WMO warnt vor kräftigem El Niño bis Jahresende
Nach Einschätzung von Fachleuten muss sich die Welt in den kommenden Monaten auf regional besonders starke Hitzewellen, Dürren und Überschwemmungen einstellen. Die Weltwetterorganisation (WMO) rechnet bis zum Jahresende mit einem außergewöhnlich intensiven El-Niño-Ereignis. Bereits jetzt seien die Temperaturen im tropischen Pazifik, der das globale Wettergeschehen maßgeblich beeinflusst, ungewöhnlich hoch.
UN-Generalsekretär António Guterres erklärte, der El Niño entwickle sich vor aller Augen zu einem Phänomen von enormem Ausmaß. Die Welt bewege sich damit in einen Bereich erhöhter Gefahr für extremes Wetter. Die WMO selbst verwendet den Begriff „Super-El-Niño“, den manche Experten nutzen, jedoch nicht.
Für ihre Prognosen stützt sich die Organisation auf Berechnungen mehrerer Wetterdienste weltweit. El Niño tritt natürlicherweise in Abständen von zwei bis sieben Jahren auf. Er ist keine direkte Folge des Klimawandels, kann dessen Auswirkungen aber zusätzlich verstärken.
Außergewöhnliche Wärme im Pazifik
Ein El Niño beginnt mit steigenden Meeresoberflächentemperaturen im zentralen und östlichen äquatorialen Pazifik. Laut WMO liegen diese dort bereits etwa 2,2 bis 2,6 Grad über dem langjährigen Mittel. Unter der Wasseroberfläche wurden im Juli und Anfang August stellenweise sogar Abweichungen von mehr als 8 Grad gemessen.
Durch die Erwärmung steigt in der Region warme, feuchte Luft auf. Das verändert Wind- und Luftströmungen auf der ganzen Welt. Häufig führt das in Australien, Indonesien und im südlichen Afrika zu Trockenheit und Dürre. Dagegen kommt es an der Westküste Südamerikas, in Ostafrika und im Süden der USA oft zu starken Niederschlägen. Europa bleibt von den Auswirkungen meist vergleichsweise wenig betroffen.
Über Land drohen weiter hohe Temperaturen
Nach El-Niño-Jahren fällt die globale Durchschnittstemperatur oft besonders hoch aus. So folgte auf ein El-Niño-Ereignis das Jahr 2024, das bislang mit rund 1,6 Grad über dem vorindustriellen Niveau als das heißeste gilt.
Auch die bisherigen Monate des Jahres 2026 waren überwiegend wärmer als üblich. Nach Angaben des EU-Klimadienstes Copernicus war der Juli in Westeuropa der zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen; nur 2006 war noch heißer. Die durchschnittliche Temperatur lag bei 22,48 Grad und damit rund 2,5 Grad über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020.
Für den Zeitraum von September bis November erwartet die WMO auf nahezu allen Landflächen der Erde Temperaturen über dem langjährigen Durchschnitt. Zusätzlich könnten überdurchschnittlich warme Oberflächengewässer im nördlichen und südlichen tropischen Atlantik die Auswirkungen des El Niño in einzelnen Regionen noch verändern.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber