Shamonda-Virus bei Nutztieren: Das ist derzeit bekannt
Fieber, Durchfall und ein spürbarer Rückgang der Milchleistung bei Rindern, Schafen oder Ziegen können auf eine Infektion mit dem Shamonda-Virus (SHAV) hindeuten. Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) sowie des Bayerischen Bauernverbands (BBV) breitet sich eine neu eingeschleppte europäische Variante des Erregers inzwischen auch in Bayern aus.
Übertragung des Virus
Das Shamonda-Virus wird nach Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) durch Stechmücken, genauer gesagt Gnitzen, übertragen. Seit Juli wurden Fälle vor allem in Süddeutschland, der Schweiz und Frankreich festgestellt.
Die Ansteckung hängt vor allem von der Flugzeit dieser Insekten ab und tritt daher saisonal auf. Eine direkte Übertragung von Tier zu Tier ist bislang nicht nachgewiesen. Eine Ausnahme bildet die Übertragung von Muttertieren auf ihre Nachkommen.
SHAV ist eng mit dem meldepflichtigen Schmallenberg-Virus verwandt, das in Deutschland seit rund 15 Jahren bei Rindern, Schafen und Ziegen vorkommt und ähnliche Krankheitszeichen verursacht.
Welche Tiere betroffen sind
In Bayern wurden bislang vor allem Milchviehbetriebe mit Rindern betroffen gemeldet. Laut FLI gab es zuletzt außerdem weitere Nachweise bei Rindern in Baden-Württemberg, Hessen, Sachsen und im Saarland.
Zusätzlich wurde das Virus bei einem Pferd in Rheinland-Pfalz und bei einem Alpaka in Hessen nachgewiesen. Auch in Proben von Schafen und Ziegen aus Baden-Württemberg wurde SHAV festgestellt.
Risiko für Menschen
Nach aktuellem Wissensstand besteht für Menschen kein relevantes Infektionsrisiko.
Mögliche Folgen einer Infektion
Bei Milchkühen zeigen sich nach Angaben des Bauernverbands vor allem Fieber, Durchfall und eine verringerte Milchleistung. In vielen Fällen erholen sich die Tiere nach einigen Tagen wieder. Trotzdem sorgt das Virus in der Landwirtschaft für erhebliche Verunsicherung, weil noch nicht alle Folgen abschließend bekannt sind.
Besonders problematisch kann eine Infektion bei trächtigen Tieren werden. Es besteht die Möglichkeit von Fehlgeburten oder Missbildungen bei Kälbern. Das LGL hält solche Schäden am Fötus wegen der engen Verwandtschaft zum Schmallenberg-Virus für wahrscheinlich. Dabei kann es unter anderem zum sogenannten Arthrogrypose-Hydranencephalie-Syndrom kommen.
Bei dem in Rheinland-Pfalz betroffenen Pferd traten laut FLI vor dem Tod neurologische Störungen auf.
Für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet die Erkrankung zudem wirtschaftliche Einbußen, vor allem durch den Rückgang der Milchmenge. Für Verbraucherinnen und Verbraucher besteht nach Angaben des Bauernverbands jedoch keine gesundheitliche Gefahr durch Milch oder Fleisch infizierter Tiere.
Behandlung und Schutz
Einen Impfstoff gegen das Shamonda-Virus gibt es bislang nicht. Nach Angaben des LGL bleibt deshalb vor allem, das Infektionsrisiko so weit wie möglich zu senken.
Treten bei Tieren akute Symptome wie Fieber, Durchfall oder ein Rückgang der Milchleistung auf, sollte ein Tierarzt Proben entnehmen und an das LGL weiterleiten. Auch Fehlgeburten, Totgeburten sowie missgebildete Kälber oder Lämmer sollten auf das Virus untersucht werden.
Lage in Bayern
Mittlerweile gibt es Virusnachweise aus allen bayerischen Regierungsbezirken. Nach Angaben des LGL werden derzeit im Süden des Freistaats mehr Fälle registriert als im Norden.
Der Bauernverband geht aufgrund von Rückmeldungen aus der Praxis davon aus, dass zahlreiche Rinderhaltungen betroffen sind. Insgesamt wird die Entwicklung in Deutschland als sehr dynamisch eingeschätzt, die Ausbreitung des Virus gilt als schwer einzudämmen.
Zahl der Nachweise
Seit Anfang August wurde das Virusgenom im Rahmen eines Monitoring-Programms in Bayern in mehr als 1000 Proben nachgewiesen. Bei Tieren mit Symptomen erfolgt der Erregernachweis über Blutproben. Nach Fehl- oder Totgeburten werden dafür auch Organproben untersucht, insbesondere aus Gehirn und Milz.
So läuft das Monitoring
Infektionen mit dem Shamonda-Virus sind nicht meldepflichtig. Um eine Ausbreitung dennoch möglichst früh zu erkennen, wurde in Bayern ein passives Monitoring eingerichtet. Dabei werden gezielt Tiere getestet, die bereits Krankheitsanzeichen zeigen. Die Untersuchungen übernimmt das LGL.
Im Unterschied dazu werden beim aktiven Monitoring Stichproben aus unauffälligen Tierbeständen genommen und auf mögliche Erreger untersucht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber