Schlafen ohne Pyjama: Was bringt es wirklich?
Wenn die Nächte tropisch werden, verzichten viele auf Schlafkleidung. Laut einer repräsentativen YouGov-Umfrage aus dem Jahr 2022 im Auftrag der dpa schläft etwa jede siebte erwachsene Person in Deutschland gern nackt. Dabei tun das Männer häufiger als Frauen, zudem ist es im Osten des Landes verbreiteter als im Westen. Doch wie sinnvoll ist das Schlafen ohne Kleidung tatsächlich? Ein Schlafforscher und eine Dermatologin ordnen verbreitete Annahmen ein.
Hilft Nacktschlafen beim Einschlafen?
Nicht automatisch, sagt Hans-Günter Weeß von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. Gerade in heißen Sommernächten sei es zwar naheliegend, auf Kleidung zu verzichten. Ausschlaggebend sei aber vor allem das persönliche Wohlbefinden. Wer sich entspannt und angenehm fühlt, habe die besten Voraussetzungen für guten Schlaf.
Entsteht dadurch weniger Körpergeruch?
Nach Einschätzung der Dermatologin Petra Ziegler stimmt das grundsätzlich. Schweiß selbst rieche zunächst nicht. Erst wenn er in Kleidung hängen bleibt, finden Bakterien günstige Bedingungen, um Bestandteile auf der Haut zu zersetzen. Dabei entsteht der typische Körpergeruch.
Nachts verliert der Mensch laut Ziegler im Schnitt etwa drei Viertelliter Schweiß. Ganz unerheblich sei der eigene Geruch allerdings nicht: Ein Teil davon sei biologisch geprägt und könne auch bei zwischenmenschlicher Anziehung eine Rolle spielen.
Verbrennt man nackt in kühler Umgebung mehr Kalorien?
Weeß sieht den größeren Einfluss eher in der Schlafdauer als in der Kleidung. Wer regelmäßig zu wenig schläft, verbrauche weniger Energie. Ausreichend langer Schlaf könne den Stoffwechsel eher unterstützen, unter anderem wegen des Sättigungshormons Leptin, das im Schlaf ausgeschüttet wird.

Zwar sei es nachvollziehbar, dass der Körper in kühler Umgebung mehr Energie benötigt, um seine Temperatur zu halten. Gleichzeitig bedeute zu viel Kälte jedoch Stress für den Organismus – und das könne die Schlafqualität verschlechtern.
Ist enge Nachtwäsche problematisch?
Ja, sagt Ziegler. Wer nachts nicht nackt schlafen möchte, sollte möglichst keine eng anliegenden Unterhosen aus synthetischen Stoffen tragen. Der Intimbereich brauche Luft. Andernfalls könnten sich Hefepilze wie Candida albicans leichter vermehren, was unter anderem Vaginalinfektionen begünstigen kann.
Auch für Männer könne enge Unterwäsche ungünstig sein: Studien zeigten, dass sie mit einer geringeren Spermienproduktion zusammenhängen kann. Der Grund: Spermien bevorzugen kühlere Bedingungen.
Kann Nacktschlafen das Wohlbefinden steigern?
Durchaus, meint Ziegler. Die Haut ist mit bis zu zwei Quadratmetern das größte Sinnesorgan des Menschen. Ohne Kleidung zu schlafen könne deshalb als besonders angenehm und sinnlich empfunden werden. Kommt es dabei zu Hautkontakt mit dem Partner oder der Partnerin, werde verstärkt Oxytocin ausgeschüttet – ein Hormon, das Nähe und Bindung fördern kann. Zusätzlich setzt der Körper mehr Endorphine frei.
Erkältet man sich leichter ohne Kleidung?
Ganz ausgeschlossen sei das nicht, sagt Weeß. Gerade in heißen Nächten laufen oft Ventilatoren oder Klimaanlagen, oder es entsteht Durchzug durch geöffnete Fenster. Dann könne es nicht nur unangenehm kühl werden, sondern auch zu muskulären Verspannungen kommen.
Was ist mit Schweiß in Hautfalten?
Bakterien gehören laut Ziegler ganz natürlich zur Hautflora. Problematisch werde es erst, wenn sich bestimmte Keime oder Pilze zu stark vermehren. In Bereichen wie Achseln oder Leisten, wo sich Feuchtigkeit staut, könne das leichter passieren. Hilfreich könne in solchen Fällen eine Zinkpaste sein, da sie Feuchtigkeit etwas reduziert und entzündungshemmend wirkt.
Muss man bei Nacktschlafen stärker auf Hygiene achten?
Ja. Da der Schweiß nicht von Kleidung aufgenommen wird, landet er direkt auf Laken und Bettwäsche. Deshalb sollte das Bettzeug aus hygienischen Gründen häufiger gewechselt werden – etwa einmal pro Woche. Sonst können Gerüche entstehen.
Menschen mit einer Hausstaubmilbenallergie empfiehlt Ziegler beim Nacktschlafen einen dichten Matratzenbezug, ein sogenanntes Encasing. Wer an Neurodermitis leidet oder offene Wunden hat, sollte dagegen besser Schlafkleidung tragen. Für warme Nächte seien Naturmaterialien wie Seide oder sehr feine Baumwolle besonders geeignet.
Fazit
Ob mit oder ohne Pyjama: Entscheidend ist, dass man sich nachts wohlfühlt. Nacktschlafen kann angenehm sein, den Körpergeruch verringern und Nähe fördern. Gleichzeitig gibt es Punkte wie Hygiene, Zugluft und Hautgesundheit, die beachtet werden sollten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber