Bayern

So rettet Telemedizin Babys in Geburts-Notfällen

Wenn bei der Geburt Sekunden zählen, kommt Hilfe jetzt per Bildschirm: Bayerns neuer Ferndienst soll Babys schneller retten.

04.06.2026, 04:01 Uhr

Telemedizinischer Notarztdienst für Neugeborene in Bayern gestartet

In Bayern ist seit Anfang Juni ein telemedizinischer Notarztdienst für kritische Situationen bei Geburten im Einsatz. Wie Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) mitteilte, ermöglicht der neue Tele-Neugeborenen-Notarztdienst (TeleNNAD), dass spezialisierte Intensivmediziner Geburtskliniken jederzeit aus der Ferne unterstützen können. Sie sprach von einem wichtigen Fortschritt in der Versorgung.

Das Angebot richtet sich vor allem an Kliniken im ländlichen Raum, in denen es bei Komplikationen während der Geburt auf schnelle fachliche Hilfe ankommt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind aktuell 21 Krankenhäuser an das Netzwerk angebunden, weitere Einrichtungen können hinzukommen.

Über das System können die Teams vor Ort bei akuten Notfällen sofort erfahrene Neonatologinnen und Neonatologen aus neun hoch spezialisierten Zentren per Bild- und Tonübertragung in den Kreißsaal dazuschalten. Ziel ist es, schwere Komplikationen, Todesfälle sowie dauerhafte Gesundheitsschäden bei Neugeborenen möglichst zu verhindern.

Die ersten Minuten sind besonders wichtig

Bereits zum Projektstart im Oktober hatte Matthias Keller, ärztlicher Direktor der Kinderklinik Dritter Orden in Passau, auf die Bedeutung schneller Hilfe hingewiesen. Die Klinik übernimmt die Koordination des Dienstes. Wenn Babys während oder kurz nach der Geburt unter Sauerstoffmangel leiden, könne dies gravierende und oft lebenslange Folgen haben. Häufig seien schwere körperliche oder geistige Einschränkungen die Folge.

Keller betonte, dass besonders die ersten zehn Minuten nach der Geburt entscheidend seien. In dieser Phase könne die richtige medizinische Versorgung über Leben, Entwicklung und Gesundheit des Kindes entscheiden. Mithilfe moderner Telemedizin könnten die Behandlungsteams vor Ort in diesen kritischen Momenten fachlich, technisch und auch menschlich unterstützt werden.

Nach Angaben von Gerlach ist das Projekt in dieser Form einzigartig in Deutschland. Der Freistaat Bayern fördert den Aufbau des Dienstes mit rund 658.000 Euro. Weitere knapp 480.000 Euro stammen vom Verein Sternstunden, der sich seit Jahrzehnten für kranke, behinderte und in Not geratene Kinder engagiert. Die Benefizaktion ist in Bayern unter anderem durch ihre enge Verbindung zum Bayerischen Rundfunk sehr bekannt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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