Ig-Nobelpreis in Zürich: Warum Babys besser riechen als Teenager
Riechen Eltern den Duft ihrer Babys lieber als den von Jugendlichen? Mit dieser Frage hat sich ein Forschungsteam mit deutscher Beteiligung beschäftigt – und wurde dafür nun in Zürich mit einem Ig-Nobelpreis ausgezeichnet.
Die Auszeichnung ehrt wissenschaftliche Arbeiten, die zunächst amüsieren und anschließend zum Nachdenken anregen sollen. "Forschung darf auch Spaß machen", sagte die Jenaer Wissenschaftlerin Ilona Croy der dpa. Sie freue sich, dass ungewöhnliche Wissenschaft auf diese Weise gewürdigt werde.
Neben der Geruchsstudie wurden auch andere skurrile Projekte geehrt: etwa die Idee, Mückenrüssel als Düsen für den 3D-Druck zu nutzen. Ausgezeichnet wurde außerdem eine Untersuchung, nach der wohlhabendere Menschen häufiger die Süßigkeiten ihrer Kinder naschen als Menschen mit geringerem Einkommen. Ebenfalls Anerkennung fand die Entwicklung eines Urinals, das Spritzer verhindert.
Preisverleihung erstmals nicht in den USA
Auch diesmal setzte die Verleihung auf Humor. Die Trophäe erinnerte an einen Pilz, der aus einem Fuß wächst, montiert auf einem Keil, der wie Blauschimmelkäse aussah.
Weniger lustig ist der Grund für den Ortswechsel: Erstmals seit 1991 fand die Zeremonie nicht in den USA, sondern in Europa statt. Als Ursache nannten die Organisatoren die politische Lage in den Vereinigten Staaten, darunter eine strenge Visapolitik und harte Einsätze der Einwanderungsbehörden.
Marc Abrahams, Herausgeber der satirischen Wissenschaftszeitschrift Annals of Improbable Research, die die Preise vergibt, erklärte, Reisen in die USA könnten für Gäste womöglich nicht mehr sicher sein. Für 2027 ist die nächste Preisverleihung in Antwerpen geplant.

Der Name "Ig-Nobelpreis" ist ein Wortspiel mit dem Nobelpreis. Das englische Wort ignoble bedeutet so viel wie "unehrenhaft" oder "nieder".
Babys lösen Fürsorge aus
Zur prämierten Studie sagt Croy: Je älter Kinder werden, desto weniger angenehm werde ihr Geruch wahrgenommen. Niemand laufe Teenagern hinterher, um ihnen wegen ihres Duftes einen Kuss auf den Kopf zu geben. Mit mangelnder Hygiene habe das allerdings nichts zu tun, betont sie.
Die Forscherinnen und Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass Babygeruch im Gehirn Netzwerke aktiviert, die mit Fürsorge verbunden sind. Laut Croy entsteht elterliches Kümmern also nicht nur durch große Augen oder typische Babylaute, sondern auch durch den Geruch. Dieser könne ebenfalls einen starken Pflege- und Schutzreflex auslösen.
Für die Untersuchung rochen Erwachsene an Duftproben von Babys und Jugendlichen, während zugleich ihre Gehirnaktivität gemessen wurde.
Die Proben stammten von Baumwollstoffen, die Babys und ältere Kinder nachts getragen hatten. Zuvor waren sie mit neutraler Seife gewaschen worden und hatten in duftfreier Bettwäsche geschlafen. Eltern bewerteten den Geruch von Babys insgesamt als angenehm und erkannten auffallend häufig sogar den Duft ihres eigenen Kindes aus mehreren Proben heraus. Die Gerüche von Teenagern schnitten dagegen deutlich schlechter ab. Croy führt das auf die hormonellen Veränderungen in der Pubertät zurück.
An der Studie beteiligt waren neben Ilona Croy auch der Dresdner Geruchsforscher Thomas Hummel sowie Agnieszka Sorokowska und Tomasz Frackowiak aus Polen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber