Schafswolle als Schutz für Gletscher: Versuch zeigt ähnliche Wirkung wie Kunststoffplanen
Die Gletscher in den Alpen verlieren in hohem Tempo an Eis. Um das Abschmelzen zumindest lokal zu bremsen, werden an einigen Orten Schutzabdeckungen eingesetzt. Ein neuer Test mit Beteiligung der Universität Lausanne deutet nun darauf hin, dass Decken aus Schafswolle ähnlich wirksam sein könnten wie herkömmliche synthetische Planen.
Die Umweltorganisation Summit Foundation startete im Juni auf einem Gletscher bei Les Diablerets in der Westschweiz das Projekt „Keep it Wool“. Dabei wurden mehrere Flächen von jeweils 100 Quadratmetern mit Schafswolldecken bedeckt. Zum Vergleich wurde ein ebenso großes Areal mit Geotextilien aus Kunstfasern abgedeckt.
Nach ersten Auswertungen fiel die Schmelze unter den Wolldecken ähnlich stark geringer aus wie unter den synthetischen Materialien. Laut der Organisation ließ sich der Eisverlust in beiden Fällen um 50 bis 70 Prozent verringern.
Ein Vorteil der Wolle sei, dass keine künstlichen Fasern in den Wasserkreislauf gelangen könnten. Zudem handle es sich um einen natürlichen, nachwachsenden und biologisch abbaubaren Rohstoff, der bislang häufig nicht weiter genutzt werde.
Nur begrenzter Effekt auf den Gesamtzustand der Gletscher
Trotz solcher Schutzmaßnahmen lässt sich der Rückgang der Gletscher insgesamt kaum stoppen. Der Einsatz von Abdeckungen gilt als teuer und arbeitsintensiv. Nach Angaben der Stiftung sind in der Schweiz derzeit nur etwa 0,02 Prozent der gesamten Gletscherfläche mit Textilien geschützt.
Damit könnten pro Jahr rund 300.000 Kubikmeter Schnee erhalten werden. Verglichen mit dem jährlichen Gesamtverlust von fast einer Milliarde Kubikmetern sei das jedoch nur ein sehr kleiner Beitrag.
Zwischen 2000 und 2024 haben die Schweizer Gletscher nahezu 40 Prozent ihres Volumens eingebüßt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber