Studie zu problematischer Internetnutzung: Versuchung ist ein Schlüsselfaktor
Online-Shopping, Gaming und soziale Medien gehören für viele zum Alltag. Eine Untersuchung mit rund 900 Erwachsenen zeigt nun, welcher Faktor besonders wichtig dafür sein kann, ob daraus ein problematisches Nutzungsverhalten entsteht: vor allem die Versuchung, online zu gehen.
Das Forschungsteam der Universität Duisburg-Essen berichtet, dass viele Menschen das Internet nutzen, um Stress abzubauen oder negative Gefühle zu verdrängen. Kritisch wird es jedoch dann, wenn digitale Angebote so viel Raum einnehmen, dass der Alltag merklich leidet. In schweren Fällen könne die Nutzung sogar suchtähnliche Züge annehmen. Die Studie wurde im Fachjournal Plos One veröffentlicht.
So lief die Untersuchung ab
Über einen Zeitraum von drei Jahren befragten die Forschenden zunächst mehr als 1.200 Erwachsene zu ihrem Umgang mit dem Internet. Etwa 900 Personen wurden anschließend genauer untersucht. Sie wurden je nach Verhalten in Gruppen mit unauffälliger, riskanter oder pathologischer Internetnutzung eingeteilt.
In einer zweiwöchigen Intensivphase machten die Teilnehmenden jeden Abend Angaben zu ihrer Stimmung, ihrem Stresslevel und dazu, wie stark der Drang war, online zu gehen. Außerdem wurde erfasst, wie lange sie das Internet nutzten, ob sie dabei Freude oder Erleichterung empfanden und ob darunter andere Aktivitäten litten.
Nicht Stress allein führt zum riskanten Konsum
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Menschen mit problematischer Internetnutzung zwar häufiger unter Stress und schlechter Stimmung leiden. Entscheidend dafür, ob sie dann tatsächlich online gehen, ist laut Studie aber vor allem die empfundene Versuchung.
Studienleiterin Silke Müller erklärte, mit „Versuchung“ sei der subjektive Drang gemeint, einer bestimmten Online-Aktivität wie Gaming oder Shopping nachzugehen, obwohl man ihr eigentlich widerstehen möchte.
Kurzfristige Entlastung, langfristige Probleme
Nach Einschätzung der Forschenden verbindet genau diese Versuchung Stress und Stimmung mit problematischer Internetnutzung. Sie entscheidet darüber, ob Menschen digitale Angebote nutzen, dabei kurzfristig Erleichterung oder Freude erleben, gleichzeitig aber andere Lebensbereiche vernachlässigen.
Solche Zusammenhänge im Alltag seien bislang nur selten so genau untersucht worden. Aus Sicht der Universität kann das helfen, bessere Präventions- und Behandlungsansätze zu entwickeln. Erfolgversprechend könnte es demnach sein, Betroffene gezielt darin zu unterstützen, Momente der Versuchung zu erkennen und besser damit umzugehen — statt nur Stress oder schlechte Stimmung in den Blick zu nehmen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber