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Jährlich Hunderte schwere Pilzvergiftungen!

Ein falscher Pilz kann im Wald schnell lebensgefährlich werden – und niemand weiß genau, wie viele Vergiftungen es wirklich gibt.

18.10.2026, 07:00 Uhr

Beim Sammeln von Pilzen kann es passieren, dass versehentlich ein giftiger Fund im Korb landet und kurz darauf eine Behandlung im Krankenhaus nötig wird. Solche Fälle kommen in Deutschland zwar vor, bleiben insgesamt aber vergleichsweise selten. Eine vollständige Erfassung gibt es nicht, doch Zahlen verschiedener Stellen geben eine Orientierung.

Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) wurden laut Gesundheitsberichterstattung des Bundes in den vergangenen zehn Jahren jährlich rund 280 bis 680 Menschen wegen einer Pilzvergiftung stationär behandelt. Todesfälle sind deutlich seltener: Je nach Jahr wurden null bis sieben registriert.

Bis zu 170 schwere Fälle im Jahr

Weitere Hinweise liefern die sieben Giftinformationszentren in Deutschland. Das Giftinformationszentrum Nord in Göttingen verzeichnete zwischen 2022 und 2025 pro Jahr 10 bis 24 schwere Pilzvergiftungen sowie bis zu zwei Todesfälle.

Dem BfR zufolge entfällt auf das GIZ Nord etwa ein Siebtel aller Anfragen, die bei den deutschen Giftinformationszentren eingehen. Hochgerechnet auf das gesamte Bundesgebiet ergäbe das rund 70 bis knapp 170 schwere Vergiftungsfälle pro Jahr, die dort beraten werden, sowie bis zu 14 Todesfälle. Diese Schätzung liegt damit etwas über den in der Gesundheitsberichterstattung erfassten Todeszahlen.

Pilzreiche Jahre erhöhen das Risiko

Das BfR weist darauf hin, dass die Fallzahlen von Jahr zu Jahr deutlich schwanken können. Auch regionale Unterschiede spielen vermutlich eine Rolle, da giftige Pilzarten unterschiedliche Lebensräume bevorzugen. In besonders guten Pilzjahren mit günstigen Wetterbedingungen steigt zudem die Wahrscheinlichkeit von Vergiftungen.

Korb mit Steinpilzen steht in einem Wald
Pilzesammeln erfreut sich als Beschäftigung im Herbst großer Beliebtheit: Mittlerweile gibt es sogar selbst ernannte Pilz-Influencer. Quelle: Patrick Pleul/dpa

Hinzu kommt eine nicht bekannte Dunkelziffer: Nicht jede betroffene Person kommt ins Krankenhaus oder wendet sich an ein Giftinformationszentrum.

Um bundesweit ein klareres Bild zu erhalten, arbeitet das Bundesinstitut für Risikobewertung derzeit am Aufbau eines zentralen Vergiftungsregisters.

Fachleute warnen vor gefährlichen Verwechslungen

"In Deutschland gibt es sehr giftige Pilze, die essbaren Arten zum Verwechseln ähnlich sehen. Das kann auch für erfahrene Sammlerinnen und Sammler riskant sein", sagt Yuri Bruinen de Bruin, Leiter des Nationalen Vergiftungsregisters beim BfR.

Zu den beliebten Speisepilzen gehören etwa Wiesenchampignon und Frauentäubling. Immer wieder werden sie jedoch mit dem Grünen Knollenblätterpilz verwechselt, der hochgiftig ist. Seine Gifte können ein Leberversagen auslösen; schon kleine Mengen können lebensgefährlich sein.

Besonders gefährdet sind laut Behörde Kinder und ältere Menschen. Bei ihnen können bereits geringe Mengen giftiger Pilze schwere gesundheitliche Folgen haben. Mögliche Symptome sind Übelkeit, Bauchschmerzen und Erbrechen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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