LNG dürfte Europas Gasmärkte bald dominieren
Energieexperten erwarten, dass verflüssigtes Erdgas (LNG) in den großen Gasmärkten Europas in wenigen Jahren den größten Anteil stellen wird. Nach Einschätzung des Analysehauses ICIS steigt der LNG-Anteil am Gasverbrauch in West- und Mitteleuropa von 44 Prozent im vergangenen Jahr auf 47 Prozent im Jahr 2027. Für 2029 rechnen die Fachleute bereits mit einem Anteil von 52 Prozent.
Als wichtigsten Treiber nennt ICIS-Gasmarktexperte Andreas Schröder den deutlichen Ausbau des weltweiten LNG-Angebots, insbesondere in Nordamerika. Das zusätzliche Angebot sei so umfangreich, dass selbst vorübergehende Lieferausfälle aus Katar rasch ausgeglichen werden könnten. Zugleich dürfte das die LNG-Preise auf längere Sicht eher niedrig halten.
Für die Untersuchung wurden die Gasmärkte in zwölf Staaten analysiert: Großbritannien sowie die EU-Länder Spanien, Frankreich, Deutschland, Italien, die Niederlande, Belgien, Polen, Österreich, Tschechien, die Slowakei und Ungarn. LNG steht für „Liquefied Natural Gas“, also verflüssigtes Erdgas.
Sefe und Uniper setzen auf zahlreiche LNG-Transporte
Auch deutsche Energieunternehmen spielen im weltweiten LNG-Handel eine wichtige Rolle. Dazu zählen vor allem Sefe, Uniper und RWE.
Sefe, früher unter dem Namen Gazprom Germania bekannt, hat nach eigenen Angaben sechs LNG-Tanker gechartert. Lieferverträge bestehen mit Produzenten in den USA, Westafrika, Südamerika, dem Nahen Osten und Ostasien. Zudem bezieht das Unternehmen weiterhin LNG aus einem älteren Vertrag mit dem russischen Produzenten Yamal. Allerdings unterliegen russische LNG-Lieferungen ab dem 1. Januar 2027 den EU-Sanktionen sowie einem Importverbot. Das von Sefe beschaffte LNG werde weltweit vermarktet, wobei Europa und Indien derzeit die wichtigsten Absatzmärkte seien. Im Jahr 2025 habe das Unternehmen rund 180 Schiffsladungen an Kunden ausgeliefert.

In einer ähnlichen Größenordnung bewegt sich Uniper. Der Konzern hat derzeit vier Schiffe gechartert und nach eigenen Angaben im Jahr 2025 insgesamt 167 LNG-Ladungen gehandelt. Vor der Energiekrise 2022 seien es noch 360 Ladungen pro Jahr gewesen, sagte Uniper-Manager Niels Fenzl, der im Unternehmen für LNG-Einkauf, Verkauf und Infrastruktur verantwortlich ist. Uniper wolle vom erwarteten Wachstum des LNG-Marktes profitieren und arbeite derzeit intensiv daran, das eigene Geschäft wieder auf das frühere Niveau zu bringen oder sogar auszubauen. Langfristige Bezugsverträge bestehen laut Fenzl unter anderem für LNG aus den USA und aus Australien.
RWE liefert vor allem US-LNG nach Europa
Auch RWE war im vergangenen Jahr im LNG-Geschäft aktiv. Nach Angaben des Unternehmens wurden rund neun Millionen Tonnen LNG geliefert. Das entspricht rechnerisch etwa 144 Schiffsladungen. Langfristig bezieht RWE derzeit LNG aus Australien, künftig soll auch Gas aus den USA hinzukommen. Darüber hinaus plant der Konzern perspektivisch ebenfalls Lieferungen aus dem Nahen Osten.
Nach Unternehmensangaben geht das in den USA beschaffte LNG derzeit überwiegend nach Europa. Mengen aus Australien würden hingegen hauptsächlich nach Asien geliefert. Eigene LNG-Schiffe betreibt RWE nicht. Stattdessen chartert der Konzern bei Bedarf Transportkapazitäten, deren Umfang je nach Geschäftslage variiert.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion