt mit 16 Jahren. Insgesamt hatten 60,7 Prozent der Jungen und 57,0 Prozent der Mädchen nach eigener Aussage überhaupt schon einmal Alkohol getrunken. Vor 20 Jahren lag dieser Anteil bei beiden Geschlechtern noch bei rund 75 Prozent.

Streeck sieht darin zwar positive Entwicklungen, mahnt aber zur Vorsicht. Junge Menschen tränken heute seltener, begännen später mit Alkohol und konsumierten ihn regelmäßiger auf historisch niedrigem Niveau. Dennoch sei es falsch, daraus Entwarnung abzuleiten.

Die geplante Abschaffung des sogenannten begleiteten Trinkens ab 14 Jahren bezeichnete der CDU-Politiker als überfälligen Schritt. Gerade dort, wo gesundheitliche Risiken besonders hoch seien, müsse der Jugendschutz eindeutig greifen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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