Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo ist nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation weiterhin nicht eingedämmt. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte in Genf, die Krankheit habe den Helfern zunächst einen Vorsprung abgerungen, dem man noch immer hinterherlaufe. Zuvor hatte er die betroffene Region im Osten des Landes mehrere Tage lang besucht.
Nach Angaben der WHO hatte sich das tödliche Virus vermutlich schon über Wochen in der Provinz Ituri an der Grenze zu Uganda und Südsudan ausgebreitet, bevor der Ausbruch Mitte Mai entdeckt wurde. Der inzwischen bestätigte seltene Bundibugyo-Typ des Ebolavirus war mit herkömmlichen Tests zunächst nicht erkannt worden.
Im Osten des Kongo wurden nach Behördenangaben inzwischen 363 bestätigte Fälle registriert, darunter 62 Todesfälle. Die WHO geht zudem von einer hohen Dunkelziffer aus. Im Nachbarland Uganda wurden laut dortigen Behörden bislang 15 Fälle bestätigt.
Kontaktverfolgung bleibt schwierig
Die Zahl der Verdachtsfälle ist nach WHO-Angaben deutlich gesunken: von mehr als 1.200 auf weniger als 170. Grund ist, dass die meisten untersuchten Proben bei Menschen mit Ebola-Verdacht negativ ausfielen. Die bislang vorliegenden Proben seien inzwischen weitgehend abgearbeitet. Die WHO unterstützt die Behörden zugleich dabei, die Testkapazitäten in der Region deutlich auszubauen. Am Mittwoch nannten die kongolesischen Behörden zudem keine neuen Zahlen zu Verdachtsfällen.
Tedros verwies auf mehrere große Hürden im Kampf gegen den Ausbruch. So sei es weiterhin schwierig, Kontaktpersonen von Infizierten zu isolieren und zu überwachen. Das gelinge bislang nur bei rund 45 Prozent der Kontakte. Nötig seien jedoch mehr als 90 Prozent, um die Weiterverbreitung wirksam zu stoppen.
Außerdem müsse das Vertrauen der Bevölkerung weiter gestärkt werden, damit Erkrankte sich frühzeitig melden und in den Behandlungszentren versorgt werden können. Nach WHO-Angaben halten Misstrauen, Aberglaube und Desinformation viele Menschen davon ab, sich selbst oder Angehörige behandeln zu lassen. Parallel dazu treibt die WHO die Entwicklung von Impfstoffen und Therapien für diesen Virustyp mit Hochdruck voran.
Ebola-Verdacht in Gefängnis – fünf Patienten auf der Flucht
Wie schwierig das Vorgehen gegen das Virus ist, zeigt nach Behördenangaben auch ein Vorfall in der Provinz Ituri. Dort sucht die kongolesische Polizei nach fünf mutmaßlichen Ebola-Patienten, die aus Behandlungszentren entkommen sein sollen.
Die Männer waren nach Angaben eines Polizeivertreters Häftlinge im Zentralgefängnis der Provinzhauptstadt Bunia und hatten am Wochenende Symptome gezeigt. Um Ansteckungen in dem Gefängnis mit mehr als 1.000 Insassen zu verhindern, wurden sie in zwei Behandlungszentren gebracht. Wegen unzureichender Sicherheitsvorkehrungen konnten jedoch alle fünf fliehen.
Das Ebolavirus wird durch engen Körperkontakt sowie durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. Bei der Ebola-Epidemie in Westafrika 2014 und 2015 starben mehr als 11.000 Menschen. Beim zweitschwersten dokumentierten Ausbruch von 2018 bis 2020 im Ostkongo kamen rund 2.300 Menschen ums Leben.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion