Nach acht Jahren Reise durch das innere Sonnensystem hat die Merkur-Mission Bepicolombo einen entscheidenden Schritt geschafft: Das Antriebsmodul wurde planmäßig abgetrennt. Damit befindet sich die Sonde nach Angaben aus dem Kontrollzentrum der Europäischen Weltraumorganisation Esa in Darmstadt auf der letzten Etappe zu ihrem Ziel. Das Manöver, das im Vorfeld als besonders heikel und riskant galt, ist nach Milliarden geflogener Kilometer erfolgreich abgeschlossen worden. Die beiden an Bord befindlichen Orbiter steuern nun ihre vorgesehenen Bahnen an.
Merkur bleibt ein Rätsel unter den inneren Planeten
Die gemeinsame Mission von Esa und der japanischen Raumfahrtagentur Jaxa, die rund 1,7 Milliarden Euro kostet, soll neue Erkenntnisse über Merkur liefern. Nach Einschätzung der Esa ist er der am schlechtesten untersuchte Planet im inneren Sonnensystem. Projektwissenschaftler Geraint Jones betonte vor dem Manöver, dass noch viele Fragen offen seien.
Die beiden Raumsonden sollen unter anderem das Magnetfeld des Planeten messen, seine Oberfläche kartieren und genauer untersuchen sowie Erkenntnisse über den Kern und die dünne Gashülle gewinnen. Zudem erhoffen sich die Forschenden neue Hinweise darauf, wie die Planeten des Sonnensystems entstanden sind.
Verzögerung erschwert Eingriffe
Die Trennung vom nun überflüssigen Antriebsmodul galt als besonders kritisch, weil sie nur einmal durchgeführt werden konnte. Nur wenn dieser Schritt exakt gelingt, können die beiden Orbiter später ihre unterschiedlichen Umlaufbahnen um Merkur erreichen. Ignacio Tanco, bei der Esa für den Missionsbetrieb im inneren Sonnensystem zuständig, sagte, das Team habe in den vergangenen Monaten verschiedene mögliche Abläufe intensiv geübt.
Eine zusätzliche Schwierigkeit ist die große Entfernung zur Erde: Funksignale benötigen von der Sonde bis zur Erde mehr als elf Minuten – und ebenso lange zurück. Sofortige Korrekturen sind daher nicht möglich.
Nach der Abtrennung bewegt sich Bepicolombo nach Angaben der Technischen Universität Braunschweig nun im freien Flug auf Merkur zu. Dabei stellen vor allem die starke Sonnengravitation und die extrem hohen Temperaturen eine Herausforderung dar.
So geht es weiter
Als Nächstes sollen sich die beiden Orbiter in der Nacht vom 9. auf den 10. Dezember voneinander trennen. Anschließend ist vorgesehen, dass sie im Dezember beziehungsweise im März in ihre jeweiligen Umlaufbahnen einschwenken. Der Start des wissenschaftlichen Programms ist für April geplant.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber