Wirtschaft

EU zündet KI-Offensive: sieben Gigafactories

10 Milliarden im Topf: Wer schnappt sich Europas KI-Gigafactories? Telekom, Schwarz Digits & Co. liefern sich ein Mega-Duell.

30.07.2026, 11:45 Uhr

EU startet Ausschreibung für bis zu sieben KI-Gigafabriken

Die Europäische Kommission hat das Vergabeverfahren für den Aufbau von bis zu sieben sogenannten AI-Gigafactories offiziell eröffnet. Das Projekt ist Teil der europäischen Strategie zum Ausbau der KI-Infrastruktur und soll Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Start-ups, dem Mittelstand, der Industrie und Behörden besseren Zugang zu Hochleistungsrechenkapazitäten verschaffen.

Für das Vorhaben stehen bis zu zehn Milliarden Euro aus öffentlichen Mitteln der EU und der beteiligten Mitgliedstaaten bereit. Mit dieser Anschubfinanzierung sollen zusätzlich mindestens 20 Milliarden Euro aus der Privatwirtschaft mobilisiert werden. Insgesamt könnte das Programm damit ein Volumen von mehr als 30 Milliarden Euro erreichen.

Europäische Antwort auf AWS, Microsoft und Google

Mit den geplanten KI-Gigafabriken will die EU ihre Position im internationalen KI-Wettbewerb stärken und eine eigenständige europäische Infrastruktur für besonders leistungsfähige KI-Modelle schaffen. Ziel ist es, die Abhängigkeit von US-Hyperscalern wie Amazon Web Services, Microsoft und Google zu verringern und digitale Souveränität sowie mehr Kontrolle über sensible Daten zu gewinnen.

Die neuen Rechenzentren sollen moderne KI-Chips, Cloud-Plattformen, schnelle Datennetze und energieeffiziente Technik in einer leistungsfähigen Infrastruktur vereinen. Vorgesehen sind enorm skalierbare Kapazitäten für das Training und das Fine-Tuning von Algorithmen.

EU-Tech-Kommissarin Henna Virkkunen sprach von einem „Meilenstein“. Der Zugang zu Rechenleistung im Gigawatt-Maßstab sei für Europa eine strategische Notwendigkeit, während sich die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz weiter beschleunige.

Zwei Förderklassen für die Vergabe

Abgewickelt wird das Verfahren über die europäische Supercomputing-Initiative EuroHPC Joint Undertaking (EuroHPC JU). Die Ausschreibung ist in zwei Leistungsklassen unterteilt.

In der ersten Förderklasse können bis zu vier Projekte unterstützt werden. In einer ersten Phase sind jeweils bis zu 100 Millionen Euro an EU-Mitteln vorgesehen, in einer zweiten Phase weitere bis zu 400 Millionen Euro. Voraussetzung ist, dass die ausgewählten Standorte später mindestens die dreifache Prozessorkapazität der derzeit leistungsstärksten europäischen KI-Fabrik bereitstellen.

Die zweite Förderklasse richtet sich an bis zu drei noch größere Vorhaben. Dort sind pro Projekt zunächst bis zu 200 Millionen Euro EU-Förderung und in Phase zwei bis zu 800 Millionen Euro möglich. Diese Standorte müssen in der zweiten Phase die vierfache Rechenkapazität der aktuellen Top-Einrichtung in Europa erreichen.

Deutsche Unternehmen bewerben sich getrennt

Auch Deutschland will sich einen spürbaren Anteil an den Fördergeldern sichern. Ein zunächst diskutierter gemeinsamer Vorstoß großer deutscher Technologiekonzerne in Form einer Art „Deutschland AG“ kam jedoch nicht zustande. Unter anderem hielten sich SAP und Siemens bei ihren Interessensbekundungen zurück.

Stattdessen treten nun mehrere Unternehmen aus Deutschland separat an und konkurrieren damit auch untereinander. Zu den Bewerbern zählen die Deutsche Telekom, Schwarz Digits als IT- und Digitalsparte der Schwarz-Gruppe, der Cloud-Anbieter Ionos gemeinsam mit Hochtief sowie kleinere und regionale Akteure wie Impossible Cloud aus Hamburg oder Blue Swan aus Bayern.

Mitgliedstaaten, Modelle und Zeitplan

Insgesamt haben 18 EU-Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Schweden, eine gemeinsame Beschaffung mit EuroHPC JU vereinbart. Die beteiligten Länder verpflichten sich, die EU-Fördergelder mit nationalen Mitteln zu ergänzen.

Bewerben können sich Konsortien oder Zweckgesellschaften, in denen private Unternehmen, öffentliche Stellen und Investoren zusammenarbeiten. Die Gigafactories können entweder an einem einzelnen Standort oder als verteiltes, grenzüberschreitendes Netzwerk aufgebaut werden.

Die Frist für die Einreichung von Angeboten endet am 12. November 2026. Über die Vergabe soll Anfang 2027 entschieden werden, damit die Bauarbeiten noch im selben Jahr starten können.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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