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Mit Handschellen auf Dates: Warum Stadtvögel Müll lieben

Was lockt Laubenvogel-Weibchen heute an? In Australiens Städten setzen Männchen auf Müll statt Natur – mit erstaunlichem Effekt.

04.06.2026, 04:36 Uhr

Australische Laubenvögel in Städten greifen für ihre Balz zunehmend zu menschlichem Abfall: Statt ihre Balzplätze nur mit Blättern, Samen oder Früchten zu schmücken, nutzen die Männchen immer häufiger auch Drähte, Glasscherben, Dosen oder sogar Handschellen. Das geht aus einer Untersuchung der University of Exeter hervor.

Laubenvögel (Ptilonorhynchidae) kommen ausschließlich in Australien und auf Neuguinea vor. Bekannt sind die Singvögel vor allem für ihr außergewöhnliches Paarungsverhalten: Die Männchen errichten am Boden kunstvolle Lauben aus Zweigen und dekorieren sie sorgfältig, um Weibchen anzulocken.

Für die im Fachjournal Royal Society Open Science veröffentlichte Studie verglichen Forschende die Sammlungen zahlreicher Laubenvögel aus der Stadt Townsville im Bundesstaat Queensland mit denen von Tieren aus ländlichen Gebieten. Dabei zeigte sich: Vögel in der Stadt verwendeten deutlich mehr Gegenstände – und vor allem auffälligere, meist vom Menschen stammende Objekte.

Beliebt sind bunte Fundstücke

Besonders häufig entdeckten die Wissenschaftler grüne Glassplitter und rote Drähte. Daneben tauchten aber auch ungewöhnliche Stücke auf, darunter Handschellen, Medikamentenfläschchen in der Nähe eines Krankenhauses oder fluoreszierende Mundschutze aus dem Umfeld eines Sportstadions. Ein besonders aktives Männchen hatte mehr als 300 Objekte gesammelt. Zum Vergleich: Auf dem Land kamen die Tiere im Schnitt auf rund 20 Dekorationselemente, in der Stadt auf etwa 90.

Die Balz selbst folgt einem festen Ablauf: Betritt ein Weibchen die Laube, präsentiert das Männchen einzelne Gegenstände gezielt in ihrem Sichtfeld und zeigt gleichzeitig sein Gefieder. Laubenvögel besitzen dabei ein deutlich feineres Farbsehvermögen als Menschen.

Balzverhalten von australischen Laubenvögeln
Männliche Laubenvögel bauen aufwendige Balzplätze und dekorieren diese anschließend für die Weibchen. Quelle: Caitlin Evans/University of Exeter/dpa

Auch auf dem Land ist Menschenmüll gefragt

Ein weiterer Versuch bestätigte die Vorliebe für künstliche, farbige Materialien. Sowohl Stadt- als auch Landvögel entschieden sich eher für menschengemachte Fundstücke als für natürliche Alternativen wie Blätter, Samen oder Früchte.

Noch offen ist allerdings, ob diese Vorliebe den Tieren auf Dauer nützt oder schadet. Unklar bleibt auch, ob auffälligere Dekorationen tatsächlich die Chancen bei der Partnerwahl verbessern. Studienautorin Caitlin Evans erklärte, die Untersuchung habe nicht geprüft, ob Weibchen die in Städten gesammelten auffälligeren Objekte tatsächlich bevorzugen. Das ausgeprägte Sammelverhalten der Männchen deute jedoch darauf hin.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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